Sexsymbol. Prinz Harry, rothaarig im Gegensatz zum Bruder, hat die Verlobung mit der US-Schauspielerin Meghan Markle verkündet. Foto: dpa
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Ginger Hair Warum uns rothaarige Menschen so sehr faszinieren
Jesko zu Dohna
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Aus der Scham ist mittlerweile Stolz geworden

Diesen Jungen fotografierte Meyerowitz in Provincetown im Bundesstaat Massachusetts. Foto: © Joel Meyerowitz/Courtesy Howard Greenberg
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Als meine Cousine damals mit Wehen ins Krankenhaus kam, schlug die Hebamme die Hände vor dem Gesicht zusammen. Lange behauptete sich nämlich das Gerücht, rothaarige Frauen hätten schwerere Blutungen und komplizierte Geburten. Heute haben sich solche Hirngespinste zum Glück in Luft aufgelöst. Allein ein Nachteil ist wissenschaftlich belegt: Wir bekommen schneller einen Sonnenbrand als Blonde oder Brünette.

Aus der Scham über die ungewöhnliche Haarfarbe ist mittlerweile Stolz geworden. Seit Jahren treffen sich ginger people aus der ganzen Welt zu Tausenden auf „Red Head Conventions“ in Irland und den Niederlanden. Der New Yorker Fotograf Joel Meyerowitz reiste 1980 über zehn Jahre lang durch die USA und dokumentierte in Porträts die Schönheit roter Haarpracht. Einige seiner Bilder zeigt nun eine Ausstellung, die nächste Woche im C/O Berlin eröffnet. Red is cool. Auch dank Prince Harry, der Umfragen zufolge attraktiver als sein blonder Bruder ist. Prominente Stimmen fordern nun einen rothaarigen James Bond als Nachfolger für Daniel Craig. Ein Ginger mit Revolver und Dinner Jacket? Das wäre der Durchbruch.

Als Jugendlicher wollte ich unbedingt ins Ausland und entschied mich für zwei Schuljahre auf einem Internat in Irland. Schon vor dem Flug nach Dublin saß ich am Düsseldorfer Flughafen und malte mir aus, wie entspannt es für mich werden würde: Einmal nicht mit meinen Haaren aufzufallen, das klang sehr verlockend. Nach Ankunft an der rauen südirischen Küste musste ich feststellen, dass dort die Vorurteile noch ausgeprägter waren, wie mir mein Deutschlehrer an der Schule bestätigte. Er wurde öfter als „fucking ginger prick“ beleidigt – und das in einem Land, in dem über zehn Prozent der Menschen flammend schöne Haare wie die Venus von Botticelli haben.

Die rote Haarfarbe ist ein Gen-Defekt

Je seltener die Farbe vorkommt, desto positiver ist sie besetzt. Diese Faustregel bestätigte sich wieder, als ich Silvester im Iran verbrachte. Da ging es mir ähnlich wie in Italien, die Menschen drehten sich begeistert nach mir um. Der Legende nach, so erzählten es mir Einheimische, habe es vor der islamischen Eroberung Persiens im siebten Jahrhundert viele rothaarige Perser gegeben. Heute leben nur noch einige von ihnen in abgelegenen Bergdörfern des Elburs.

Aus der Porträtserie „Redheads“ von Joel Meyerowitz. Foto: © Joel Meyerowitz/Courtesy Howard Greenberg
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In Deutschland haben noch zwei Prozent der Bevölkerung rote Haare. Dabei wird es vermutlich nicht bleiben. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es Rothaarige wegen des fortschreitenden Klimawandels spätestens 2100 nicht mehr geben wird. Einige Forscher glauben, dass die Haarfarbe durch Sonnenmangel und kalte Temperaturen befördert wird. Das „Rothaarigengen“ ist eine Mutation des 16. Chromosoms, die zu einer Veränderung des Proteins MC1R und zu weniger Pigmentierung in Haut und Haaren führt. Rothaarige können aus weniger Sonnenlicht mehr Vitamin D absorbieren.

Die Farbe der Haare wird nur rezessiv vererbt, das heißt, in beiden Familien der Eltern muss dieses Merkmal vorkommen. Erst dann kann auch das Kind rothaarig werden. Die Chance, meine Kurzsichtigkeit zu vererben, ist also größer. Und genau da liegt für mich das Problem: Auch wenn wir Rothaarigen uns auf der Straße ab und an freundlich zum Gruß zunicken, ein rothaariges Pärchen sieht man fast nie auf der Straße. Auch in Irland übrigens nicht.

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