Das Klingen von Flaschen der Likörfabrik „Westphal“ war der Soundtrack von Dieter Krauses Kindheit. Heute beherbergt das Haus in der Kollwitzstraße 66 im Erdgeschoss ein italienisches Restaurant. Foto: privat
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Jahrestag des Mauerfalls Eine Kindheit in der Kollwitzstraße

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Prenzlauer Berg, 50er Jahre, Dieter Krause ist hier aufgewachsen. Eine Jugend im Nachkriegschaos – und unverwechselbar schön. Bis die Mauer diese Welt zerschnitt. Unser Blendle-Tipp.

Er steht in der offenen Haustür, eine junge Frau kommt auf ihn zu, will an ihm vorbei. Einer alten zivilisatorischen Vereinbarung folgend sowie der eigenen Neigung grüßt er. Sie nicht. Sie schaut den Mann in der Haustür nicht einmal an, kein Nicken, gar nichts, dann ist er drin, sie draußen. Und kommt noch einmal zurück, um die irrtümlich offen stehende Haustür zu schließen. Sie könnte auch sagen: Los, raus hier! Ihr habt hier nichts zu suchen!

Was heißt, er hat hier nichts zu suchen?

Es gibt über 320000 Häuser in Berlin, die Kollwitzstraße 66 ist gewissermaßen nur ein Staubkorn von einem Haus und gewiss nicht das Schönste. Aber sie ist sein Haus. Hier, in der Kollwitzstraße 66 im Prenzlauer Berg ist Dieter Krause aufgewachsen; das Haus und alle Straßen ringsum, die West-Berliner inklusive, ergaben die Landschaft seiner Kindheit, bis die Mauer kam. Diese Neumieterin hat doch keine Ahnung, wo sie wohnt. Jeder Winkel hier, jeder Stein beinahe, trägt die Beschriftung der Vergangenheit, seiner Vergangenheit, vom Dach bis zum Keller, wo sie den alten 15-Liter-Glasballon voller Cognac fanden.

Groß, schlank, blondgrau, tendenzielles Asketengesicht

Und wie historisch arglos sie die Haustür passierte: „Sehen sie den kleinen Spalt zwischen Türrahmen und Oberlichtfenstern, da haben wir unsere Bälle hochgeworfen. Sieger war, wer die meisten Bälle im Rahmen hatte.“ Nebenan in der 64 sind leider alle Oberlichter rausgefallen, doch das war kein Ball, das war eine Bombe, rein akustisch betrachtet. Hörbar bis in die Nebenstraßen, selbstgebaut, mit sehr viel Blitzlichtpulver, erläutert der begabte Pyrotechniker von einst.

Jahrgang 1947. Kinder wie Dieter Krause eins war, sind der Albtraum der Kollwitzplatz-Mütter von heute. Foto: Frank Haselau
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Dieter Krause – groß, schlank, blondgrau, tendenzielles Asketengesicht – ist eigentlich keiner, den man einfach so übersieht. Typus David Bowie, sogar im gleichen Jahr geboren, 1947. Er schaut seiner Nachmieterin hinterher, deren Netzhautempfindlichkeit er nicht erreichte, es ist ein Doppelblick aus Ich-hab’s-ja-gewusst! und Unfassbar!

„Die leben in ihrer eigenen Weltblase!“

Kinder wie er eins war, sind der Albtraum der Kollwitzplatz-Mütter von heute. Und ihre Eltern erst, Mutter und Vater Krause. Im durchschnittlichen Geschichtsbewusstsein derer, die jetzt hier wohnen ...

Den vollständigen Text lesen Sie für 45 Cent im Online-Kiosk Blendle.

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