Der richtige Riecher. Ameisenbären verlassen sich hauptsächlich auf ihren Geruchssinn. Foto: imago
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Der Ameisenbär im Zoo Den krall' ich mir

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Mit dem langen schmalen Rüssel erschnüffelt der Ameisenbär Nahrung - und die Gefahr. Seine Klauen des Todes fürchtet jedes Raubtier.

Ori schnüffelt. Laut. Bevor Tierpfleger Steffen Ernst überhaupt das Futter umfüllen kann, steckt Ori schon seine feuchte Knopfnase durch ein Guckloch. Ameisenbären verlassen sich hauptsächlich auf ihren Geruchssinn. Damit spüren sie in ihrer südamerikanischen Heimat Termiten auf, „etwa 30 000 am Tag brauchen die“, sagt Ernst – und dem vehementen Schnaufen nach zu urteilen hat Ori heute erst 15 000 gefressen. Höchstens.

Also bekommt das 14-jährige Männchen seine besondere Ameisenbärspeise, denn so viele Insekten hat auch der Zoo nicht auf Lager. Steffen Ernst stellt einen Fünflitereimer mit einer braunen Pampe ab. Darin sind Rindfleisch, Äpfel, Bananen, Hundetrockenfutter und Hafermehl mit Wasser verrührt. „Dazu ein Schuss Ameisensäure“, sagt Ernst. Fertig ist der Cocktail.

Als Ori endlich seinen langen Rüssel in die Schale tunkt, die bis zu 60 Zentimeter lange Zunge in die Suppe hängt, schleckt und sabbert, sieht man, was für ein majestätisches Tier er ist. Fast zwei Meter lang, 50 Zentimeter Schulterhöhe, ein eleganter silberfarbener Kamm, darunter ein schwarzer Querstreifen – und ein langer buschiger Schwanz.

Selbst Zement hält ihn nicht auf

Normalerwiese nutzen die Ameisenbären den Schwanz, um sich mit ihm wie unter einer Decke einzurollen. Dafür graben sie eine kleine Kuhle, legen sich hinein und den Schwanz einfach über den Körper. Das Weibchen Griseline macht es im Stall nebenan gerade vor. Sie zeigt sich völlig unbeeindruckt von der Schlabberattacke ein paar Meter weiter.

Es gibt jedoch noch eine weitere Funktion der körpereigenen Decke. Greift ein Jaguar oder Puma an, stellen sich die Tiere auf die Hinterbeine, wehren sich mit ihren sichelartigen Vorderkrallen und brauchen den Schwanz, um sich auszubalancieren. Die Klauen des Todes fürchtet jedes Raubtier zu Recht, mit ihnen reißen Ameisenbären schließlich Löcher in betonharte Termitenburgen. „Im Sommer können wir öfter das Fundament erneuern“, berichtet Steffen Ernst über die fleißigen Ameisenvertilger, die kein Zement aufhält, wenn sie Nahrung auf der Außenanlage erschnüffelt haben.

Griseline hat fünf Jungtiere zur Welt gebracht

Auch Tierpfleger sind den scharfen Werkzeugen bereits zum Opfer gefallen. In Buenos Aires kam es 2007 zu solch einem tödlichen Zwischenfall. Steffen Ernst erzählt, dass er vor ein paar Jahren nur sehr vorsichtig in den Stall des Männchens hätte hineingehen können. Nun ist Ori „weniger temperamentvoll“. Hauptsache, die Pampe wird geliefert.

Als hätte er gehört, dass man über ihn redet, hebt Ori den Kopf. Da er nicht gut sehen kann, zieht er geräuschvoll die Luft ein und analysiert sie: keine Gefahr, weitermachen. Griseline ist inzwischen unbemerkt an ihren Trog gekrochen. Sie hat fünf Jungtiere zur Welt gebracht, mit mehr als 20 Jahren ist sie steinalt und verspeist ihr Futter in einer altersgerechten Position: Sie legt sich flach auf den Boden und hängt ihre Schnauze ins Futter hinein. Wenig elegant, aber sehr effektiv.

Apropos. Die Paten der Ameisenbären sind die Eheleute Buschkowsky aus Neukölln. Als Heinz Buschkowsky noch Bezirksbürgermeister war, kam er zwischen Sitzungen öfter mal vorbei und erholte sich bei den Tieren. Ori, der Politikschnüffeler für Neukölln?

AMEISENBÄR IM ZOO

Lebenserwartung:  in Gefangenschaft mehr als 20 Jahre

Interessanter Nachbar: Okapi, Säbelantilope, Alpaka

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