Da späht die schöne Helena aus ihrem Loch. Foto: Steven van Tendeloo [CC BY-SA 3.0] via Wikimedia Commons
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Berliner Schnauzen: Mittelmeer-Muräne Alienalarm: Das Böse wohnt in ihrem Maul

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Im Schlund des Teufelstieres verbirgt sich Schreckliches. Dabei sind Muränen nicht von Grund auf böse. Sie sind: Die Katzen der Meere!

Kinder schreien. Vor Grusel. Muräne! Der Hummer klappert mit den Scherenhänden, die Froschfische wuseln aufgeregt umher, der Taschenkrebs ist im Sand versunken, und der kleine Junge vor der Aquariumscheibe beruhigt sich vielleicht nie mehr. Dabei sind Mittelmeer-Muränen, wie die, die sich hier gerade durch die Felsspalte ihres Meerwasserpools hervorschlängelt, nicht von Grund auf böse.

Es gibt, das kann man nicht schönreden, ein Problem mit der Ausstrahlung. Dafür kann Muraena helena nichts. Stammesgeschichtlich gesehen sind sie und die rund 200 anderen Muränenarten aus der Familie der Aalartigen – die beinahe auf der ganzen Welt vorkommen, wo Salzwasser ist, nur zu kalt darf es nicht werden – nunmal recht alt. Und damals vor Millionen von Jahren sah man eben so aus: martialisch. Nicht umsonst hat Disney Muränen zu den Handlangern der Krakenmeerhexe Ursula erkoren. Das ist die, die „Arielle, die Meerjungfrau“ töten will. Halb Schlange, halb Fisch, voll fies.

Der muskulöse, im Vergleich zum Kopf überdimensionierte, schuppenfreie und mit einer dicken Schleimschicht überzogene Einflossenkörper des Raubtiers ist dabei nicht das Hauptproblem. Das muss man erst mal hinkriegen: teigig-muskulös im Auftreten, stumpfer Blick aus kleinen Fischaugen – mit ein bisschen gutem Willen könnte man das fast niedlich finden. Würde sie nur nicht unentwegt ihr Maul aufreißen. Sieht schlimm aus. Nägel als Zähne. Was Taucher lange als Drohgebärde missverstanden haben, braucht die Muräne zum Überleben. Weil ihr die Kiemendeckel fehlen, wie normale Fische sie haben, muss sie permanent Wasser durch ihren Monsterkiefer pumpen. Maul auf, Maul zu. Mensch Muräne, diese Zähne!

Entschuldige, dass ich atme, denkt sie vielleicht, denn dumm ist sie nicht. Mit Forellen-Barschen kann sie reden – artenübergreifende Kommunikation! –, verabredet sich per Kopfnickerzeichen zum Jagen. (Also eigentlich jagt die Muräne, der Barsch staubt ab.)

Im Schlund des Teufelstiers verbirgt sich sowieso Schlimmeres: Das Böse wohnt in ihrem Maul. Wenn der Karnivor was zum Runterschlingen ergattert hat – bevorzugt Krebse, Fische, Kopffüßer, Aas geht auch – erwacht er und offenbart die wahre Natur des Meermonsters: Alienalarm! Ein zweiter Kiefer schnellt bei geöffnetem Kiefer 1 aus dem Rachen hervor und zieht das zappelnde Mahl tief hinab, in die Hölle der Verdauten.

Dass sie hier boshafte Ungeheuer ferner Planeten beherbergen, weist der Revierleiter im Aquarium weit von sich. Aliens? Unsinn! Ihr Charakter, versichert Marco Hasselmann, sei vielmehr der eines zickigen, gleichwohl harmlosen Haustiers, während man am Haifischbecken Ausschau hält nach dem anderen Alienaalfischmonster: Die Netzmuräne.

Läppische neun Kilo schwer, über zwei Meter lang, versteckt sich seit Ewigkeiten in ihrem Felsenloch. Gott sei Dank, sonst geht bei den Kindern wieder das Geplärre los. „Wenn ’se keene Lust haben, hamse keene Lust“, sagt Hasselmann. „Sie sind wie Katzen.“

Fotocredit Artikelbild: steven van tendeloo [CC BY-SA 3.0] via Wikimedia Commons

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