pDie besten Pizzerien in Neapel: Die Welt isst eine Scheibe
13 KommentareBill Clinton war auch schon da
pHeute sind die Pizzerien Neapels längst selbst Sehenswürdigkeiten. Im Di Matteo hängt ein etwas angelaufenes Foto über dem Eingang, das Bill Clinton zeigt, der 1994 auf Staatsbesuch in der Via dei Tribunali eine Runde drehte und bei Di Matteo einkehrte. Darauf beißt der US-Präsident guter Dinge in eine „Pizza a libretto“: einmal in der Mitte gefaltet und noch mal, sodass ein Viertel entsteht, wie bei einer Crêpe, die man mit der Hand gut essen kann.
Ein paar Hausnummern weiter wacht Gino Sorbillo streng über das Schicksal der vielen Hungrigen, die hier vor der Pizzeria auf der Straße Schlange stehen. Sorbillo hat ein Clipboard in der Hand, wo er die Namen der Wartenden notiert. Wird drinnen ein Tisch frei, krächzt ein etwas rachitischer Lautsprecher Namen und Zahlen.
Die Sorbillos sind eine Familie, wie sie sich Elena Ferrante nicht besser für einen ihrer Neapel-Romane hätte ausdenken können. Luigi Sorbillo gründete 1935 eine Pizzeria in der Via dei Tribunali 35. Er hatte 21 Kinder, von denen 20 Pizzabäcker lernten. Nur einer, Osvaldo, wollte lieber Eisenbahner werden. Die Geschichte steht auch auf den Papierservietten im Sorbillo. Was dort nicht steht: Es gibt noch zwei andere Sorbillo-Pizzerien. Die eine in der Hausnummer 32, die andere in der 38. Nachfahren von Opa Luigi. Nach allem, was man hört, ist das Verhältnis der dritten Generation der Pizzadynastie untereinander wenig harmonisch.
In der ältesten Pizzeria der Welt gibt es weder Gerangel noch Wartelisten
Gino hat es am weitesten gebracht. Der Papst war schon da, Dolce und Gabbana schauten vorbei, als sie ihre Herbst-Winter-Kollektion 2016/17 in der Altstadt fotografierten, und sogar Starkoch Massimo Bottura hat sich mal an den beiden mit einer Mischung aus Oliven-, Buchen-, Eichen- und Kirschholz befeuerten Kuppelöfen versucht. Dem Dreisternekoch, aktuell Platz zwei auf der San-Pellegrino-Liste der weltbesten Restaurants, ist eine eigene Pizza gewidmet, die Gennaro (8,50 Euro).
In der Antica Pizzeria Port d’Alba am ehemaligen Stadttor gibt es weder Gerangel noch Wartelisten. Schon seit 1830 steht hier ein Gasthaus, das als älteste Pizzeria der Welt gilt.
Es geht gemächlich zu. Im Erdgeschoss hängen üppige Bündel der berühmten San-Marzano-Tomaten, die hier auch in die Sauce kommen, im Obergeschoss laufen 80er-Jahre-Synthiepop-Klassiker im Fernsehen. Keine Spur von dem Hype um die Pizza Napoletana, der in den letzten Jahren auf der ganzen Welt ausbrach. Immerhin war es 2006 ein Japaner, der den alljährlich in Neapel stattfindenden Wettbewerb im Pizzabacken gewann.
Ganz hinterm Mond lebt man nicht. So klassisch die graumelierten Kellner in kurzärmligen weißen Hemden und schwarzen Westen aussehen mögen, so traditionell die im Lavasteinofen gebackenen Pizzen sind, serviert werden sie mit einer guten Auswahl an lokalen Craft-Bieren. So viel Zeitgeist gönnt man sich auch in neapolitanischen Traditionsgaststätten.