Die Weibchen der Grauen Mausmakis leben in Gruppen, die Männchen sind hingegen Einzelgänger. Foto: imago/blickwinkelp

Graue Mausmakis Die kleinsten Primaten der Erde

Marcel Kunzmann
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Ihr Gehirn wiegt nur zwei Gramm, trotzdem sind Mausmakis ziemlich schlau. Mit den riesigen Knopfaugen erkennen sie Beute auch bei wenig Licht.

Sie sind klein, flauschig – und ihre Körperteile sind für manch Überraschung gut. Im Halbdunkel des Nachttierhauses, versteckt zwischen dicken Ästen, leben die Mausmakis des Berliner Zoos. Während draußen die Sonne hoch am Himmel steht, turnt der Mausmaki munter durchs finstere Kellergehege, immer in dem Glauben, es sei gerade Nacht. Der umgedrehte Tag-Nacht-Zyklus ist vor allem im Interesse der Besucher, denn die kleinen Makis gehen erst nach Einbruch der Dunkelheit auf große Raubzüge: von Blütennektar über Insekten bis hin zu Fröschen steht allerlei auf dem Speiseplan der gefräßigen Äffchen.

„Wie Flummis in den Bäumen“ können die Lemuren zwischen den Ästen umeinanderhüpfen, erklärt Tierpfleger Mario Grüßer. In freier Wildbahn helfen ihnen die im Vergleich zum Kopf riesigen Knopfaugen, ihre Beute auch bei wenig Licht zu erkennen. Farben sind dabei überflüssig, die Mausmakis nehmen die Welt wie Neugeborene in Grautönen wahr.

Weibchen sind nur für wenige Stunden fruchtbar

Mit rund 15 Zentimetern Körperlänge und einem Gewicht von etwa 60 Gramm zählen die Grauen Mausmakis zu den kleinsten Primaten der Erde. Ihr Gehirn bringt nur zwei Gramm auf die Waage und ist damit das kleinste unter den Affen. Mausmakis leben in (in der Regel weiblich geprägten) Gruppen und kümmern sich um ihren Nachwuchs. Eine Makischwangerschaft ist nach rund zweieinhalb Monaten beendet, ein Weibchen bekommt meist zwei Jungtiere, selten mehr. Die Nächte verbringen diese dann in der Regel bei ihrer und anderen Müttern.

Mausmakis schlafen nach Geschlechtern getrennt. Die Weibchen bilden die größeren Gruppen, während die Männer eher Einzelgänger sind.

In der Paarungszeit heißt es für die Männchen, möglichst keine Zeit zu verlieren: Weibliche Mausmakis sind nur für wenige Stunden fruchtbar, weswegen sich die Hoden der Männchen als evolutionäre Antwort auf diesen Umstand während dieser Phase um rund ein Drittel vergrößern.

Der Berliner Zoo beherbergt derzeit zwei ausgewachsene Weibchen der vom Aussterben bedrohten Art. Nachwuchs ist daher erstmal nicht in Sicht, allerdings will man auch in Zukunft für den Erhalt der Mausmakis im Zoo sorgen.

Der Schwanz dient als Fettspeicher

Das Mitte der 1970er Jahre errichtete Nachttierhaus beherbergt die Säuger bereits seit einigen Generationen. In Gefangenschaft können die Makis bis zu zehn Jahre alt werden, in ihrer Heimat Madagaskar hingegen bleibt ihnen nur halb so viel.

Die karge Trockenzeit, in denen es an brauchbaren Beutetieren mangelt, verbringen die Mausmakis in einer Art Winterruhe. Vorher wird ordentlich Fett angefuttert – dieses sammelt sich allerdings nicht am Bauch, sondern, wie Mario Grüßer mit einem Lächeln erklärt, im Schwanz der Tiere an.

Das eigentlich zum Balancieren im Astwerk genutzte Körperteil verwandelt sich dann in eine Notreserve für schlechte Zeiten. Und die kommen für die Lemuren leider immer häufiger: Madagaskar hat seit der Besiedlung durch den Menschen etwa 80 Prozent seiner Waldflächen verloren, was den Lebensraum der Tierchen mit den großen Augen immer weiter reduziert.

GRAUER MAUSMAKI IM ZOO

Lebenserwartung:  Fünf Jahre

Interessanter Nachbar: Plumplori, Erdferkel

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