Chardonnay "R" Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Der Alleskönner unter den Weinen: Chardonnay Chardonnay- Der große Test

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Diese Weißweinsorte ist die am häufigsten angebaute der Welt. Was Chardonnay kann, wo er herkommt – und welcher der beste ist.

Ein Blick in die Top Ten genügt: Beim jährlich ausgetragenen weltweiten Wettbewerb Chardonnay du Monde stehen an der Spitze der höchstbewerteten Vertreter ein tschechischer Wein, ein Südafrikaner, ein Slowene, ein Spanier, ein Kanadier, ein Chinese, ein Australier, ein Schweizer – und mehrere Franzosen. Der Kosmopolit zeigt, was er kann. Er ist als Multitalent in jedem Winkel des Planeten Wein zu Hause.

Mit 170 000 Hektar ist Chardonnay die am häufigsten angebaute Weißweinsorte der Welt, die Rebfläche ist mehr als dreimal so groß wie die des Rieslings. Auch in Deutschland legt die Traube regelmäßig zu, sie belegte im Jahr 2013 eine Rebfläche von 1600 Hektar, das ist Platz sieben unter den heimischen Weißwein-Sorten. Nach einem Temperaturanstieg in den hiesigen Anbaugebieten um mehr als ein Grad Celsius seit den 1980er Jahren liegt die Chardonnay-Traube an Rhein, Main und Neckar jetzt in ihrem klimatischen Optimum.

Viele Jahre hatten sich Riesling und Chardonnay um die Krone der qualitativ weltbesten Weißweinsorte gestritten. Längst ist friedliche Koexistenz eingekehrt, zumal beide Rebsorten gänzlich unterschiedliche Stärken und Charaktere zeigen. Chardonnay gilt als Alleskönner, er imponiert in der Regel aber mit einem körperreichen Auftritt. Häufig wird die Rebsorte im kleinen Eichenholzfass (Barrique) ausgebaut. Durch den gleichzeitig praktizierten biologischen Säureabbau wird der Wein weicher, die getoastete Eiche spendiert ihm Vanillearomen, macht ihn cremiger und opulenter. Doch immer öfter werden hinter dem Make-up des Eichenholzes die harten Wangenknochen der Rebsorte sichtbar. Chardonnay kann auch säurebetont, zitrusfrisch und mineralisch schmecken, kann schlank, elegant und filigran sein. Nuss, Butter und Marzipan sind typische Aromen, dazu viele gelbe, manchmal exotische Früchte.

Zeitweise hatte es so ausgesehen, als würden die holzbetonten Chardonnays den Weingeschmack dominieren. Als um die Jahrtausendwende die weltweite Chardonnitis beängstigende Ausmaße annahm und der Markt von stark parfümierten Einheitsweinen überschwemmt wurde, machte der böse Slogan „ABC“ unter Weinkennern die Runde: Anything but Chardonnay, bloß keinen Chardonnay! Diese Tropfen mit hohem Alkoholgehalt, exotischem Fruchtgeschmack und kräftigem Holzton haben zunehmend an Ansehen verloren. „Trinkigkeit“ und „Trinkfluss“ heißen die neuen Zauberworte der Weinmagazine. Nicht der Wein, der im Mund am lautesten „wumms“ macht, ist der beste, sondern der animierende, der sofort nach dem nächsten Glas schreit, der elegant und süffig über die Zunge rollt.

Das kleine Kaff Chardonnay – übersetzt: Ort mit vielen Disteln –, wo die Rebe vermutlich herkommt, liegt natürlich im Burgund. Aus einer Kreuzung von Pinot Noir (Spätburgunder) und Gouais Blanc (Heunisch), einer uralten Rebsorte, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa heimisch war, hatten Mönche die Sorte gezüchtet. Aus Burgund kommen heute noch die angesehensten und teuersten Chardonnays. Die klingenden Namen heißen Meursault, Chassagne-Montrachet, Puligny-Montrachet, Chevalier-Montrachet, Corton-Charlemagne, Le Musigny oder Chablis Grand Cru. Es sind sündteure Weißweine, die über Jahrzehnte majestätisch altern sollen – was sie nicht immer tun.

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Doch die arrogante burgundische Welt war am 7. Juni 1976 jäh in sich zusammengestürzt. Bei einer Blindprobe großer Chardonnays in Paris landete keiner der Stars aus der heiligen Erde der Grande Nation auf dem Siegerpodest, sondern ein Underdog aus Kalifornien – für sechs Dollar die Flasche. Der Chateau Montelena hatte die burgundische Elite abgehängt und war wenige Stunden später ausverkauft, die Grundstückspreise im Herkunftsgebiet Napa Valley explodierten. Heute ist nicht mehr das Burgund, sondern Kalifornien mit 44 000 Hektar das größte Chardonnay-Gebiet der Welt. Seit jenem Beben von 1976 ist klar und in vielen Degustationen bewiesen, dass Chardonnay auch außerhalb Burgunds große Weine liefern kann, die zudem oft nur einen Bruchteil der berühmten Renommiertropfen kosten. Grundvoraussetzung: anspruchsvolle Lagen mit meist kalkhaltigen Böden und hohe Winzerkunst.

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