Biber können auch im kalten Wasser schwimmen, ohne zu frieren. Foto: imago/imagebroker
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Berliner Schnauzen Familie Biber geht es im Zoo verdammt gut

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Er ist ein friedfertiges Wesen und sieht mit seiner nassen Haarpracht so kuschelig aus. Der Biber ist der Lumberjack unter den Tieren - doch für den Streichelzoo taugt er nicht.

Familie Biber geht es im Zoo verdammt gut. Sechsköpfig sind sie, Vater, Mutter, vier Nachkömmlinge, Schlafzimmer, Spielzimmer, Esszimmer, großer Außenpool, da kann man nicht meckern. Bei starkem Regen läuft der schon mal über, also in diesem Sommer immer, aber das kann einen Biber nicht erschüttern, baut er sich eben einen Bau.

Außerdem, Wasser. Wasser ist sein Elixier. Und damit ihm das nicht zu nah kommt, hat er sich dicht behaart. Zur Erklärung: Der Mensch hat durchschnittlich sechs Haare pro Quadratmillimeter Haut, was mit ein Grund ist, dass es ihm im Wasser schnell kalt wird. Der Biber hat 230 Haare pro Quadratmillimeter. Welch Pech für die Friseurinnung, dass so ein Biber nicht zum Coiffeur geht.

Aber Achtung, Herr Biber und Frau Biber und Jungbiber sehen mit dieser stets leicht glänzenden Haarpracht zwar recht kuschelig aus, nur für den Streichelzoo taugt keiner von ihnen. Sie sind alle recht friedfertige Wesen, wie Kurator Heiner Klös erzählt, aber wer mit seinen Zähnen ganze ausgewachsene Bäume fällt, macht auch vor einem Zeigefinger nicht Halt. Der stellt dann die gleiche Herausforderung dar wie für unsereins das Zerbrechen eines Streichholzes.

Den Penisknochen kann man nur mit Mühe ertasten

Ein Bär könnte ihm schaden, doch die gibt es hierzulande nur hinter Gittern oder im gut abgetrennten Gehege. Auch der Wolf könnte sich am Biber versuchen, der ist zum Glück noch nicht in Berlin-City angekommen. Bliebe der Fuchs. Über den lächelt so ein Biber nur leise, er ist zu schnell, zu stark, und dann wären da noch seine Zähne, also Reinecke, denk gar nicht erst dran. Es macht dabei im Übrigen keinen Unterschied, ob sich wer mit Bibermann oder Biberfrau anlegt, sie sind eh nur nach gründlicher Untersuchung zu unterscheiden. Äußere Geschlechtsmerkmale gibt es keine, den Penisknochen kann der Kurator erst nach einem Jahr und nur mit Mühe ertasten. Was zusätzlich auf Kosten des angenagten Keschers geht, mit dem der Biber zur Geschlechtsspezifizierung aus dem Wasser gefischt wird.

Der Biber ist der Lumberjack unter den Tieren, der Holzfäller. Er ist dazu bestimmt, Bäume umzulegen, sie zu Schutzbauten zu drapieren. Den Bodenbelag, die Holzspäne nagt er sich auch selber zurecht. In allen drei Zimmern, die im Zoo einsichtbar sind.

Man sieht die Familie da allerdings meist schlafend, eng aneinander gekuschelt, Biber sind nur in der Dämmerung und der Dunkelheit stark. Das reichliche Futter im Esszimmer, Möhren, Äpfel, Salat, lag beim Besuch auf jeden Fall unberührt herum.

Es ist noch zu reden vom Menschen in seiner Beziehung zum Biber. In der Forstwirtschaft mag man ihn nicht sonderlich. Und bei Schutzdeichen zeigt er sich auch wenig hilfreich, wenn er die Deiche mit seinen Wohnhöhlen brüchig macht. Umgekehrt ist das Auto nicht stets freundlich zum Biber, man sieht sie immer mal wieder platt gefahren am Straßenrand.

Zur Ehrenrettung des Menschen muss allerdings gesagt werden, dass er dem Biber in Berlin an Kanälen Ausstiegsstellen eingerichtet hat. Damit er, wenn er durchs Wasser pflügt und ihm dann die Puste ausgeht, nicht plötzlich denkt, ui, Mist, Steilwand.

BIBER IM ZOO

Lebenserwartung:  zehn bis zwölf Jahre

Natürliche Feinde:  Wolf, Bär, Auto

Interessanter Nachbar: Wasserbüffel

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