Zum Schreien. Jakob Busk musste schon zehn Gegentore hinnehmen. Foto: Hilse/dpap

Nach 1:1 gegen Braunschweig Der 1. FC Union ist auf der Suche nach der Null

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Der 1. FC Union ist in der Zweiten Liga seit vier Spielen sieglos. Zehn Gegentore nach sechs Spielen sind zu viel für die Aufstiegsambitionen der Berliner.

Einer im Sport weit verbreiteten Weisheit zufolge gewinnt die Offensive Spiele und die Defensive Meisterschaften. So ist es wenig verwunderlich, dass dem 1. FC Union derzeit das eine nicht gelingt und sich das andere langsam weiter entfernt. Das 1:1-Unentschieden im Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig am Freitag hat erneut gezeigt, dass es bei Union an beiden Enden des Spielfeldes noch nicht rund läuft. Der Berliner Zweitligist ist damit seit vier Spielen ohne Sieg – viel zu lange für die Aufstiegsambitionen der Mannschaft von Trainer Jens Keller.

Wie schon zuvor gegen Nürnberg, Bielefeld und Düsseldorf hätte Union auch gegen Braunschweig gewinnen können, wenn nicht müssen. Die Berliner machten ein gutes Spiel, der Einsatz war von Beginn an deutlich besser als zuletzt und Tormöglichkeiten waren ausreichend vorhanden. Im Abschluss fehlt den Köpenickern derzeit aber oft das nötige Quäntchen Glück.

Etwa als Marcel Hartels Schuss gegen die Latte klatschte oder Sebastian Polter nach einer guten Flanke von Steven Skrzybski am Braunschweiger Torwart scheiterte. „Wir müssen unsere Möglichkeiten konsequenter nutzen“, sagt Kapitän Felix Kross. Abwehrchef Toni Leistner sieht es eher positiv. „Das macht mir Mut für die nächsten Spiele, wenn ich sehe, dass wir da vorne so viele Chancen herausspielen.“

Mit elf Toren nach sechs Spielen steht Union trotz einiger vergebener Chancen offensiv ordentlich da. Das lässt sich von der Defensive nicht sagen. Zehn Gegentreffer hat Torwart Jakob Busk schon kassiert, mehr musste nur der MSV Duisburg hinnehmen. „Wir können momentan nicht zu Null spielen“, stellt Leistner fest. Wettbewerbsübergreifend ist es Union seit nunmehr sechs Spielen nicht mehr gelungen, ohne Gegentor zu bleiben. In der stärksten Phase der vergangenen Saison, als Union in den ersten acht Rückrundenspielen ungeschlagen blieb und die Tabellenführung übernahm, war die Defensive noch die große Stärke der Berliner. Zwischen Januar und Ende März spielte Union viermal zu Null und gewann aus einer soliden Abwehr heraus auch enge Duelle.

Am Freitag in Sandhausen will Union endlich wieder gewinnen

Die aktuellen Probleme nur bei der Abwehr zu suchen, greift jedoch zu kurz. Über weite Strecken verteidigt Union gut und diszipliniert. Zwar fehlt mit Marc Torrejon der etatmäßige Partner von Leistner in der Innenverteidigung wegen einer Wadenverletzung, daran allein will Keller die punktuellen Schwächen in der Rückwärtsbewegung aber nicht festmachen. „Wir haben einen guten, breiten Kader, da hängt es nicht von einem Spieler ab“, sagt Keller.

Zumal der Gegentreffer gegen die Braunschweiger aus einer langen Fehlerkette und nicht aus einem individuellen Aussetzer resultierte. Nach einem eigenen Standard ließen sich die Berliner auskontern und verpassten es mehrfach, den Gegenangriff zu unterbinden. „Wir sind in der gegnerischen Hälfte drei gegen eins in Überzahl und gewinnen den Zweikampf nicht“, ärgert sich Keller. Danach bekam Union aufgrund einer schlechten Staffelung im Mittelfeld keinen Zugriff mehr auf den Ball. Als Salim Khelifi auf der linken Seite in den Strafraum eindrang, agierte Christopher Trimmel zu zögerlich und in der Mitte verlor Marcel Hartel Torschütze Christoffer Nyman aus den Augen. „Den Konter müssen wir irgendwie unterbinden“, sagt Kroos. „So ein Gegentor darf uns nicht passieren.“

Es sind momentan nicht die großen individuellen Fehler, die Union Gegentore und wichtige Punkte kosten, sondern kleine Details, die fehlen: ein taktisches Foul zur richtigen Zeit, die Absicherung in der eigenen Vorwärtsbewegung oder die Reaktionsschnelligkeit bei zweiten Bällen. „Wir haben nicht viele Chancen zugelassen“, sagt Leistner. Das stimmt zwar, mit der letzten Aktion des Spiels musste Union nach einem Freistoß aber fast noch das 1:2 hinnehmen. Zwischen Leistner und Kristian Pedersen kam Gustav Valsvik aus sechs Metern mit dem Kopf an den Ball und verpasste das Tor nur um wenige Zentimeter.

Viel Zeit, um an den Problemen in der Rückwärtsbewegung zu arbeiten, hat Keller nicht. Schon am Dienstag ist Union beim gut gestarteten SV Sandhausen zu Gast. „Aus Situationen wie beim Gegentor müssen wir lernen“, fordert Keller. Vielleicht steht dann defensiv auch mal wieder die Null.

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