Tagesspiegel Mobil
  • Startseite
  • Politik
  • Berlin
  • Wirtschaft
  • Sport
  • Kultur
  • Welt
  • Meinung
  • Medien
  • Wissen
  • Queer
  • Verbraucher
  • Tagesspiegel auf Facebook
  • Tagesspiegel auf Twitter
  • Tagesspiegel auf Google+
  • DAS ERSTEVom ersten Bundesligator gibt es keine Fernsehaufzeichnung, ja nicht einmal ein Foto. In Timo Konietzkas Erinnerung geht das Tor so: „Anstoß wir, Aki Schmidt spielt den Ball zu Franz Brungs, der passt zu unserem Linksaußen Lothar Emmerich, Flanke, Tor. 1:0 nach 35 Sekunden“, vielleicht sind es auch 30 Sekunden oder 40, so genau interessiert das niemanden am 24. August 1963. In der Endabrechnung spielt das 1:0 für Borussia Dortmund keine Rolle, denn Werder Bremen siegt zur Bundesligapremiere im Weserstadion noch mit 3:2. Der Torschütze Timo Konietzka (auf dem Foto im Hintergrund) ist eigentlich auf den Namen Friedhelm getauft. Weil er aber das Haar so raspelkurz trägt wie der sowjetische General Semjon Timoschenko, verpasst ihm ein Mannschaftskollege den Spitznamen, den er nie mehr los wird (und den er sich später in den Pass eintragen lässt). (gol) Foto: picture alliance / Tell/dpa

    DAS ERSTE
    Vom ersten Bundesligator gibt es keine Fernsehaufzeichnung, ja nicht einmal ein Foto. In Timo Konietzkas Erinnerung geht das Tor so: „Anstoß wir, Aki Schmidt spielt den Ball zu Franz Brungs, der passt zu unserem Linksaußen Lothar Emmerich, Flanke, Tor. 1:0 nach 35 Sekunden“, vielleicht sind es auch 30 Sekunden oder 40, so genau interessiert das niemanden am 24. August 1963. In der Endabrechnung spielt das 1:0 für Borussia Dortmund keine Rolle, denn Werder Bremen siegt zur Bundesligapremiere im Weserstadion noch mit 3:2. Der Torschütze Timo Konietzka (auf dem Foto im Hintergrund) ist eigentlich auf den Namen Friedhelm getauft. Weil er aber das Haar so raspelkurz trägt wie der sowjetische General Semjon Timoschenko, verpasst ihm ein Mannschaftskollege den Spitznamen, den er nie mehr los wird (und den er sich später in den Pass eintragen lässt). (gol)

    Foto: picture alliance / Tell/dpa
  • DAS GEFALLENE
    Wenn Herbert Laumen von Journalisten angerufen wird, ahnt er schon, worum es gehen soll. 121 Treffer sind ihm in der Bundesliga gelungen, aber befragt wird er meistens zu einem Tor, das er nicht geschossen, sondern zum Einsturz gebracht hat. Es passiert am 3. April 1971 auf dem Bökelberg. Werder Bremen hält gegen Borussia Mönchengladbach überraschend ein 1:1. Kurz vor Schluss segelt ein Freistoß in den Bremer Strafraum. Laumen steigt vergebens zum Kopfball hoch und landet im Netz. Als er sich wieder aufrappelt, ächzt es im Gebälk. Der Pfosten knickt über der Grasnarbe ab. Alle Bemühungen, das Tor wieder aufzurichten, scheitern – was den Borussen ganz gut in den Kram passt, weil sie auf ein Wiederholungsspiel und ein besseres Resultat hoffen. Pustekuchen. Das Spiel wird mit 0:2 gewertet und kostet Gladbach fast den zweiten Meistertitel. (sth)

