Knackig und aromatisch: Die Currywurst schmeckt! Foto: imago/Hoch zwei Stock/Angererp

Berliner Imbisse im Test Curry & Chili

Karina Kochan
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Schärfe ist Schmerz, sagt Frank Spieß. Und er muss es wissen, schließlich betreibt der Weddinger den schärfsten Imbiss Deutschlands.

Karl kommt aus Grönland, dort hat er in der Zeitung über die Berliner Bude gelesen. Natürlich musste er unbedingt hin. Warum? Weil es die schärfste Currywurst Deutschlands ist! Oder war. Jedenfalls thront noch immer der Wanderpokal „Deutschlands schärfster Imbiss“ von 2015 neben vielen anderen Trophäen im Schaufenster. Nachdem er dreimal nacheinander den Wettbewerb gewann, durfte ihn der Laden behalten.

Die Wurst schmeckt, aber darum geht es nicht

Die rote Hütte liegt ziemlich unauffällig an der Tramhaltestelle Osloer Straße/Prinzenallee. Ein untrendy günstiger Nullachtfünfzehn-Imbiss, so der erste Eindruck. Ob Currywurst, Boulette oder Rostbratwurst, Pommes, Kartoffel- oder Nudelsalat, alles kostet hier 1,60 Euro. Ketchup und Mayo 20 Cent extra. An der Theke spricht man Berlinerisch – Weddinger Stammpublikum.

Die Currywurst schmeckt. Nicht umwerfend, aber knackig und aromatisch. Doch um Geschmack geht es hier nicht. Ziel der Sache ist es, die eigene Furchtlosigkeit zu demonstrieren. Einst musste man sich im Kampf beweisen. Heute gibt es die Chili-Schärfestufe zehn, „Gold Edition“. Sammler können die Sauce für 99 Euro im Laden kaufen. 7 777 777 Punkte erreicht sie auf der Scoville-Skala, die Chili-Schärfe misst. Tabasco-Sauce liegt zwischen 2500 und 5000. Über dem Tresen steht in flammenden Lettern: „Hier dürfen Männer noch weinen.“

Frauen genügt es, privat scharf zu essen - Männern nicht

Manche tun es tatsächlich, wie Besitzer Frank Spieß erzählt, „oder wälzen sich auf dem Boden vor Bauchschmerzen“. Der nette Weddinger hat schon mehrmals Deutschlands Schärfewettessen gewonnen, dafür trainiere er. „Schärfe ist Schmerz. Um sich daran zu gewöhnen, soll man alle zwei Tage scharf essen.“

Für Frank Spieß ist das eine Männersache. Frauen genügt es, privat scharf zu essen. Männern nicht. Deshalb bin ich auch mit einem Mann hier. Aymeric, 80 Kilo, 1,87 Meter, kommt aus La Réunion, ist ein Athlet in Sachen Schärfe. Die Pepper-King-Sauce traut er sich zu. Stufe 6: 400 000 Scoville. Lächerlich. Vorsichtig probiere ich den Klassiker, Stufe 3: angenehm pikant. Bei ihm brennt der ganze Mund. Er stürzt sich auf meine Pommes.

Die wenigen, die die zehn Stufen geschafft haben, werden mit Fotos auf der Imbisswand verewigt, unter denen zu lesen ist: „Ich hab’s geschafft.“ Ja. Dafür wollen Männer weinen.

Adresse  Osloer Str. / Ecke Prinzenallee

Im Netz  curry-chili.de

Geöffnet  Mo–Fr 9.30–21 Uhr, Sa 11–19 Uhr, So 13–18 Uhr

Interessanter Nachbar  F Bar, Grüntaler Str. 9

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