Maismehlbrei kochen in Malawi Foto: Boris Breuer
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Anke Engelke berichtet Meine Reise durch Malawi

Anke Engelke
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Anke Engelke erspielte im Frühjahr bei „Wer wird Millionär?“ 500 000 Euro – und spendete sie dem Medikamentenhilfswerk Action Medeor. Was geschieht mit dem Geld? Einblicke in ihr Tagebuch.

Die Reise: A. & B. & C. & Ich

Ich weiß nicht viel über Malawi. Etwa 19 Millionen Einwohner, die Einwohnerzahl wird sich in den nächsten 25 Jahren verdoppeln. Das Land sieht aus wie ein vertikal-langgezogenes Rechteck: circa 160 Kilometer breit, circa 800 Kilometer lang. Einen großen Teil der Länge bedeckt der Malawi-See, den das Land zum größten Teil für sich beansprucht.

Unsere altbekannte Reisegruppe: Angela, Boris & Christoph. A. & B. & C. & ich. Wir treffen uns am Flughafen Frankfurt. C. ist lädiert. Kleiner Vorfall beim Surfen, Rücken, er braucht seit ein paar Tagen Schmerzmittel und Wärmepflaster. Wir sitzen nebeneinander auf dem Flug von Frankfurt nach Johannesburg, zum Abendessen bestellt er Wein. Er ist Pharmazeut, er weiß, was er tut.

C. hat auf dem Flughafen von Lilongwe schon mal das Flugzeug von Madonna gesehen! Er sagt, es sei nicht schwierig, auf dem Flughafen von Lilongwe das Flugzeug von Madonna zu erkennen. Als wir landen, weiß ich, was er meint: Das ist ein sehr kleiner Flughafen, unser Flugzeug ist nicht nur das größte, sondern auch das einzige Passagierflugzeug hier. Von oben hatte ich die Landebahn übersehen, zu gebannt hatte ich wieder auf das geglotzt, was mich hier immer wieder so erfreut: der Anblick der roten Erde, die gelben, hellgrünen, hellbraunen Büsche und Bäume mit ihrer trockenen Traurigkeit und die roten, geraden Wege dazwischen und keine Autos. Die kleinen Flecken sind Fußgänger, vereinzelt, zu zweit, und Fahrräder. Ich weiß schon, wie es beim Aussteigen riechen wird.

Lilongwe

„Alle sprechen meinen Namen anders aus, mal mit Betonung auf der ersten Silbe, mal auf der zweiten, mir egal, ich reagiere auch auf Dorothea.“ Sie steht zwischen 30 anderen Wartenden. Ihre Augen sind blau wie diese Eisbonbons früher, die Zähne lang und ein bisschen schief, sie grinst wie ein freches Mädchen. Susann sieht aus, als hätte sie vor nichts Angst. Ich mag Susann sofort. Sie ist die Chefin von Action Medeor Malawi.

Susann fährt den Bus. Linksverkehr. Susann fährt den Bus nicht oft. Sie erzählt pausenlos. A. & C. bestehen darauf, dass ich hinten auf einem Sitz mit Gurt sitze. Wir fahren gen Norden. Es ist warm und frisch zugleich, das Fenster ist offen. Viele Fußgänger, viele Fahrradfahrer, viele Mopeds.

„Hast du die Mäuse gesehen?“ C. zeigt aus dem Fenster. „Nein, nicht gesehen.“ – „Die Mäuse werden gebraten und als Snack verkauft. Habt ihr das nicht gesehen? Die hingen am Schwanz aufgehängt an Stöckchen. Die Kinder verkaufen die hier.“

Susann erzählt von Projekten und Menschen, die wir in den nächsten Tagen kennenlernen werden. Morgen fahren wir früh los, um 6 Uhr 45, wir müssen nach Madisi. Dort unterstützt Action Medeor ein kleines Krankenhaus mit regelmäßigen Medikamentenlieferungen. C. hat bei seinem letzten Besuch dort erfahren, dass auf dem Gelände eine Schule für Waisenkinder ist, geleitet von zwei katholischen Schwestern aus Deutschland!

Meine erste Nacht in Malawi. Vertraut sind die Natur, das trockenen Land, die lieben Menschen, ihre Ruhe – sie wirken etwas schüchterner als in Tansania – , das einfache Hotelzimmer mit Moskitonetz. Vielleicht ist Malawi ein noch ärmeres Land als die Länder, die ich in Afrika bereits besucht habe, Tansania, Togo, Benin. Hier gibt es weniger von allem, was die Menschen zum Leben brauchen. Ich schlafe früh ein, dann liege ich wach bis zum Frühstück und höre so viele Vögel wie noch nie.

Madisi

A. & B. & C. sprechen per WhatsApp mit daheim. Dass ich kein Smartphone habe, passt wieder mal. Ich bin wie abgeschnitten, das mag ich. Ich will nur hier sein. Ich habe eine Art schlechtes Gewissen, weil ich weiß, dass ich nicht genug denken werde an Afrika, wenn wir wieder zu Hause sind. Also versuche ich, wach, offen und so ungestresst wie möglich zu sein.

Während der Fahrt nach Madisi mache ich viele Witze über C.s Ischias. Er humpelte am Morgen stark. Ich bin besser im Zum-Lachen-Bringen als im Trösten. Susann erzählt ununterbrochen. Das Auto ist laut. Ankunft. Eine Art Dorf, am Eingang links eine Schule, rechts kleine Häuser, hinten rechts das Haus der Schwestern, vor uns: das Krankenhaus. Zunächst fahren wir zu den Schwestern. Sie warten vor dem Haus. Wir sind zu spät. Das ist Susann unangenehm. Wir haben uns zu viel Zeit gelassen beim Frühstück. Aber das ist doch wichtig, dass man einen Kaffee trinkt. Eine Dame schaut streng.

Schwester Klara ist 75. Sie ist irgendwie so groß. Oder nein, nicht groß, sondern imposant. Vorne die Zahnlücke sieht man immerzu, denn Schwester Klara lacht sehr, sehr viel. Sie begrüßt uns herzlich. Eine große Frau in Weiß, das graue Haar guckt oben aus der Haube. Schwester Veronika ist zurückhaltender, aber sie ist die Frau mit dem Plan. Sie wird uns regelmäßig zum Weitergehen auffordern.

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