Das Pokalspiel konnte  Köln in Berlin für sich entscheiden, diesmal hat sich Hertha mehr vorgenommen. Foto: dpa
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Spiel gegen den 1. FC Köln Hertha BSC und die Erinnerungen an das Pokal-Aus

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Gegen den 1. FC Köln strebt Hertha BSC den ersten Auswärtssieg seit langem an. Doch die erste Begegnung beider Teams in dieser Saison ist noch präsent

Irgendwann driftete Pal Dardai ins leicht Philosophische ab. „Der Fußball ist ein komischer Sport“, sagte Herthas Trainer. Der 41 Jahre alte Ungar war gefragt worden, ob die Bundesligatabelle nicht die Wahrheit sagt. Die führt beispielsweise den 1. FC Köln, Herthas Gegner am Sonntagabend (18 Uhr, live bei Sky), als Klassenletzten. Und dann schlägt diese in der Liga so aussichtslos abgeschlagene Mannschaft in der Europa League plötzlich den FC Arsenal mit 1:0. Und das ist ja nun wohl die qualitativ hochwertigste Mannschaft der gesamten Europa League, eine Mannschaft, die eine gefühlte Ewigkeit Stammkraft in der Champions League war. „Tja, der Ball ist rund“, führte Dardai also aus, „mal springt der Ball hier hin, mal da hin“.

Was auch immer Herthas Trainer damit sagen wollte, das Spiel am Sonntag in Köln ist für beide Mannschaften von großer Bedeutung. Können die Kölner am 13. Spieltag den ersten Bundesligasieg verbuchen und sich damit Hoffnung im Kampf gegen den Abstieg einhauchen? Oder können die Berliner als Tabellen-14. erstmals in dieser Saison auswärts gewinnen und ein wenig Abstand herstellen zu den bedrohlichen Plätzen der Abstiegszone?

Wie ernst es den Berlinern ist, zeigt allein schon ihre Reiseplanung. Entgegen aller Gewohnheit reisen sie erst am Sonntag nach Köln. Dardai will den Reisestress für seine Spieler möglichst gering halten. Denn während die Kölner am Donnerstag in der Europa League ein Heimspiel gegen die Londoner bestritten, war Hertha nach Bilbao ins Baskenland unterwegs – und dort auch noch ausgeschieden. Zwar haben die Berliner noch ein Heimspiel gegen Östersund, aber das ist belanglos: Die Schweden sind schon weiter, für Hertha ist ein Weiterkommen ausgeschlossen.

Viel Zeit bleibt nicht

Es sei schmerzhaft gewesen, das Aus. In der Kabine herrschte nach dem 2:3 in Bilbao „Stillstand“, berichtete Dardai. Drei Stunden Rückflug mussten reichen, um das Scheitern zu verarbeiten. „Wir können das trennen, das eine ist der Europapokal, das andere die Bundesliga. Jetzt fahren wir nach Köln, wo wir drei Punkte holen wollen.“

Hertha hat keine Zeit, sich den Enttäuschungen hinzugeben. Die Berliner müssen in der Liga nun rasch in die Spur finden. Dardais Mannschaft hat auch erst 14 Punkte auf dem Konto. Zwar sind es zu Platz sechs in der Tabelle nur sechs Punkte, nur vier sind es bis zum Relegationsplatz 16. Bereits auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Montag hatte Herthas Manager Michael Preetz den rund 1700 Anwesenden zugerufen, worauf es jetzt ankomme: „Wir müssen bis zur Weihnachtspause den Abstand nach unten vergrößern.“

Kein Team der Bundesliga war in den vergangenen zwei Spielzeiten so abhängig von seiner Heimstärke wie die Berliner. Doch diese ist im Herbst gewaltig ins Bröckeln geraten. „Jetzt müssen wir auswärts siegen. Wir haben die Heimstärke ein bisschen verloren“, hatte Dardai nach der Heimniederlage vor einer Woche gegen Borussia Mönchengladbach (2:4) gesagt. Und gab gleichzeitig die Zielrichtung bis Weihnachten vor. „Wir müssen sehen, dass wir bis zum Winter 22, 23 Punkte erreichen. Das ist das Ziel.“

Auf den ersten Blick kommt das Spiel in Köln wie gerufen. Der FC ist immer noch sieglos in der Bundesliga, mit mageren zwei Punkten steht er am Rand zur Zweiten Liga. Aber wären da nicht der frische Sieg über Arsenal und der etwas ältere vor einem Monat in Berlin. Im Pokal mussten die Berliner nach einer enttäuschenden Leistung das Aus gegen die Mannschaft von Trainer Peter Stöger hinnehmen. „Peter hat dort über Jahre etwas aufgebaut, sie hatten jetzt eine schlechte Phase“, sagte Dardai. Man werde mit Respekt in das Spiel gehen, „wir wollen aber nicht, dass es so läuft wie im Pokal.“

Volle Konzentration auf die Bundesliga

Wenn man dem Aus in der Europa League und im DFB-Pokal etwas Gutes abgewinnen kann, dann, dass Hertha sich voll und ganz auf die Bundesliga konzentrieren kann. „Wir wissen, dass wir auswärts in den letzten beiden Jahren nicht so gut waren. Aber jetzt haben wir uns ein bisschen gesteigert“, sagte Dardai. Zwar liegt der letzte Bundesliga-Auswärtssieg mehr als ein halbes Jahr zurück – ein 2:0 am 13. Mai beim späteren Absteiger Darmstadt 98. Doch Dardai verwies darauf, dass seine Mannschaft die jüngsten Auswärtsspiele in Freiburg und in Wolfsburg Unentschieden gestalten konnte. „Jetzt versuchen wir in Köln, mal drei Punkte zu holen“, sagte Dardai.

„Ein Ball springt niemals ein zweites Mal auf dieselbe Stelle“, sagte Dardai noch, ehe wieder der Pragmatiker durchkam, den die Fußballwelt kennt. Am Ende ist es im Fußball ganz einfach. Tagesform ist alles.

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