Jahr für Jahr geben Deutsche laut Nabu rund 15 bis 20 Millionen Euro für die Vogelfütterung aus. Foto: imago/blickwinkel
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Die Sparkolumne Mit den Vögeln teilen

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Design-Vogelhaus in Edelstahl, wer braucht denn so was? Meine Frau sagte gar nichts, und guckte aus dem Küchenfenster.

Der Postbote schaute mal wieder bei uns vorbei und stopfte eine Zellophantüte mit Prospekten in den Briefkasten. „Schau mal“, sagte ich auf dem Weg zum Mülleimer, als ich den Packen vorsichtshalber nach etwaigen Schnäppchen durchblätterte und beim „Design-Vogelhaus, Stück 14,99“ aus gebürstetem Edelstahl hängenblieb: „Wer braucht denn so was?“

Meine Frau sagte gar nichts, guckte stattdessen aus dem Küchenfenster. Draußen steckte am Rand der Terrasse eine ganz ähnliche Futterstation auf einem schlanken Stahlmast, die ich da noch nie gesehen hatte. Am Rand balancierte ein Rotkehlchen, hinter ihm wartete bereits ein weiteres in der Hecke.

„Was ist das?“, fragte ich. „Das alte war kaputt“, erwiderte meine Frau. Außerdem sei das Ding hygienisch fragwürdig gewesen. Wenn man Vögel füttere, so rate es jedenfalls der Nabu, sei Hygiene wichtig: Vögel sollten nicht im Futter rumhüpfen, da würden sie sich leicht sonst was holen. Deshalb also der neue Futtersilo in Edelstahl.

Du liebe Zeit, dachte ich, jetzt gibt es schon Hygienestandards für Wildvögel, schaute wieder in den Prospekt und sah die Futterpreise. „Ach was“, sagte meine Frau, „ein Pfund Fettfutter kostet 4,99 und hält ewig.“

Die Fütterei ist umstritten

Ich stellte meine eigenen Berechnungen an, ein Pfund würde allenfalls zehn Tage reichen. Was sehr optimistisch war, weil mir meine Frau am nächsten Tag berichtete, sie habe schon zweimal nachfüllen müssen. Zeitweise hätten 20 Vögel gleichzeitig auf der Terrasse eine Art Party gefeiert. Bis der Eichelhäher kam und die Kleinen vertrieb.

Weißt du eigentlich, dass die Fütterei umstritten ist?“, versuchte ich es wissenschaftlich. „Da kämen immer nur die gleichen, den bedrohten Arten hilft man gar nicht.“ Das sei doch kein Zoo da draußen. Besser sei es, seinen Garten naturnah zu gestalten, dann fänden die Vögel genug Nahrung von allein. Sagt der Nabu.

„Du warst es doch, der seine Kirschen nicht mit den Vögeln teilen wollte“, antwortete meine Frau. Und überhaupt, es sei doch viel interessanter, wenn da im Garten so viel los ist. Fände übrigens auch der Hund. Statt sich irgendwo in einer Ecke zu langweilen, gucke der jetzt ganz aufmerksam durch das Terrassenfenster.

Ich stellte mich neben den Hund und guckte ebenfalls raus. Auf dem Schuppen hockte ein Eichhörnchen und starrte rüber zum Treiben am Futtersilo. Es sah so aus, als ob es sich die Pfoten reiben würde. Wahrscheinlich wird es nicht bei hungrigen Vögeln bleiben. Der Hund knurrte. Kurz dachte ich daran, ihn rauszulassen, tat es dann doch nicht. Vielleicht können wir das Geld fürs Futter ja anderswo einsparen.

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