Gefährdete Farbenpracht. Das Great Barrier Reef vor der Ostküste Australiens wird durch Klimawandel, Stürme und Abwässer aus der Landwirtschaft massiv unter Druck gesetzt. Foto: iStock
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Great Barrier Reef in Australien Das kranke Riff

Barbara Barkhausen
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Das Weltkulturerbe Great Barrier Reef könnte von der Unesco auf die Rote Liste gesetzt werden. In den vergangenen Jahrzehnten sind bereits 50 Prozent der Korallen kaputtgegangen.

Am Wochenende fällt die Unesco bei einem Treffen in Bonn die endgültige Entscheidung, ob das Great Barrier Reef als gefährdet eingestuft werden soll. Wird eine Empfehlung vom Mai angenommen, so wird das Riff gerade noch mal mit einer Gelben Karte davonkommen. Doch nicht alles im größten Korallenriff der Erde ist so gut, wie die australische Regierung die Öffentlichkeit glauben lassen will.

Für die australische Regierung ist es eine Image-Sache. Würde das Welterbekomitee der UN-Kulturorganisation das Great Barrier Reef bei seinem Treffen Ende Juni in Bonn als gefährdet einstufen, wäre dies eine regelrechte Blamage für die australische Regierung. Auch wirtschaftlich würde eine Listung das Land schwer treffen: Alleine für den Rifftourismus, der 70 000 Menschen beschäftigt und jedes Jahr sechs Milliarden Dollar (rund 4,1 Milliarden Euro) einbringt, wären die Folgen schwer absehbar.

Um der Roten Karte zu entgehen, hat sich die australische Regierung angestrengt

Um der Roten Karte der Unesco zu entgehen, hat die australische Regierung sich schwer ins Zeug gelegt. So wurden im März 100 Millionen Dollar (rund 69 Millionen Euro) bereitgestellt, um die Wasserqualität am Riff zu verbessern. Dieses Geld soll vor allem in die Landwirtschaft in Küstennähe fließen, damit Farmer weniger Dünger und Pestizide verwenden, die bei Regen ins Meer geschwemmt werden können. Ein neuer Plan, der die Zukunft des Riffs bis 2050 im Auge hat, verbietet zudem, dass der Schlick, der bei der Erweiterung der Hafenrinnen anfällt, im Riff selbst abgeladen wird.

Die Maßnahmen sind ein großer Erfolg für das Riff, auch wenn es nach wie vor Schlupflöcher gibt. So ist die Ablagerung in der weiteren Umgebung des Schutzgebietes noch immer erlaubt. Dort landet der Schlamm, der bei der Wartung der Fahrrinnen anfällt. Auch der Ausbau von Kohlehäfen in der Nähe des Riffs ist nach wie vor möglich.

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Die Unesco hat diese Fortschritte mit Wohlwollen quittiert. Laut einer Empfehlung des Komitees vom Mai wird das Great Barrier Reef deswegen wohl vorerst nicht auf die Rote Liste gesetzt werden. Doch die Unesco will in den kommenden Monaten besonders kritisch auf das Gebiet östlich der Ostküste Australiens schauen.

Das Great Barrier Reef ist die größte von Lebewesen geschaffene Struktur der Erde, die sogar vom Weltall aus erkannt werden kann, Doch es ist auch geschwächt: 50 Prozent der Korallen sind in den vergangenen Jahrzehnten abgestorben. Klimawandel, Stürme, Abwässer aus der Landwirtschaft, die Ausbreitung des Dornenkronenseesterns, der die Korallen abfrisst, und Hafenerweiterungen haben das Riff massiv unter Druck gesetzt.

„Die physische Gesundheit des Riffs wird schlechter, und auch die Vorhersage ist, dass sie sich weiter verschlechtern wird“, bestätigt der Riff-Experte der Umweltstiftung WWF, Richard Leck, und verweist auf einen offiziellen Bericht zum Status des Riffs vom September. Doch wenn die Gesundheit des Riffs leidet, wäre dann eine Listung des Riffs nicht ein Muss? Eigentlich schon, schlussfolgert zumindest der aktuelle Bericht einer Gruppe australischer und US-amerikanischer Anwälte. „Nach unserer Analyse erfüllt das Riff fünf von acht Kriterien für eine Eintragung auf der Liste der gefährdeten Welterben, und dabei ist nur eine dafür notwendig“, wird Ariane Wilkinson, eine Anwältin von Environmental Justice Australia, beim australischen Sender ABC zitiert.

Hat die australische Regierung den Zustand des Riffs beschönigt?

Dazu sind in den vergangenen Wochen Zweifel an den Aussagen der australischen Regierung aufgekommen. So lässt der Bericht eines unabhängigen Revisors in Queensland den Verdacht aufkommen, dass die australische Regierung den Zustand des Riffs gegenüber dem UN-Komitee beschönigt haben könnte. Denn laut Prüfer hat sich die Wasserqualität im Marinepark nicht wirklich so sehr verbessert, wie es die Regierung vor der UN-Kulturorganisation propagiert hat.

Auch WWF-Vertreter Richard Leck weiß um diese Vorwürfe. Trotzdem wünscht er sich, dass das Great Barrier Reef am Wochenende nicht gelistet wird und die UN der Empfehlung vom Mai Folge leisten wird. Für ihn sind die kommenden 18 Monate eine wichtige Bewährungsprobe, bei der Australien beweisen muss, dass es das Riff schützen kann. „Die harte Arbeit startet jetzt“, sagt der Umweltschützer.

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