Sprungbrett. Für Junioren-Nationalspieler wie Maximilian Auste (rechts) ist der VCO der Start auf dem Weg nach oben. Foto: imago/Matthias Kochp

Serie: Berliner Klubs hinter den großen Klubs VC Olympia: Ausbildungsverein durch und durch

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Der VC Olympia hat sich allein der Talentförderung verschrieben – und sieht in der Kooperation mit den BR Volleys große Chancen.

In Berlin gibt es in jeder Teamsportart mindestens einen großen Klub. Diese Vereine prägen die Sportszene der Hauptstadt und stehen im Fokus. Dabei gibt es in ihrem Schatten zahlreiche Vereine, von denen auch die Branchenführer profitieren. Diese Vereine stehen in der zweiten Reihe und müssen oft um Aufmerksamkeit kämpfen. Wir stellen in unserer Serie Berliner Klubs hinter den großen Klubs vor. Teil 1: der VC Olympia im Volleyball.

Jörg Papenheims Manager-Kollegen bei den Klubs der Volleyball-Bundesliga müssen derzeit eine stressige Zeit bewältigen. Es läuft die Transferphase, und da sind alle mit Neuverpflichtungen und der Kaderzusammenstellung beschäftigt. Nur Papenheim nicht. Der Manager des VC Olympia Berlin muss sich schon lange nicht mehr darum kümmern. „Ich habe die Verträge mit den Spielern jedes Mal schon im Januar fertig, lange bevor sich die anderen Vereine damit befassen“, sagt der 43-Jährige. „Weil wir bereits im Herbst die zentralen Sichtungen veranstalten.“ Schließlich ist der Verein aus Hohenschönhausen auch ein besonderes Konstrukt.

Der VC Olympia ist seit 1993 der Bundesstützpunkt für Volleyball. Dessen 70 Athleten, etwa 40 davon wohnen im Internat, verteilen sich auf Junioren-Mannschaften bei den Männern und den Frauen in der Halle sowie im Beachvolleyball. Einzigartig in Deutschland ist dabei, dass die VCO-Mannschaften ein festes Startrecht in der Bundesliga besitzen: Seit 1999 spielen die Männer im jährlichen Wechsel zunächst in der zweiten Liga und dann in der ersten Liga, die Frauen spielen durchgängig in der ersten Liga. So sollen die besten Talente des Landes schon früh auf höchstem Niveau gefordert werden.

Ein totaler Ausbildungsverein ist der VCO also, es ist ja auch die Hauptaufgabe des Bundesstützpunktes, die Nachwuchsathleten zu zukünftigen A-Nationalspielern zu formen. „Außerdem wollen wir die Struktur in Berlin nutzen und die Berliner Talente weiterentwickeln“, sagt Papenheim.

Ein Anreiz für die Talente

In Berlin steht der Verein natürlich im Schatten der BR Volleys. Der aktuelle Deutsche Meister zieht mit seinen Erfolgen das Interesse für den Profi-Volleyball in der Stadt voll auf sich. Von Spielen vor 7000 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg ist der VCO im Sportforum Hohenschönhausen dann auch Lichtjahre entfernt. Die Besucherzahlen pro Partie dort schwanken zwischen 60 und 300.

Trotz der Nebenrolle hinter den Volleys sieht Papenheim den Topklub auch als Zugpferd für das eigene Projekt und pflegt einen engen Austausch mit dem Verein aus Charlottenburg. „Mit dem Doppelspielrecht, das etwa einige männliche Junioren für die Volleys und den VCO besitzen, ermöglichen wir ihnen bereits in jungen Jahren besondere Einblicke bei einem internationalen Spitzenverein“, sagt er. „Das ist natürlich ein Anreiz für die Talente.“ In der vergangenen Saison spielte Egor Bogachev für den VCO und die Volleys – der Außenangreifer nutzte diese Chance und erhielt nun einen Dreijahresvertrag beim Deutschen Meister.

Seit 2014 besteht die Kooperation zwischen dem VCO und den Volleys, die für die Nachwuchsathleten jedoch nicht nur zusätzliche Motivation ist, sondern auch eine beachtliche Herausforderung darstellt. „Denn der Sprung aus der Jugend zu solch einer Spitzenmannschaft ist natürlich wahnsinnig groß“, betont Papenheim.

Zwei Spiele haben die VCO-Talente zuletzt gewonnen

Das Leistungsgefälle zwischen den VCO-Mannschaften und den anderen Bundesligisten war lange auch ein großes Thema, weil die VCO-Teams in den Duellen oft chancenlos waren. Doch das hat sich mittlerweile geändert. In der vergangenen Saison der Männer-Bundesliga gewann der VCO zwei Spiele, und in der Frauen-Bundesliga gelangen immerhin 17 Satzgewinne. „Wir sind wettbewerbsfähig. Die Gegner haben jedenfalls nicht wie früher mit ihren B-Aufstellungen gegen uns gespielt“, sagt Papenheim. „Das Eliteprojekt verdient seinen Namen, und ich freue mich schon auf den nächsten Jahrgang, aus dem bereits zwei Spieler der A-Nationalmannschaft angehören.“

Diese Entwicklung hat auch viel mit Papenheim zu tun, der vor drei Jahren vom Bundesligisten TV Rottenburg als neuer hauptamtlicher Geschäftsführer und Stützpunktleiter nach Berlin wechselte. Das Umfeld wurde verbessert und professionalisiert – und das schlägt sich nun auch in den Ergebnissen nieder.

Eine große Baustelle will Jörg Papenheim in den nächsten Jahren allerdings zusätzlich noch angehen: Er möchte mehr Zuschauer in das Sportforum locken. „Mittelfristig peile ich mindestens 500 Zuschauer pro Spiel an“, betont er. „Denn hier gibt es richtig guten Volleyball zu sehen.“

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