Idil Baydar im Kostüm. Foto: Promop

Idil Baydar "Isch bin Kanake, was willst du?"

von Yasmin Polat und Norbert Thomma31 Kommentare

Die Tiraden ihrer Kunstfigur Jilet Ayse sind ein Netzhit. Kaum eine beherrscht den Slang der Straße so gut wie Idil Baydar. Wie ein Mädchen aus Celle so weit gekommen ist.

Ausländische Hardware und deutsche Software - geht das?

Idil Baydar. Foto: Mike Wolffp

Erzählen Sie.

Ich bin recht sprachaffin, und mein Englisch ist sehr gut. Wenn ich also in Deutschland nicht als Türkin wahrgenommen werden will, I start to talk in English with the people, that makes them very cooperative … Man hält mich dann für eine Kosmopolitin, offenbar aus wohlhabendem Haus, weil ich so gebildet erscheine. Das öffnet mir eine völlig neue Realität.

Sie sind Deutsche. Sagen Sie das auch so?

Nein. Meine Deutung ist, ich bin transkulturell. Ausländische Hardware mit deutscher Software. Wissen Sie was: Es gibt viele Kanaken, die sich mit Deutschland identifizieren so wie ich, und wir wollen nur, dass ihr stolz auf uns seid.

Jilet ist türkisch und heißt Rasierklinge, der Name und die Idee mit den Videos soll von Ihrer Mutter sein.

Sie hat gesehen, wie ich von der Schule komme und mit meinen Freundinnen über die neuesten Wortschöpfungen der Jugendlichen lache. Meine Mutter war Maskenbildnerin beim Film, schleppte ein Kamerateam an: „So, das wird aufgenommen und dann packen wir es auf YouTube.“ Ich dachte, mach einfach mit, sonst wirst du sie nie los. Das gibt drei Klicks und aus ist.

Schlechte Prognose.

Innerhalb von drei Monaten hatte ich mehr als eine Million Klicks, das ist enorm für ein Comedy-Video. Die nächsten Videos liefen dann auch gut, ein Journalist der „Zeit“ hat mich gepostet mit dem Satz „Sie ist ein verdammtes Genie“, die „taz“ kam, Stück für Stück wurde die Aufmerksamkeit größer. Ich dachte, gute Chance, jetzt schaust du mal, was da geht.