Schwerer Gang. Die Dortmunder Mannschaft steckt in einer tiefen Krise. Foto: REUTERS
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Niederlage gegen Tottenham Hotspur Borussia Dortmund: Das Publikum murrt immer lauter

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Die Krise von Dortmund verfestigt sich: Auch zu Hause unterliegt der BVB gegen Tottenham. Ausgerechnet jetzt kommt Schalke.

Das war’s mit der Champions League, und die Krise hat Borussia Dortmund am Mittwoch auch nicht beenden können, ganz im Gegenteil. Gegen Tottenham Hotspur legte der deutsche Pokalsieger eine halbwegs gute erste Halbzeit hin, aber danach gelang kaum noch etwas. 65.849 Zuschauer im ausverkauften Westfalenstadion wurden Zeugen einer 1:2 (1:0)-Niederlage.

Dortmund verspielte damit die letzte theoretische Chance auf das Achtelfinale. Im finalen Vorrundenspiel bei Real Madrid geht es nur noch darum, im Fernduell mit Apoel Nikosia den dritten Platz in Gruppe H zu behaupten und damit die Qualifikation für ein weitergehendes internationales Engagement zu schaffen, wenn auch nur in der zweitklassigen Europa League. Die Tordifferenz spricht bei ausgeglichenem direkten Vergleich klar für Dortmund, aber was heißt das schon in diesen tristen Dortmunder Tagen. Das Revierderby in drei Tagen gegen den FC Schalke 04 kommt dem BVB da überhaupt nicht recht. Für den angeschlagenen Trainer Peter Bosz könnte es am Samstag schon um den Job gehen.

Der Niederländer versuchte es gegen die Spurs mit einer deutlich defensiveren Ausrichtung als in den vogelwilden Wochen der jüngeren Vergangenheit. Die defensive Absicherung im Mittelfeld funktionierte aber nur eine halbe Stunde lang, da aber ganz gut. Früh hätte das Führungstor für die Borussia fallen können, nein: fallen müssen.

Andrej Jarmolenko sah in zentraler Position, wie sich Pierre-Emerick Aubameyang in den Rücken von Tottenhams Abwehr schlich. Sein Pass flog punktgenau auf den Fuß des Mannes, der zu besseren Zeiten einmal Dortmunds Spiele im Alleingang entschieden hatte. Aber es waren zuletzt keine allzu guten Tage für Aubameyang, und auch diese Chance vergab er mit der ihm eigenen Nonchalance. Aus bester Position und ohne jede Bedrängnis setzte er den Ball einen guten Meter neben den rechten Pfosten.

Bürki musste verletzt den Platz verlassen

Das Publikum murrte ein wenig, aber das war mehr Enttäuschung geschuldet denn Verärgerung. Der BVB blieb überlegen, und beim nächsten Mal machte Aubameyang es besser. Und was war das für ein elegant herausgespieltes Tor: Shinji Kagawa und Raphael Guerreiro brachten erneut Jarmolenko ins Spiel, der mit der Hacke direkt weiter spielte, in den Lauf des Gabuners, der diesmal die linke Ecke wählte und den Ball unerreichbar für Hugo Lloris im Tor der Spurs zum 1:0 verwandelte.

Viel mehr war aber nicht, und für Tottenham fing das Spiel jetzt erst richtig an. Die erste Chance vergab Christian Erikssen, dessen Schuss Roman Bürki zur Seite abwehrte. Auch bei einem Kopfball von Eric Dier flog Dortmunds zuletzt so schwer kritisierter Torhüter spektakulär und erfolgreich, um dem Ball den Einschlag zu verwehren.

Der Halbzeitpfiff kam den Dortmundern gerade recht, auf dass der gegnerische Spielfluss erst einmal ein natürliches Ende fand. Die Spurs knüpften jedoch auch in der zweiten Halbzeit an ihr Offensivspiel an. Gleich die erste Chance nutzte Harry Kane mit einem Flachschuss vom Kreidestrich des Strafraums zum 1:1. Für den englischen Nationalspieler war es bereits der sechste Treffer in der laufenden Saison der Champions League, begünstigt durch einen der zuletzt systemimmanenten Dortmunder Defensivfehler. Jeremy Toljan hatte den großartigen Dele Alli zur Vorarbeit eingeladen.

Tottenham wurde immer besser, vor allem Dank der erwachten Spielfreude von Alli und Erikssen. Zunächst hatte Marc Bartra noch Glück, dass sein Pass ins Irgendwo Alli überraschte und deshalb nicht den durchaus möglichen Treffer zum 2:1 für die Spurs zur Folge hatte. Das fiel dann kurz darauf, als Alli eine Viertelstunde vor Schluss auf dem linken Flügel Götze und Marc Bartra narrte und Heung-Min Son freispielte. Der Südkoreaner, früher in Leverkusen und Hamburg aktiv, vollendete mühelos zum Siegtor.

Was dann geschah, sieht man nicht oft im Westfalenstadion. Lange vor dem Abpfiff wanderten Zuschauer ab, das Murren wurde lauter. Nur auf der Südtribüne sangen sie weiter, gegen die Kälte, aber auch gegen die Ideenlosigkeit auf dem Platz. Zu allem Überfluss musste Torhüter Bürki, gestern einer der Besten, verletzt den Platz verlassen.

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