Kevin-Prince Boateng spielt seit diesem Sommer für die Eintracht. Sein Trainer ist Niko Kovac. Beide kennen sich aus gemeinsamen Hertha-Zeiten. Foto: dpa
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Mit Frankfurt bei Hertha BSC zu Gast Kevin-Prince Boateng ist gar nicht mehr böse

Sebastian Schlichting
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In Berlin sollte Boateng das Gesicht einer neuen Spielergeneration werden. Jetzt ist er 30 Jahre alt. Und reifer geworden.

Das erste Profispiel von Kevin-Prince Boateng mit Hertha BSC – gegen Eintracht Frankfurt, August 2005. Das erste Tor in der Fußball-Bundesliga – gegen Eintracht Frankfurt, Februar 2006. Das letzte Tor für Hertha – gegen Eintracht Frankfurt, Mai 2007. An diesem Sonntag spielt er mal wieder im Olympiastadion (15.30 Uhr, live bei Sky). Mit Eintracht Frankfurt – gegen Hertha, Dezember 2017. „Ich werde ins Stadion einlaufen als ein anderer Mensch im Vergleich zu meiner Zeit bei Hertha“, sagt Boateng.

Er war mit den Berlinern Deutscher Meister in den B-Jugend geworden, hatte später das Tor des Monats erzielt. Ein Schuss mit links fast aus dem Mittelkreis bei der U-19-Nationalmannschaft. 2006 gewann er die Fritz-Walter-Medaille als bester Nachwuchsspieler. Boateng, das Riesentalent. Der kommende Nationalspieler. Boateng kann mit dem DFB-Team Weltmeister werden, sagten manche.

Für über sieben Millionen Euro nach Tottenham

So kam es. Nur anders. 2014 wurde Boateng Weltmeister. Vorname Jerome. Der jüngere Halbbruder von Kevin- Prince. Dieser hatte Hertha im Sommer 2007 verlassen, nach 42 Bundesligaspielen. Tottenham Hotspur zahlte über sieben Millionen Euro, eine damals im deutschen Fußball nicht eben kleine Summe. Durchsetzen konnte er sich in Tottenham nicht. Keine profihafte Einstellung, kein Teamspieler, so hieß über den Hochbegabten in Berlin. Dabei hatte er das Gesicht der neuen jungen Generation sein sollen. Einer Generation der vielen Talente. Die Boatengs, Patrick Ebert, Ashkan Dejagah oder Chinedu Ede. Alles sehr lang her. Keiner ist mehr bei Hertha. Ein weiterer Spieler aus dem damaligen Kader ist noch da, in anderer Funktion: Pal Dardai.

Seit mehr als zwanzig Jahren im Verein, hat Dardai auch mit Boateng zusammengespielt. „Er war ein junger, talentierter Bursche. Ein guter Fußballer“, sagt Herthas Trainer im Rückblick. „Er hat sehr viel aus sich rausgeholt“, sagt Dardai noch. In Boatengs Vita steht ein großer Titel: Meister in Italien 2011 mit dem AC Mailand. Ein Jahr vorher erreichte er das WM-Viertelfinale. Mit Ghana, dem Heimatland seines Vater.

Das ist mehr als viele andere Fußballer schaffen. Doch es ist auf der anderen Seite deutlich weniger, als ihm zugetraut worden war. In Deutschland erinnern sich die Fans im Zusammenhang mit Boateng schnell an ein böses Foul. Der Mittelfeldspieler, damals beim FC Portsmouth unter Vertrag, brachte mit seinem Einsteigen im FA-Cup-Finale Michael Ballack um die Teilnahme an der Weltmeisterschaft. Und dann war da noch die Affäre um abgebrochene Autospiegel in Wilmersdorf. Im Sommer 2010 akzeptierte Boateng einen Strafbefehl über 56 000 Euro. Für jemanden wie ihn schien der Begriff Bad Boy erfunden worden zu sein.

Es fehlte am Einsatzwillen

„Ich war als junger Spieler immer der talentierteste. Das hat mir geholfen, weil ich weniger gelaufen bin, aber einen super Pass gespielt habe“, hat er unlängst der „Fußball-Bild“ erzählt. Zunächst hat das gereicht, später nicht mehr. Da waren Einsatzwille und Arbeitsmoral gefragt. „Damals war ich der, der das nicht wollte, und saß auf der Tribüne.“ Jetzt sagt Boateng: „Ich bin reifer geworden. Ich habe viel gelernt aus den Fehlern, die ich gemacht habe.“

Seit dem Sommer ist der 30-Jährige wieder in der Bundesliga. Zuvor war er bei UD Las Palmas, hatte eine starke Saison in der Primera Division mit zehn Toren. Schlagzeilen hat er auch in Frankfurt bisher nur sportlich gemacht. Mit guten Leistungen im defensiven Mittelfeld.

Kevin-Prince Boateng (l.) im Trikot von Hertha BSC gegen Frankfurts Alex Meier. Foto: dpa
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Über das anstehende Spiel fallen ihm dann auch nur positive Dinge ein: „Es ist immer schön, wieder im Olympiastadion aufzulaufen.“ In seiner Heimatstadt, wo sich „meine Familie schon freut, mich mal wieder zu sehen“. Bei Hertha, wo „man mir die Chance gegeben hat, Profi zu werden. Das werde ich nie vergessen“. Nach Hertha, Borussia Dortmund (2009) und Schalke 04 (2013 bis 2015) ist Frankfurt Boatengs vierte Station in der Bundesliga. Der Kontakt kam über Trainer Niko Kovac zustande. Wie Boateng Berliner. Beide kommen aus dem Wedding, haben bei Hertha in einer Mannschaft gespielt und in der Kabine nebeneinandergesessen. Kovac, der ruhige Typ, und Boateng, der extrovertierte Draufgänger, irgendwie passte das zusammen. „Wir verstehen uns. Er hat mich damals geführt und macht es heute genauso.“

Große Sprüche gibt es von Boateng nicht mehr. Aber, so viel Selbstbewusstsein darf dann schon sein: „Wenn wir unser Spiel spielen, werden wir gewinnen.“ Mit Frankfurt. Gegen Hertha.

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