Schiedsrichter Manuel Gräfe beklagt sich schon lange über die Methoden beim DFB. Foto: dpa
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Nach Vorwürfen von Manuel Gräfe DFB strebt Mediation mit Schiedsrichtern an

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Der Krach zwischen DFB und Schiedsrichtern ist eskaliert. Jetzt soll es einen Schlichtungsversuch geben - doch das kann dauern.

Vier Stunden saßen die Herrschaften in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zusammen und am Ende war doch alles so wie vorher – wenn nicht sogar noch schlimmer. Vorwürfe hier, Unverständnis da. Nichts deutete nach dem Krisentreffen am Dienstagabend auf eine Annäherung oder gar Lösung im Streit mit den zwei Bundesliga-Schiedsrichtern Manuel Gräfe und Felix Brych hin. Im Gegenteil: Man konnte sich weder auf eine gemeinsame Erklärung noch eine weitere Vorgehensweise einigen.

Dass sich die Angelegenheit einfach klären lässt, glaubt inzwischen keiner der Beteiligten mehr. Der DFB erwägt deshalb nun, seine im vergangenen Jahr gegründete und vom ehemalige Bundesinnenminister Klaus Kinkel geleitete Ethik-Kommission mit dem Fall zu betrauen. Auch von einer möglichen Mediation ist die Rede. An dieser sollen nach der Vorstellung des DFB dann möglichst alle 24 Bundesliga-Schiedsrichter sowie die Beschuldigten teilnehmen, wie zu hören ist. Ob Gräfe sich darauf einlässt, scheint nach der Unterredung vom Dienstag eher unwahrscheinlich. Vielmehr erneuerte der Berliner Schiedsrichter seine Vorwürfe in einer persönlichen Erklärung nochmals.

Gräfe erhält Unterstützung von Brych

Bereits im August hatte Gräfe seinen früheren Vorgesetzten in einem Interview mit dem Tagesspiegel Vetternwirtschaft und fehlende Transparenz bei der Auswahl der Schiedsrichter vorgeworfen. Es sei zu oft nach Gusto und nicht nach Leistung gegangen, sagte Gräfe damals. Der Einfluss von Herbert Fandel und Hellmut Krug trage immer noch zu Ungerechtigkeiten bei, ließ Gräfe jetzt wissen – und forderte Konsequenzen: „Es obliegt nun dem DFB, für Veränderungen zu sorgen.“ Mit der Art des 44-Jährigen hat man beim Verband so seine Probleme. Gräfe ginge es nur um persönliche Befindlichkeiten, heißt es, und dass für derlei Beschuldigen auch Beweise vorgelegt werden müssten.

Die Tatsache, dass mit Brych nun ein weiterer hochrangiger Schiedsrichter das Bedürfnis hatte, die Probleme mit Krug und Fandel beim DFB anzusprechen, machen Gräfes Vorwürfe jedoch zumindest nicht unplausibler. Brych und Gräfe tauschten sich bei dem Krisentreffen in der Frankfurter Zentrale zunächst mit Schiedsrichter-Chef Lutz Fröhlich und den DFB-Funktionären Ronny Zimmermann und Willi Hink aus. In einer zweiten Runde wurden Krug und Fandel hinzugeholt. Dabei soll es hoch hergegangen sein. Von beiderseitigen Vorwürfen ist die Rede. Zugeständnisse? Verständnis? Konkrete Verabredungen? Lösungsansätze? Nichts dergleichen.

Vom DFB, der eine Einigung bereits beim Gespräch am Dienstag angestrebt hatte, ist am Mittwoch lediglich zu hören, dass es jetzt eine „sorgfältige Analyse“ des Gesprächs und „eine sachgerechte Lösung“ geben soll. Das klingt so, als würde die Angelegenheit den Fußballverband noch lange beschäftigen.

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