Eingenickt. Darmstadts Terrence Boyd köpft zwischen Unions Verteidigern Toni Leistner und Marc Torrejon unbedrängt zum 2:2 ein. Foto: Annegret Hilse/dpa
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Zweite Liga Der 1. FC Union hat Probleme mit "Hawaii-Fußball"

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Der 1. FC Union Berlin kassiert beim 3:3 gegen Darmstadt erneut zu viele Tore und hadert mit der fehlenden Balance.

Wenn eine Szene die aktuellen Probleme des 1. FC Union Berlin treffend widerspiegelt, dann der 2:2-Ausgleich für Darmstadt 98 am Freitagabend. Gleich dreimal flankten die Gäste von der rechten Seite nahezu unbedrängt in den Strafraum, bis Terrence Boyd den Ball am Fünfmeterraum zwischen Toni Leistner und Marc Torrejon freistehend einköpfte. „Uns fehlt im Zentrum die richtige Zuordnung und wir lassen zu viele Flanken zu“, kritisierte Unions Trainer Jens Keller die Leistung in der zweiten Halbzeit, als die Berliner zwei Führungen leichtfertig herschenkten und nur durch ein kurioses Eigentor zum 3:3 in der vierten Minute der Nachspielzeit die erste Niederlage im Stadion An der Alten Försterei seit Mitte Mai verhinderten.

Nach der Länderspielpause hat Union gegen Heidenheim und Darmstadt nur einen von sechs möglichen Punkten geholt. Beunruhigender dürfte für die ambitionierten Köpenicker aber die aktuelle Defensivschwäche sein. Sieben Gegentore in zwei Spielen sind alles andere als bundesligareif. Zumal sich gegen Darmstadt dieselben Fehler wie in Heidenheim wiederholten. Aus unerfindlichen Gründen verlor Union im Laufe des Spiels die Kontrolle. „Wir haben nicht konsequent nachgeschoben und so bestand das Spiel nur noch aus Kontern auf beiden Seiten“, sagte Grischa Prömel, der sich über sein erstes Tor für Union nur bedingt freuen wollte. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen stimmten nicht, der Druck auf den ballführenden Gegner fehlte und bei Flanken offenbarte die eigentlich kopfballstarke Hintermannschaft der Berliner enorme Schwächen. „Wir hatten unter der Woche angesprochen, dass wir den Flankengeber früher unter Druck setzen müssen“, sagte Prömel. Gebracht hat der Appell offenbar nichts. Sieben Gegentore seien „sehr happig“.

Union schießt viele Tore, kassiert zurzeit aber noch mehr

Richtig erklären konnte sich den Verlust an Spielkontrolle nach der ordentlichen ersten Halbzeit niemand. „Uns hat die Balance gefehlt und so wurde es ein wildes Spiel“, sagte Christopher Trimmel. Das sah auch Simon Hedlund ähnlich und bereicherte die Zuhörer in der Mixed Zone mit einem Einblick in die skandinavische Fußballfachterminologie. „In Schweden nennen wir so ein Spiel Hawaii-Fußball“, sagte der Linksaußen. „Es ging hin und her, hin und her.“

So unterhaltsam diese Spielweise für die Zuschauer ist, erfolgversprechend ist sie für Union nicht. Die Stärken der Berliner liegen eigentlich im spielerischen Bereich. Das Team findet über Ballbesitz in die Begegnung, baut die Angriffe über mehrere Stationen auf und versucht, die Aktionen des Gegners durch Gegenpressing früh zu unterbinden. All das gelang Union in Heidenheim und gegen Darmstadt nur phasenweise. „Wir kommen nach einer sehr guten ersten Halbzeit aus der Pause und kassieren drei Gegentore in 15 Minuten, das war nicht der Plan“, sagte Keller.

Die Berliner zeigen zwar Woche für Woche, dass sie mit ihren quirligen Offensivspielern und Sebastian Polter als Vollstrecker immer für Tore gut sind, defensiv haben sie ihre Sicherheit momentan aber verloren. Mit 21 Gegentreffern hat Union nur zwei Tore weniger kassiert als Schlusslicht Kaiserslautern und schon mehr als in der gesamten Hinrunde der Vorsaison. Dabei schien das Team nach dem schwachen Start auf dem richtigen Weg zu sein. In sechs Ligaspielen vor der Länderspielpause kassierte Union nur drei Tore und blieb ungeschlagen.

„Bei den vielen Gegentoren müssen wir ansetzen“, sagte Trimmel. Schon in Bochum am kommenden Sonntag sollte Union damit anfangen, wollen die Berliner auf einem Aufstiegsplatz überwintern. „Wir müssen wieder so spielen wie vor Heidenheim, als wir sehr gut verteidigt und kaum Tore kassiert haben“, sagte Hedlund. Also wieder mehr Köpenick und weniger Hawaii.

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