Antonio Candreva (re.) und Viktor Claesson kämpfen um den Ball. Foto: Reuters
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Play-offs gegen Schweden Italien verpasst erstmals seit 1958 eine Fußball-WM

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Das torlose Remis gegen Schweden ist für den viermaligen Weltmeister zu wenig. Torwartlegende Buffon verkündet danach seinen Rücktritt aus der Nationalelf.

Es bedarf keiner Nachweise mehr, dass Gianluigi Buffon ein großer und fairer Sportsmann ist. Das hat Italiens Torwart oft genug gezeigt. Aber er tat es auch in einem Moment höchster Anspannung, mit dem möglichen Aus in den Play-offs zur Weltmeisterschaft in Russland vor Augen. Als die Zuschauer auf den Rängen im brodelnden Giuseppe-Meazza-Stadion vor dem Anpfiff die schwedische Nationalhymne niederpfiffen, klatschte Buffon Beifall für die Hymne. Knapp zwei Stunden später war klar, dass der 39-Jährige keine sechste WM als Spieler erleben wird. Die Begegnung endete 0:0, das erste Spiel hatte Schweden 1:0 gewonnen.

Schon Sekunden nach dem bitteren Aus flossen bei der Torwartlegende die Tränen - wenig später verkündete Buffon seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. „Es tut mir leid, dass die letzte offizielle Partie mit einer Nicht-Qualifikation für die Weltmeisterschaft zusammengefallen ist“, sagte er.

Im italienischen Fernsehen gestand der Torhüter, es sei schlimm, dass seine Karriere so ende. Der Agentur Ansa bestätigte er, das Schweden-Spiel sei seine letzte Partie im Trikot der Squadra Azzurra gewesen. „Es tut mir nicht für mich persönlich leid, sondern für die ganze Mannschaft und das ganze Land. Wir haben etwas verpasst, dass auf so verschiedenen Ebenen viel bedeutet hätte“, sagte Buffon. „Aber wir sind stolz und stark. Wir werden versuchen, uns davon zu erholen, wie wir das immer gemacht haben.“ Für ganz Italien sei das Fehlen bei der WM eine „Katastrophe“, meinte Buffon, der auch im TV-Interview weinte.

Ein rauschendes Fußball-Fest entwickelte sich erwartungsgemäß nicht, dafür ein packendes Spiel voller Leidenschaft. Es ging um alles, und es ging hoch her. Gleich in drei strittigen Szenen forderten die Teams vor der Pause Elfmeter - einmal die Italiener, zweimal die Schweden, bei denen Albin Ekdal vom Fußball-Bundesligisten Hamburger SV verletzt ausfiel. Emil Forsberg regte sich in einer Situation so sehr auf, dass er von Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz aus Spanien die Gelbe Karte gezeigt bekam. Strafstoß für die Gäste wegen Handspiels von Andrea Barzagli wäre eher angebracht gewesen.

Bis zur ersten Chance dauert es eine halbe Stunde

Bis zur ersten großen Chance verging fast eine halbe Stunde. Dann jagte Antonio Candreva den Ball aus halbrechter Position knapp über die Latte. Kurz vor der Pause tauchte Ciro Immobile frei vor Torwart Robin Olsen auf und brachte den Ball an ihm vorbei. Doch Andreas Granqvist klärte knapp vor der Linie für seinen Keeper.

Viermal war Italien Weltmeister, hatte zuletzt 1958 eine WM verpasst. Nun lief dem aktuellen Jahrgang die Zeit davon. Gegen jene Schweden, die im Oktober bereits die Hoffnungen der Niederlande auf das Ticket für Russland beendet hatten.

Die Gäste beschränkten sich nach dem Wechsel fast ausschließlich auf Sicherung des eigenen Tores und hofften auf Konter. Allerdings spielten sie diese selten gefährlich zu Ende. Italiens Überlegenheit nahm minütlich zu. Jedoch auch die Verzweiflung in den Bemühungen. Der eine Treffer, der wenigstens die Verlängerung bedeutet hätte, wollte nicht fallen. Dabei waren die Gelegenheiten da: Alessandro Florenzi verfehlte das Tor um Zentimeter und als Schwedens Mikael Lustig eine Flanke abfälschte, klatschte das Spielgerät an die Latte des eigenen Tores. Auch Stephan El-Shaarawy konnte Torwart Olsen mit seiner Direktabnahme nicht bezwingen.

Auch Buffon stürmt mit

Fünf Minuten Nachspielzeit erhielten die Italiener als letzte Chance. Doch es sollte nicht reichen. Italien erlebte die fußballerische „Apokalypse“. So hatte Verbandschef Carlo Tavecchio im Vorfeld ein Scheitern des Weltmeisters von 2006 bezeichnet. Am Scheitern konnte auch Torwart Buffon nichts mehr ändern, der am Schluss mit in den gegnerischen Strafraum ging. (Tsp, dpa)

Italien war einfach zu schlecht: Lesen Sie im Kommentar von Sven Goldmann, warum das WM-Aus folgerichtig ist.

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