Viel Funk. Vater Lorenz mit seinen Söhnen Lorenz Junior (li.) und Florian. Später spielte auch noch sein Neffe Andreas Brockmann für die Eisbären. Foto: Camera4/Imago
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Im Gedenken an Lorenz Funk Der Mann, der die Eisbären machte

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Ohne den verstorbenen Lorenz Funk gäbe es die Eisbären so nicht. Wie viel ist bei Berlins groß gewordenem Eishockeyklub von seiner Arbeit übrig? Eine Spurensuche.

Ein einziges Mal war Lorenz Funk in der Arena am Ostbahnhof zu Gast. Vor ein paar Jahren, lange nach seiner Zeit beim EHC Eisbären. Der Manager im Ruhestand schaute sich mit 14 000 anderen Menschen ein Spiel der Berliner in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) an und war begeistert: „Das ist ja ein Mordsspektakel hier.“ Einlauffilm, Feuerwerk, Lichtshow, Musik – es war nach Funks Geschmack. Auch wenn das Ambiente in der modernen Arena nur wenig mit dem zu tun hatte, was er in seiner Zeit bei den Eisbären im engen Wellblechpalast in Hohenschönhausen erlebt und mitgestaltet hatte.

Viel mehr Ostberlin als das Sportforum Hohenschönhausen ging in der Zeit nach der politischen Wende kaum. Dort klebte an den Wänden noch der olle DDR-Mief. In den Anfangszeiten von Dynamo Berlin in der Eishockey-Bundesliga traute sich kaum ein Sportfunktionär aus dem Westen in den Osten. Dass sich ausgerechnet Westberlins Eishockeyidol Lorenz Funk aufmachte, um dem grauen Klub beim Start in die neue grelle Welt zu helfen, galt als kleine Sensation in der Berliner Sportszene. Aber es wurde zur Gewohnheit: Von 1991 bis zum Jahr 2000 war Funk in Hohenschönhausen zu Hause. In dieser Zeit erwuchsen aus dem kleinen Ostklub Dynamo die großen Eisbären.

"Dynamo" war bei der Sponsorensuche eine Hypothek

Funk ist in der vergangenen Woche gestorben. Er hat so einige Spuren hinterlassen im Berliner Eishockey. Beim BSC Preussen war er als Trainer ein paar Jahre vor seinem Wechsel gefeuert worden. Dann kam der Oberbayer nach Hohenschönhausen. „Viele haben mich ausgelacht“, erzählte Funk später. Er erlebte „verdatterte Ostler“, die seinen Dialekt nicht verstanden. Er sprach von der Arbeit „an der Front von Hohenschönhausen“ – und von Arroganz, die im Westen der Republik seiner Mannschaft entgegenschlug. Aber das legte sich: 1992 wurde aus dem EHC Dynamo der EHC Eisbären. An sich war Funk – anders als der damalige Präsident Helmut Berg – nicht für eine Namensänderung. Aber der geerbte Name war bei der Sponsorensuche eine Hypothek. Die DDR, sagte Funk, war damals zwar nicht aus allen Köpfen zu bekommen, aber sie sollte nicht überall zu lesen sein.

Dank Funk wurde aus der Lachnummer der Bundesliga eine erfolgreiche Mannschaft in der 1994 gegründeten DEL. Der Eisbären-Manager nutzte die Chancen des Bosman-Urteils und verpflichtete Spieler aus der ganzen Eishockey-Welt. 1998 wurden die Berliner Zweiter. Dieses Jahr war das bis dahin prägendste für die Eisbären, die eine neue, eine Siegermentalität bekamen. Funk war zwar schon lange nicht mehr im Amt, als die Eisbären später ihre sieben Meistertitel gewannen, aber er hatte das Produkt attraktiv gemacht. In der ersten sportlichen Hochzeit lieferten die DDR- Rocker Puhdys dem Klub eine Vereinshymne. Inzwischen ist „Hey, wir wollen die Eisbären sehen“ ein Partyhit. Bis heute spielen die Eisbären ihr akustisches Markenzeichen vor jedem Heimspiel in ihrer Arena. Auf der Berlinale lief 1999 „Heimspiel“, der rührende Dokumentarfilm über den Klub von Oscar-Preisträger Pepe Danquart. Die Eisbären wurden unter Funk Kult, wurden außerhalb Hohenschönhausens bekannt – unter anderem durch ihre damals starken Auftritte im Europapokal.

