Valentin Stocker kam beim Testturnier in Bielefeld 60 Minuten zum Einsatz. Foto: Imago
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Hertha BSC Für Valentin Stocker geht es um alles oder nichts

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Valentin Stocker war einst Herthas prominentester Zugang – mittlerweile spielt er um seine Zukunft.

Wegen der Weltmeisterschaft ist der Zeitraum zwischen Hin- und Rückrunde in der Bundesliga-Saison 2017/18 so kurz, dass es einfach keine Sendepause gibt. Selbst in der vermeintlich fußballfreien Zeit läuft jeden Sonntag ein traditioneller Fußball-Talk im Fernsehen, der seine journalistisch besten Zeiten zwar längst hinter sich hat, aber trotzdem eine Institution für den gemeinen Fan von Hamburg bis München geblieben ist. Und wie es der Zufall so will, sind haben sich dort kürzlich zwei Manager gegenübergesessen, die einiges miteinander zu besprechen hatten, wenn auch im inoffiziellen Teil nach der Live-Übertragung: Marco Streller, der Sportdirektor beim FC Basel, und Michael Preetz, Manager beim Bundesligisten Hertha BSC, sollen sich einem Bericht des Fachmagazins „Kicker“ zufolge hinter den Kulissen vor allem über eine Personalie ausgetauscht haben: über Valentin Stocker, früher in Diensten der Baseler und seit Sommer 2014 Angestellter bei Hertha BSC.

Der Schweizer Nationalspieler und sein möglicher Abgang aus Berlin sind seit Wochen, ja, seit Monaten Gegenstand diverser Nachfragen und Gerüchte. Stocker kann sich eine Rückkehr in die Heimat dem Vernehmen nach vorstellen, auch Hertha wäre wohl nicht abgeneigt, wenn sich bis zum Ende der Transferfrist am 31. Januar ein Abnehmer für den 28-Jährigen finden ließe, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Cheftrainer Pal Dardai andere und vor allem schnellere Spielertypen bevorzugt.

Deshalb hat Valentin Stocker am Samstag beim Wintercup in Bielefeld, dem einzigen Testlauf der Berliner vor dem Rückrundenstart, gewissermaßen auch um seine Zukunft gespielt. Stocker, der zuletzt zwei Monate wegen einer Meniskusverletzung fehlte, durfte 60 Minuten lang mitwirken – so lange wie nie zuvor in der Saison 2017/18. Allzu viel sollte man in diesen Umstand allerdings nicht hineininterpretieren, weil er auf einer Position zum Einsatz kam, die ihm nicht unbedingt liegt: im defensiven zentralen Mittelfeld. Für gewöhnlich liegen Stockers Stärken eher im Spiel nach vorn.

Mehr Qualität

„Vali hat im Training einen ordentlichen Eindruck gemacht, er war fleißig und hatte eine paar sehr gute offensive Aktionen“, hat Dardai in dieser Trainingswoche beobachtet. „Ich versuche, mich weiter aufzudrängen“, sagt Stocker, „etwas anderes bleibt mir ja nicht.“ Vor allem mit Blick auf die WM im Sommer wäre es für den 28-Jährigen von unschätzbarem Vorteil, in seinem Verein regelmäßig zum Einsatz zu kommen.

Stockers Situation ist auch Ausdruck der gestiegenen Qualität, die sich mittlerweile im Berliner Kader findet. Als der Schweizer nach der Fußball-WM 2014 zu Hertha kam, brauchte es nur zwei gesunde Augen, um ihn als technisch besten Mann im Aufgebot zu identifizieren. Mittlerweile haben Manager Michael Preetz und Coach Dardai den Kader jedoch um so viele technisch beschlagene Fußballer ergänzt, dass Stocker nicht mehr unbedingt auffällt, selbst wenn er sich so reinkniet wie in dieser Trainingswoche.

Womöglich hält sich Preetz im Moment auch deshalb bedeckt, wenn es um Stocker Zukunft geht. „Falls für Valentin eine Anfrage reinkommt, werden wir uns mit dem Thema auseinandersetzen“, sagt der Manager, „und falls nicht, werden wir bis zum Sommer seine Qualitäten nutzen.“ Im Moment ist Variante zwei deutlich wahrscheinlicher – falls Marco Streller nicht doch noch in Berlin anruft. Die entsprechende Nummer sollte er spätestens seit seinem letzten Besuch im allwöchentlichen Fußball-Talk haben.

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