in Rom kommt vor der Aussicht ein Besuch an der Bar, wo die Cornetti warten. Foto: promo
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Essen und Trinken Das sind die schönsten Cafés und Restaurants in Europas großen Museen
Peter Becker
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Begehbares Gesamtkunstwerk in Remagen

Im Arp Museum Bahnhof Rolandseck werden kleine Köstlichkeiten serviert. Foto: Sabine Walczuch
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5 Arp Museum, Remagen, Interieur no. 253

Im Empfangsgebäude des Bahnhofs Rolandseck pflegten schon vor 150 Jahren die höheren Herrschaften zu speisen, denn die Aussicht war grandios: auf den Drachenfels und das Siebengebirge. Praktischerweise ließ sich unterhalb dieser Endstation der Bonn–Cölner-Eisenbahn gleich auf ein Dampfschiff umsteigen, um anschließend den Rhein hinauf oder hinab wieder nach Hause zu reisen. Die britische Königin Victoria, die Brüder Grimm, Friedrich Nietzsche, sie alle machten davon Gebrauch.

Seitdem hat das klassizistische Gebäude mit der schmiedeeisernen Terrasse manche Änderung erfahren. Erst sollte es nach dem Zweiten Weltkrieg als zu klein für die Bahn abgerissen werden, dann zogen Künstler ein, und der Bahnhof erwachte zu kulturellem Leben. 2004 eröffnete es – mittlerweile zum dritten Mal –, nun als Museum. Drei  Jahre später stellte der US-Architekt Richard Meier einen strahlend weißen Neubau in den Hang hinzu. Die schönste Innovation bei der jüngsten Wiedererweckung aber war die Restaurierung des historischen Erste-Klasse-Wartesaals mit seinen Stuckdecken und den bombastischen Kristalllüstern. Dort stehen zum Apéro ganz fein Austern auf der Karte, als Hauptgang gibt es gerne auch handfestes „Himmel un Äad“ mit gebratener Flönz, wie der Rheinländer die Blutwurst nennt.

Der Clou aber ist das Bistro nebenan, nicht nur wegen der netten kleinen Speisen, Roastbeef oder gratinierte Rote Bete, sondern weil es der Berliner Maler Anton Henning als begehbares Gesamtkunstwerk gestaltet hat. Der Rundum-Künstler übernahm für sein Werk „Interieur No. 253“ Theke, Tische, Lampen und Stühle und versah sie mit geometrischen Formen in Pastellfarben, dazu hängte er seine popartigen Bilder, Akte und romantische Naturdarstellungen. Das Auge des Besuchers wandert nun zwischen der Gemüsetarte auf dem Tisch und der nackten Schönheit an der Wand hin und her. Ein Kulturgenuss der besonderen Art. Plus Aussicht auf den Rhein.
Hans-Arp-Allee 1, geöffnet von Dienstag bis Samstag 11 bis 24 Uhr, Sonntag 10 bis 24 Uhr, arpmuseum.org/besuch/erlebnis/gastronomie

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