Nicht alles, was funktionierte, hatte Funk zu verantworten

Funk hatte eine Marke mitkreiert, ein Image geschaffen. Ohne das hätte die Anschutz-Gruppe die Eisbären kaum gekauft. Was auch überlebensnotwendig war, denn, so sagte Funk: „Wir hatten zwar Erfolg, sind aber den Schulden hinterhergelaufen, die wir gemacht haben, als wir noch die großen Verlierer waren.“

Nicht alles, was funktionierte, hatte Funk zu verantworten. Vom Puhdys-Song war er zunächst nicht begeistert. Keiner brauche so eine Musik, die Einlaufshow zöge sich damit nur in die Länge, sagte er damals dem Geschäftsführer Martin Müller. „Eishockeyspieler sind wie Rennpferde, die wollen sofort aufs Eis und spielen.“ Funk änderte seine Meinung in dieser Hinsicht – seine sportliche Sicht aber blieb. Als er 1996 gefragt wurde, ob angesichts der vielen Söldner unter den Spielern nicht der Identifikationsfaktor bei den Fans verschwinden könnte, sagte Funk: „Erfolg bringt Identifikation.“

Unter Funk waren die Eisbären nicht nur erfolgreich, sondern auch gemütlich. „Eisbären Berlin, Funk, grüß Gott“, so meldete sich der Bayer am Telefon. Bayern spielte zu Funks Zeit immer mit bei den Eisbären. Ob es eine Weißbiermarke als Sponsor war, Leberkäse im Vip-Raum oder ein Trainingslager in Bad Tölz. Bei Funk ging es hemdsärmelig zu, das gesprochene Wort zählte viel. Der ehemalige Nationalspieler legte Wert auf eine familiäre Atmosphäre, die haben sich die Eisbären in der in der neuen Zeit unter ihrem Eigner aus den USA ein wenig bewahrt, Personen aus der Ära Funks wirken immer noch: Geschäftsführer Peter John Lee war unter Funk Spieler und Trainer, Sven Felski, heute Präsident des Stammvereins, gab sein Debüt als Profi in Funks Ära.

Funk hat auch nach seiner Berliner Zeit viel für das Eishockey getan

Spuren im deutschen Eishockey hat Funk auch nach seiner Zeit in Berlin hinterlassen, die mit einem zweiten kurzen Intermezzo bei Preussen vor einem guten Jahrzehnt endete. Zurück in der Heimat, beim EC Bad Tölz, bildete er als Co-Trainer von Sohn Florian in der Oberliga viele Spieler mit aus, die es in die DEL geschafft haben. Besonders in Nürnberg. Erst kürzlich war der Yasin bei mir", erzählte Funk noch wenige Wochen vor seinem Tode und meinte Yasin Ehliz.

Lorenz "Lenz" Funk ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Foto: Angelika Warmuth/dpa
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Bis zum viel zu frühen Ende seines Lebens am vergangenen Freitag, als Funk im Alter von 70 Jahren starb, schlug sein Herz aber immer für die Eisbären.

Zum letzten Mal sah Lorenz Funk die Eisbären Ende März in München. Nach dem Spiel wusste er natürlich, warum die Berliner verloren hatten. Er glaubte, dass München zu stark sei. Aber egal was passiere, sagte Funk: „Die Eisbären werden schon wieder nach oben kommen.“

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