in Rom kommt vor der Aussicht ein Besuch an der Bar, wo die Cornetti warten. Foto: promo
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Essen und Trinken Das sind die schönsten Cafés und Restaurants in Europas großen Museen
Peter Becker
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Michelin-Stern-Essen in Amsterdam

Ein Kuchen in Amsterdam. Foto: Alamy Stock Photo
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4 Rijksmuseum, Amsterdam, Rijks

„Rijks ist das Reichsmuseum, auf einem Teller serviert“, lautet (übersetzt) das Motto des Restaurants, das ins „Basement“ – also tiefer als ein Erdgeschoss, doch höher als ein richtiges Souterrain – des Amsterdamer Rijksmuseums hineingebaut wurde, genauer gesagt in den Nebenflügel namens „Philips Wing“. Das geschah 2014, ein Jahr nachdem das Museum nach immerhin zehnjähriger Sanierung wiedereröffnet worden war und die wenigen Bilder, die die Enttäuschung der Touristen während der Sanierungszeit etwas lindern sollten, aus ihrem Notquartier im Seitenflügel ausgezogen waren.

Dann aber gingen die Amsterdamer in die Vollen: Nicht irgendeine Museumsgastronomie sollte es sein, sondern ein hochklassiges Restaurant. Es dauerte auch nur zwei Jahre, bis es Küchenchef Joris Bijdendijk gelang, sich für das etwas modisch Rijks genannte Etablissement einen Michelin-Stern zu erkochen. Da war der Maître gerade einmal 32 Jahre jung, ein Alter, in dem Kollegen noch die harte Tour durch (schlecht bezahlte) Sous-Chef-Posten in möglichst überseeischen Gourmettempeln absolvieren müssen.

Nicht so in Amsterdam. Eigentlich braucht man nur ins Museum hochzusteigen und die saftigen Fleisch-und-Früchte-Stillleben des Goldenen Jahrhunderts der holländischen Malerei zu betrachten, um zu wissen, was damals und eben auch heute schmeckt. Doch weit gefehlt. Zwischen dem „Gouden Eeuw“ und der Jetztzeit liegen ein paar Jahrhunderte niederländischer Kolonialgeschichte, und so kommt denn auch das Rijks nicht ohne indonesische Gerichte aus, vielmehr, das ganze Menu ist südostasiatisch angehaucht. Viel Fisch, viele Meeresfrüchte gibt es, gerne mit einst exotischen Früchten wie Kokos oder Avocado vereint, oder einen Salat namens „Gado Gado“ mit Erdnussdressing. Aber auch ein Limburger Sauerfleisch wird offeriert, dazu Röstkartoffeln und Apfelsahne. Die Portionen, nun ja, sind auf mehrgängige Menüs und gleichzeitiges Servieren ausgelegt, die „Rijkstafel“ – eine Verballhornung der niederländischen Rijstafel – vereint sechs Gänge und kommt auf angemessene, nicht überteuerte 67,50 Euro.

Dementsprechend ist das Design des Rijks: natürlich minimalistisch, mit kargen Quadrattischchen und von den hohen Decken herabgeführten Dreifachlampen, die den ganzen Laden calvinistisch strikt ausleuchten. Man darf wohl, wie der Guide Michelin, von einer „geselligen, luxuriösen Brasserie“ sprechen, um die Atmosphäre dieses Designerlokals wiederzugeben. Viel Gelegenheit zum Herumschauen hat der Gast allerdings nicht, denn das Rijks ist permanent ausgebucht, und für enttäuschte Museumsbesucher, die sich auf einen spontanen Lunch gefreut hätten, gibt es mehrere Zweig-Cafés unter gleicher Leitung im riesigen Haus. Es hat eben seinen Preis, ein Sternerestaurant im Museum zu haben.
Museumstraat 2, geöffnet täglich von 11.30 bis 15 Uhr und 17 bis 22 Uhr, Sonntag nur mittags, rijksrestaurant.nl

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