Die deutsche Handbikerin Christiane Reppe bei den Paralympics in Rio. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpap

Meine Paralympics Christiane Reppe ist durch nichts aufzuhalten

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Die Handbikerin Christiane Reppe war Favoritin bei den Paracycling-Weltmeisterschaften. Dann vergaß der Verband, sie für den Wettbewerb anzumelden. Doch das hielt sie nicht auf.

Paralympioniken sind einiges gewohnt. Wer keine Beine mehr hat, der läuft schon mal auf Händen beispielsweise durch den Flugzeuggang zum Sitzplatz. Wenn der Fahrstuhl mal nicht funktioniert, rutscht man eben auf dem Treppengeländer nach unten. Und wenn der eigene Verband vergisst, einen für eine Weltmeisterschaft zu melden? Nun, selbst dann kann es irgendwie doch möglich werden, mit zwei Goldmedaillen genau diese WM zu verlassen.

Als Christiane Reppe mitbekam, dass der Deutsche Behindertensportverband (DBS) vergessen hatte, sie für die Paracycling-Weltmeisterschaften in Pietermaritzburg in Südafrika final anzumelden, drehte sie schon am Rad. Die 30 Jahre alte Handbikerin hatte intensiv trainiert, beste Chancen auf Medaillen – und dann das. Auch beim DBS saß der Schrecken tief, war die Vorzeigeathletin doch in der ersten Runde angemeldet worden. Aber dann hatte jemand einfach vergessen, einen Namen in die Maske auf dem Bildschirm zu tippen. Ein typischer Fehler, wie er jedem passieren kann. Wie er aber nun Christiane Reppe traf.

Und die gebürtige Dresdnerin wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht auch noch auf die darauffolgende Panne mit Humor reagiert hätte. So postete sie auf Facebook sich selbst mit den ihr trotzdem zugeschickten Bögen für die Dopingkontrolle: „Irgendwie bin auch ich manchmal sprachlos. Da lässt die UCI mich nicht starten bei der Paracycling-Weltmeisterschaft und schickt mir dann aber trotzdem die Dopingkontrolle vorbei!“ Die überkorrekte UCI ist der Radsport-Weltverband.

Es gab dann natürlich Medienberichte, der Bund Deutscher Radfahrer und auch der DBS versuchten erneut, das Rad in Bewegung zu setzen. Aber nichts half. Reppe, der im Alter von fünf Jahren das rechte Bein wegen eines bösartigen Tumors amputiert werden musste, machte aber wie gewohnt noch aus allem das Beste. Sie entschied sich, trotzdem nach Südafrika mitzufliegen, das Team zu stärken und von den Wettkämpfen aus die Social-Media-Kanäle zu bespielen. Und als sie gerade mit dem Auto auf dem Weg von Johannesburg nach Pietermaritzburg war, kam der Anruf vom DBS: Du darfst doch starten!

Ihr Vater brachte das Handbike nach Südafrika

Allerdings hatte Reppe ihr Handbike nicht dabei. Doch auch dafür hatte sie die passende Lösung. Dem Vater in Deutschland beschrieb sie am Telefon, wie er daheim das Handbike auseinanderschrauben solle. Hans-Jürgen Reppe bekam den Anruf am Montagnachmittag, am frühen Abend saß er samt Sportzubehör im Flieger Richtung Südafrika. Am Donnerstag hatte Christiane Reppe ihr erstes Rennen. Auf dem bergigen Kurs distanzierte die Paralympics-Siegerin ihre Konkurrentinnen in der Startklasse H4 um über eine Minute. Die Athletin vom GC Nendorf gewann ihren dritten WM-Titel, es war der erste im Zeitfahren. Und sie holte sogar noch eine Goldmedaille, im Straßenrennen. Auf dem Siegerpodest kullerten ihr Freudentränen während der Nationalhymne die Wangen hinab. „Ich bin megaglücklich. Jetzt fällt gerade alles von mir ab“, sagte Reppe.

Davon war das gesamte deutsche Team beflügelt. Die deutsche Nationalmannschaft von Bundestrainer Patrick Kromer jubelte bei der Para-Radsport-WM insgesamt über zehnmal Gold, viermal Silber und sechsmal Bronze. So sprinteten Kerstin Brachtendorf, Pierre Senska und völlig überraschend Tobias Vetter im Straßenrennen zu Gold. Denise Schindler und Steffen Warias gewannen Silber und Michael Teuber holte ebenso Bronze wie das Team.

Zum Abschluss räumte das Trio Bernd Jeffré, Mariusz Frankowski und Andrea Eskau noch Bronze im Team Relay und damit die 20. Medaille für Deutschland ab. Die größten Überraschungen aus deutscher Sicht schafften zwei WM-Debütanten: neben Goldmedaillengewinner Vetter ließ die 24 Jahre alte Raphaela Eggert mit Silber im Zeitfahren aufhorchen.

Außerdem gibt es im deutschen Team nun sogar drei Doppel-Weltmeister: Hans-Peter Durst, Andrea Eskau – und die unaufhaltsame Christiane Reppe.

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