    Foto: imago/WEREK
  • DAS SECHSFACHE
    Dieter Müller ist vorbelastet. Im Frühjahr 1976 hat er bei seinem ersten Länderspiel nach später Einwechslung drei Tore und damit Deutschland ins EM-Finale geschossen. Am 17. August 1977 muss Werder Bremen dran glauben. Der Kölner ist gereizt, weil er als Torschützenkönig der vorigen Saison in den ersten zwei Bundesligaspielen leer ausgegangen ist und sein Gegenspieler Horst-Dieter Höttges prahlt, das werde auch so bleiben. Na warte, Freundchen, denkt sich Müller und legt gleich in der ersten Halbzeit einen Hattrick hin. In der zweiten Halbzeit trifft er noch dreimal zum 7:2-Sieg. In der Retrospektive erinnert sich Müller dunkel an zwei Tore mit dem Fuß und vier mit dem Kopf. Ganz genau aber weiß er noch, dass Höttges’ Gesicht mit jedem Gegentor länger wird. Sechs Tore in einem Spiel – dieser Rekord hält in der Bundesliga bis heute. (gol)

    Foto: imago/Pfeil
  • DAS PHANTOMHAFTE
    Das Bild vom zappelnden Andreas Köpke im Netz und Thomas Helmer, der am Pfosten steht, gehört längst zur Ikonographie der Bundesliga. Zu sehen ist auch, wie der Ball im Anschluss an eine Ecke und die folgende Stocherei im Strafraum über die Torauslinie rollt. Jeder im Stadion hat es gesehen, nur der Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers entscheidet im April 1994 auf Tor für den FC Bayern. Die Münchner siegen daraufhin 2:1, was sie im Meisterrennen hält und Nürnberg einen Schritt näher Richtung Zweite Liga befördert. Der Club protestiert erfolgreich, das Spiel wird neu angesetzt. Nur kommt es für Nürnberg noch schlimmer. Bayern siegt im Wiederholungsspiel 5:0, Nürnberg steigt später wegen der schlechteren Tordifferenz ab. Phantomtore gibt es vorher (Wosab, Ökland) und nachher (Kießling), aber Helmers ist das mit Abstand bekannteste. (sst)

    Foto: Imago
  • DAS VOM TORWART
    Lange läuft es schlecht für Jens Lehmann an diesem 19. Dezember 1997. Mit Schalke 04 liegt er im Derby bei Borussia Dortmund bis in die Nachspielzeit 1:2 zurück. Lehmann hat bei beiden Gegentoren nicht die glücklichste Figur gemacht und sich zweimal mit Freistößen überlisteten lassen. Davon zermürbt, scheint er Gefühl für Raum und Zeit zu verlieren. Ab der 80. Minute sprintet er bei jedem Eckball oder aussichtsreichen Freistoß mit nach vorn, in der Hoffnung, irgendwie an den Ball zu kommen. Vergeblich. Bis Linienrichter Dirk Margenberg einen folgenschweren Fehler begeht. Nach einer verunglückten Flanke von Marc Wilmots entscheidet er auf Ecke. Olaf Thon bringt den Ball herein, Thomas Linke verlängert, am langen Pfosten kommt Lehmann angerauscht und hält seinen Kopf hin. Es ist das erste Tor eines Torwarts aus dem Spiel heraus. (sst)

    Foto: imago sportfotodienst
  • DAS VERRÜCKTESTE
    Hertha BSC hat gerade das 0:2 gegen den 1. FC Köln kassiert, als sich Ungeheuerliches zuträgt an jenem 30. September 2000 im Berliner Olympiastadion. Herthas Stürmer Michael Preetz schiebt den Ball beim Anstoß zu Alex Alves. Der steht exakt 52,2 Meter weit weg vom Tor, macht erst zwei Schritte zurück, dann zwei nach vorn und zirkelt er den Ball mit dem rechten Fuß hoch in den Himmel. Kölns Torhüter Markus Pröll wird wohl ein wenig von der Sonne geblendet, vor allem aber ist er über alle Maßen überrascht von der Chuzpe des Berliner Brasilianers. Der Ball beschreibt eine elegante Rechtskurve, und langsam dämmert Pröll, was da auf ihn zukommt. Viel zu spät reißt er die Arme hoch, prallt im Zurücklaufen gegen den Pfosten und dann liegt der Ball auch schon im Tor. Am Ende siegt Hertha 4:2 und Alves’ Geniestreich wird zum Tor des Jahres gewählt. (gol)

    Foto: Imago