Fließbandarbeit? „Ja und nein“, sagt der Kinderarzt Jakob Maske. In seiner Praxis in Berlin-Schöneberg behandelt er an einem normalen Morgen 24 Patienten. Foto: Mike Wolff
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Gesundheit Aus dem Alltag der Berliner Kinderärzte

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Fünf-Minuten-Medizin - so nennt der Berliner Kinderarzt Steffen Lüder seinen Praxisalltag. Immerhin einen Vorteil hat sie: Zwischendurch ist Zeit für ernste Fälle. Unser Blendle-Tipp.

Es niest, es röchelt, es hustet. Babys jammern, kreischen, schreien. Türen klappen auf und zu, Schwestern rufen nach hierhin und dirigieren nach dorthin. Im Wartezimmer in einer Kinderarztpraxis in Berlin-Neukölln sitzen, spielen, drängeln sich Kinder mit geröteten Augen, Kinder mit blassen Gesichtern, mit Rotzfahnen, mit Ausschlag, mit belegten Zungen.

Eng ist es, gequetscht, stickig. Der Vater wirkt erlöst, als die Schwester ihn und seinen fiebernden Sohn aufruft. Endlich, nach 90 Minuten. Im Vorzimmer klingelt wieder das Praxistelefon, die Schwester geht ran: „Nein, wir nehmen niemanden mehr auf. Keine Kapazitäten, alles voll. Versuchen Sie es in einer der anderen Arztpraxen im Bezirk. Nichts? Da kann ich nichts machen. Versuchen Sie es in Kreuzberg.“

Eine Szene, so alltäglich, dass sie jeder Berliner mit Kind sicher schon einmal erlebt hat. Eine Szene, die es aber gar nicht geben dürfte. Denn laut Berechnung hat Berlin mehr als genug Kinderarztsitze: 308 für 569 319 Kinder. Reichen sollen und dürfen auch nur 240, wie die Kassenärztliche Vereinigung Berlin bekannt gibt.

Berliner Bezirke schlagen Alarm

Doch wie passt das zusammen? Die Statistik behauptet das eine. Der Alltag der Eltern und Ärzte spricht anderes. Da ist der Vater aus der Kinderarztpraxis in Neukölln, der nach der Untersuchung seines Sohnes sagt: „Ich mag meine Kinderärztin. Sie nimmt sich die Zeit, die es braucht. So soll es sein. Doch dafür ist die Praxis immer voll. Immer. Eine bis zwei Stunden Wartezeit ist normal.“

Da ist der Kinderarzt Steffen Lüder aus Lichtenberg, der so viele Patienten versorgen muss, dass er sagt: „Bei mir reicht es nur noch für die berühmt-berüchtigte Fünf-Minuten-Medizin.“ Da ist der Kinderarzt aus Schöneberg, Jakob Maske, der in seiner Praxis einen dritten Kinderarzt angestellt hat, um den Patientenansturm zu bewältigen. Da sind die Bezirke Neukölln und Lichtenberg, die Alarm schlagen und einen akuten Ärztemangel anzeigen. Da ist der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte, der vor einem Versorgungsengpass in deutschen Städten warnt.

Kinderärzte sind ein emotionales Thema. Es geht um Vertrauen, um Ängste und Befindlichkeiten. Es geht aber auch um praktische Fragen: Finde ich überhaupt einen Arzt? Bekomme ich mit meinem fiebernden Kind einen Termin am selben Tag? Wie viel Zeit nimmt sich der Arzt? Wie lange muss ich warten? Klar kann es mal voll werden. Das ist normal. Doch wenn die überfüllten Wartezimmer zu einem Dauerzustand werden ...

Den vollständigen Text lesen Sie für 45 Cent im Online-Kiosk Blendle.

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