Farah Diba Foto: dpap

Farah Diba "Ich habe noch seine Anzüge im Schrank"

Martin Gehlen[Kairo]
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Farah Diba, die Frau des verstorbenen Schahs von Persien, wird heute 70. Sie schwelgt noch immer in Erinnerungen.

Einst war sie die Kaiserin der Herzen, führte ein Leben wie in 1001 Nacht. In den 60er Jahren zierte Farah Diba Pahlavi als Frau des persischen Schahs weltweit die Titelseiten der Regenbogenpresse. Auf internationalem Parkett wurde das Paar hofiert als aufgeklärte Herrscher, die ihre rückständige Nation in die Moderne führen. Dass der Schah auch ein grausamer Herrscher war, wurde erst durch die Studentenbewegung allgemein bekannt. Nach fast 30 Jahren Exil ist es still geworden um die einstige kaiserliche Hoheit, die ihrer Vergangenheit immer noch nachtrauert. Abwechselnd lebt sie in Paris, in Kairo oder in den USA, wo sie ihre Kinder und Enkel umsorgt. „Wenn wir als Familie zusammen sind, fragen wir uns bis heute zur Revolution im Iran – wie konnte das passieren, was hätten wir tun können, um sie zu verhindern?“, sagt sie. Am Dienstag feiert Farah Diba ihren 70. Geburtstag.

Geboren am 14. Oktober 1938 als einziges Kind einer Offiziersfamilie in Tabriz, ging sie nach dem Abitur zum Studium nach Frankreich. Gerade zwanzig Jahre war sie, als ihr im Januar 1959 der doppelt so alte Schah von Persien in Paris vorgestellt wurde. „Der Kaiser nickte mir zu und lächelte. Seine Augen erschienen mir traurig“, schrieb sie damals in ihr Tagebuch. Bereits am 21. Dezember 1959 heiratete der Monarch die hübsche Kunststudentin mit einem prunkvollen Fest in Teheran. Ein Jahr später brachte sie den lang ersehnten Thronfolger Reza Cyrus zur Welt. Zwei Töchter und ein weiterer Sohn folgten. Die jüngste, Leila, nahm sich 2001 in einem Londoner Hotel mit Schlaftabletten das Leben.

Die frisch vermählte Farah Diba begleitete ihren Schah fortan auf allen großen Reisen. 1962 waren beide im Weißen Haus zu Gast bei Jackie und John F. Kennedy. 1964 besuchte das Paar die Olympischen Winterspiele in Innsbruck, ein Jahr später fuhren sie nach Moskau. Auch die achttägige Reise im Frühsommer 1967 nach Deutschland sollte ein normaler Staatsbesuch werden mit den üblichen Paraden, Besichtigungen und Banketten. Die „Neue Revue“ widmete der attraktiven Perserin zwei aufeinanderfolgende Hefte: Sie war, modern und märchenhaft zugleich, Vorbild für viele junge deutsche Frauen. Man trug die Farah-Diba-Frisur – die Haare hochtoupiert und am Hinterkopf zusammengesteckt. Man bewunderte ihr zitronengelbes Kleid, das sie beim Gala-Empfang im Brühler Schloss trug. Doch dann kam es nahe der Deutschen Oper in West-Berlin zum Eklat: Während einer Straßenschlacht zwischen Polizei, Studenten und Anhängern des Schahs erschoss ein Beamter am 2. Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg. Der Herrscher und seine Frau reisten bestürzt ab. In Deutschland begann die Zeit der Studentenrevolte.

Zurück in Teheran krönte sich Mohammed Reza Pahlevi im Oktober 1967 selbst zum Kaiser von Persien. Seiner Frau verlieh er den Titel „Kaiserliche Herrscherin“, ein Unikum in der 2500-jährigen Geschichte des Landes. Damit habe er die Gleichberechtigung der Frauen unterstreichen wollen, schrieb Farah Diba in ihrer 2005 erschienenen Autobiografie. Was der Herrscher auf dem Pfauenthron wirklich über Frauen dachte, gab er später in einem amerikanischen Fernsehinterview zum Besten: „Im Leben eines Mannes zählen Frauen nur, wenn sie schön und anmutig sind und wenn sie ihre Weiblichkeit zu bewahren wissen. Frauen mögen in den Augen des Gesetzes gleichberechtigt sein, sind es aber nicht in ihren Fähigkeiten. Sie haben niemals einen Michelangelo oder einen Bach hervorgebracht, noch nicht einmal einen Spitzenkoch.“

Trotzdem stand Farah Diba fest zu ihrem Mann, auch als das iranische Volk rebellierte und die islamische Revolution im Januar 1979 die Kaiserfamilie ins Exil zwang. In ihren politisch naiven Lebenserinnerungen beschreibt sie ihn als liebenden Ehepartner, guten Vater und aufgeklärten Herrscher, der am Ende von der bösen, grausamen Welt betrogen wurde. „Der Schah war meine große Liebe. Seinen Tod mitzuerleben war eine große Qual für mich“, sagte sie in einem Interview: „Ich habe noch seine Anzüge im Schrank hängen, seine Uniformen. In allen Wohnungen stehen Fotos und Andenken. Er lebt für mich weiter.“

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