Muskeln anspannen reicht nicht. Elias Arriagada Krüger weiß, dass es beim Klettern vor allem auf die Technik und den Plan ankommt. Foto: DAVIDS/Sven Darmer
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Regional-Cup im Bouldern Auf Kante geklettert

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Der 17-jährige Berliner Elias Arriagada Krüger will auf Weltreise gehen, um Felswände zu beklettern. Heute tritt er bei der Regionalmeisterschaft im Bouldern an.

Es dröhnt, es hämmert, die Bohrmaschinen kreischen. Trotzdem blickt Elias Arriagada Krüger nicht hinüber zur Lärmquelle. Stattdessen geht er zur Couchzone und setzt sich mit dem Rücken zur Baustelle im "Ostbloc", einer Kletterhalle an der Spree in Rummelsburg. Krüger dürfte eigentlich gar nicht hier sein, so kurz vor dem Wettkampf. Der 17-Jährige ist Sportkletterer. Die Routen, die im Ostbloc gerade entstehen, sollen ihm ganz unbekannt sein, wenn er dort am heutigen Samstag zum ersten Teil der regionalen Meisterschaften zwischen Hallen in Berlin, Dresden, Leipzig, Halle und Chemnitz zum Bouldern antritt.

Beim Bouldern klettern Menschen wie Elias Arriagada Krüger ungesichert an Felsbrocken entlang oder, wie im Ostbloc, an künstlichen Kletterwänden. Weil in der Rummelsburger Halle gerade eine neue Boulderroute ensteht, wird sich Krüger genau überlegen müssen, wie er die Kombinationen angeht. "Ich mache mir schon Gedanken und versuche, die Route weitestgehend zu lesen", sagt der 17-Jährige. In welche Richtung sind die Griffe gedreht, aus welchem Winkel sollte man also versuchen, sie zu greifen? Was hat sich der Schrauber bei der Anordnung der bunten Griffe an der Holzwand gedacht? Solche Gedanken gehen Krüger durch den Kopf. Er liebt die technischen Routen, wo manchmal nur die Kante einer dünnen Platte Halt für den Fuß bietet, wo es auf jeden Millimeter ankommt. Bouldern erfordert Kraft in Fingern, Schultern und Beinen. Es braucht aber auch Intelligenz und Improvisationsvermögen, falls der Plan doch nicht aufgeht, der nächste Griff zu weit entfernt oder nicht zu halten ist. Und wer auf Krüger-Niveau bouldert, muss auch physisch stark sein.

Anfänge in der T-Hall in Neukölln

2016 wurde Krüger Vierter beim Deutschlandcup und holte den Berliner Titel. In diesem Jahr setzte er wegen eines Aufenthalts in Taiwan aus. Die Kletterhallen dort hatten längst nicht die Qualität wie jene in Deutschland. Dazu kamen Hitze und Luftfeuchtigkeit. "Ich bin schon ein gutes Stück schlechter geworden", gesteht Krüger. Jetzt ist er wieder voll im Training. Vier bis fünf Mal die Woche bouldert er jeweils drei Stunden lang – trotz Schultagen, die teilweise erst um 17 Uhr enden. Von wegen einfach an die Wand und los – wer professionell bouldert, der arbeitet mit Trainingsplänen.

Krüger klettert nicht nur, er entwirft mittlerweile auch selbst Routen. "Ich schraube gerne an einem Projekt, wo ich meine Defizite widerspiegeln kann", erklärt er. Als er vor sechs Jahren mit Seilklettern begann, war er Teil einer Jugendgruppe mit festen Trainingszeiten, der Trainer achtete auf Pausen. Seine Anfänge lagen in der T-Hall, damals noch in Neukölln, nachdem er als Elfjähriger bei einem ISTAF-Event zum Spaß eine Kletterwand ausprobiert hatte und die Betreuer sein Talent erkannten. Vor vier Jahren wechselte er dann zum Bouldern.

Wer am wenigsten Versuche braucht, gewinnt

Seit Kurzem klettert Krüger auch an Naturfelsen. "Ich bin jetzt zu dem Punkt gekommen, wo ich das Abenteuer mag, mit Freunden draußen in der Natur zu sein", sagt der Schüler. Mit seinen Kletterfreunden fährt er dann in die Schweiz, nach Italien oder ins Juragebirge, campt dort und verbringt die Tage an der Felswand. Mit einem australischen Kollegen will Krüger nach dem Abitur auf Weltreise gehen, Australien, Südafrika, Chile, "nur zum Klettern" – natürlich. "Aber leider habe ich noch anderthalb Jahre", sagt er mir Bedauern.

Am Samstag will Krüger das Finale der besten Sechs erreichen. Dann müsste er ein "Problem" bouldern und den richtigen Weg entlang der Wand finden. Wer am wenigsten Versuche braucht, gewinnt. Krüger wird dann wieder vor der Wand stehen – und versuchen, die Routen richtig zu lesen.

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