Triumph im Regen. Etliche Sportler hatten einst Gedanken an einen Suizid (Symbolbild). Foto: Imago
p

Meine Paralympics Mit Mut gegen Depressionen

0 Kommentare

Etliche paralympische Sportler hatten einst Gedanken an einen Suizid. Die so genannte Mut-Tour will anregen zum Reden.

Ganz ehrlich: Als ich anno 2003 gefragt wurde, ob ich als Schulmedienprojektleiterin beim Tagesspiegel eine Jungjournalistenzeitung anlässlich der Paralympischen Spiele in Athen aufbauen möchte, hielt ich erst einmal inne. Von diesen Spielen der Menschen mit teils schweren Körperbehinderungen live zu berichten, wie kann man so etwas denn seelisch verkraften?

Nach dem ersten Reportereinsatz 2004 in Griechenland waren letzte Zweifel verflogen: Statt seelische Tiefs selbst als Zuschauer durchzustehen, ist man während der Paralympischen Spiele im sportlichen Dauerrausch, es gibt Adrenalin ohne Ende und positive Vibrationen vom Startschuss bis zum Löschen der Paralympischen Flamme.

Dennoch wird überall in der Mixed-Zone in den Stadien oder auch während der Empfänge am Abend im privaten Gespräch ehrlich über den langen Weg vom Schicksalsschlag bis zum Siegeszug dank des Leistungssports geredet. Etliche Sportler hatten einst Gedanken an einen Suizid.

Beitrag zur Entstigmatisierung der Depression als Erkrankung

Wie sehr Sport aus Depressionen heraushelfen kann, das weiß auch der Förderer der Paralympics Zeitung des Tagesspiegel, die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung. Die DGUV unterstützt schon seit Jahren frühere Paralympicssieger wie Kirsten Bruhn oder Heinrich Popow dabei, Unfallopfern wieder Mut zu machen.

Seit 2012 gibt es zudem auch eine sogenannte Mut-Tour, die in diesem Jahr bis zum 25. August durch Deutschland zieht, mitsamt Zwischenstopp in der Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) in Frechen. Das Aktionsprogramm will einen Beitrag zur Entstigmatisierung der Depression als Erkrankung leisten. Dafür haben bis zum vergangenen Jahr insgesamt 126 depressionserfahrene und auch unerfahrene Menschen über 22 000 Kilometer Mutmachertour zurückgelegt. Der DBS unterstützt die Mut-Tour als Bundespartner – wie auch die Stiftung Deutsche Depressionshilfe, das Bündnis gegen Depression und der Fahrrad-Club ADFC.

Die Mut-Tour wird von der Deutschen Depressions-Liga organisiert, die Barmer und die Deutsche Rentenversicherung Bund sind Kostenträger. Damit steht ein großes, kompetentes Team auf dem Platz mit dem Ziel, Menschenleben zu retten. Zu viele Tode, auch von körperlich nicht behinderten, aber psychisch Qualen erleidenden Spitzensportlern wie Robert Enke waren schon zu beklagen. Haben wir alle den Mut zum Tabubruch, zum Reden, zum Helfen – zum Leben!

Folgen Sie der Sportredaktion auf Twitter:

Zur Startseite