Berliner Currywurst Foto: Kitty Kleist-Heinrichp

Berliner Imbisse im Test Currywurst als Sehenswürdigkeit

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Ein Fenster am Bahnhof Zoo: In der Wursterei ist die Currywurst weit mehr als ein schneller Weg zur Sättigung für wenig Geld.

Von wegen Chicago. „Windy City“, der Name passt zu Berlin genauso gut, zumindest an diesem Eck zwischen Kino und Bahnhof Zoo. Pferdeschwänze flattern im Wind, abgegessene Pappteller, unbeschwert von Kartoffeln und Wurst, wirbeln vom Tisch. Selbst die Skyline hat einen Hauch Chicago. Hier findet man so ziemlich die höchste Dichte an Hochhäusern, die die deutsche Hauptstadt zu bieten hat: zwei Stück. Nebeneinander. In einem residiert das Waldorf Astoria, vor dem sich gerade ein babyblaues Sportcoupé bewundern lässt.

Und gleich gegenüber die Wursterei. Da lacht das amerikanische Herz. Hier ist die Currywurst weit mehr als ein schneller Weg zur Sättigung für wenig Geld (2,20 Euro mit Landbrot), nämlich eine veritable Sehenswürdigkeit. Spanische Familien fotografieren sich mit ihr, französische Teenager ebenfalls. Die Touristendichte ist erheblich höher als die der Skyscraper, dazwischen einheimische Bauarbeiter und Geschäftsleute. Vorsichtig beugen sie sich über ihr Mittagsmahl. Kleckern unerwünscht. Die Currywurst schmeckt pikant, die Sauce schön fruchtig. Wer’s exotischer mag, streut sich noch Pulver drüber, milden Mumbai-Curry oder feuerscharfen Dragon. Ein Tourist bestellt Currywurst ohne Curry. Der Senf zur Thüringer Bratwurst ist garantiert lokalkoloritiger als an den meisten Buden, kommt aus der Berliner Senfmanufaktur.

Pommes für die Vegetarier

Nach eigenen Angaben wird auf Konservierungsmittel, Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker verzichtet. An der Tafel kann man allerdings vom Phosphat in der würzigen Thüringer lesen. Wurst, Wurst und Boulette – der Laden, ein Fenster in der Wand, ist was für überzeugte Carnivoren. Das einzige Gemüse: Zwiebeln. Roh, geröstet oder geschmort. Kann man sich extra bestellen.

Vegetarier müssen sich an die Pommes halten (2 Euro; das Menü aus Currywurst, Pommes und Getränk kostet 5,90 Euro). Aus „Landkartoffeln mit Meersalz“ gebacken, mit schön säuerlicher Salatmayonnaise, an diesem Mittag allerdings etwas lauwarm geraten. Vielleicht war der Ansturm zu groß. Dabei ist die Schlange nicht so lang wie vor dem „Curry 36“ am Bahnhof Zoo, einem Ableger des Kreuzberger Originals, das in jedem Reiseführer steht. Der fehlt, was die Wursterei hat: Tische und gelbe Gartenstühle, Fast Food im Sitzen und Open Air. Wenn’s nicht gerade regnet und stürmt.

Nach dem Kino

Adresse  Hardenbergstraße 29d, Charlottenburg

Geöffnet  So-Do 10-22, Fr/Sa 10-23 Uhr

Im Netz  pegasus-foodsystems.com/de

Interessanter Nachbar  Zoopalast, Hardenbergstraße 29a

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