Mit links und aus der Hüfte. Die Berlinerin Jennifer Rode will mit dem deutschen Team mindestens das Halbfinale bei der Heim-WM erreichen. Foto: Monika Skolimowska/dpa Foto: dpa
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Handball-WM der Frauen Trainer Michael Biegler: In seinem eigenen Reich

David Joram
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Vor dem Beginn der Handball-WM irritiert Frauen-Bundestrainer Michael Biegler mit seinen Aussagen.

Handballerinnen sind manchmal martialische Wesen. Während Auszeiten ist das beispielsweise so. Dann stehen sie, die Arme eng um die Schultern der Nachbarin gelegt, in einem Kreis zusammen und brüllen am Ende der Auszeit einen Schlachtruf, der so manch heimisches TV-Gerät erzittern lässt.

Der Schlachtruf der deutschen Werferinnen geht so: „Biegler-Ladies!“ Warum? Weil der Trainer Biegler heißt, Vorname Michael. Er scheint, nach allem, was man so mitbekommen hat, ein recht beliebter, weil geradliniger Typ zu sein. Und er steht derzeit im Fokus wie lange nicht mehr.

Am Freitag beginnt die Weltmeisterschaft im eigenen Land, dem Biegler-Ladies-Land. Das Auftaktspiel findet in Leipzig statt, die Deutschen treffen dort auf Kamerun. Sie setzen, unterstützt von den handballaffinen Leipziger Fans und Maskottchen Hanniball, auf einen Sieg. Was vor so einem tollen Event des Deutschen Handballbunds gar nicht benötigt wird, sind Misstöne. Interessanterweise hat dafür nun ausgerechnet der Bundestrainer gesorgt. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) sagte Biegler Sätze wie diesen: „Wir haben nicht alle abholen können für die Bereitschaft, die 20 Monate als Weg zu sehen.“ Und weiter monierte Biegler, dass man für bestimmte Dinge sehr kämpfen müsse, um diese auf den Weg zu bringen.

Allzu häufig finden Weltmeisterschaften der Handballerinnen nicht in Deutschland statt, letztmals war das 1997 der Fall, davor 1965. An den Austragungsorten in Leipzig, Trier, Bietigheim-Bisingen, Oldenburg, Magdeburg und Hamburg freuen sich die Fans schon auf die 24 teilnehmen Teams. Beim DHB erhoffen sie sich neben Aufmerksamkeit für die sonst kaum wahrnehmbaren Spielerinnen auch einen Schub für die Basis.

Biegler hatte angeboten, seine Arbeit fortzuführen

„Wir wollen eine tolle Atmosphäre schaffen“, sagt Axel Kromer, der Sportdirektor. Bieglers Aussagen können Kromer in diesem Zusammenhang nicht wirklich gefallen. Das gibt er dann auch gerne zu. „Es ist mir natürlich nicht recht, wenn ein Tag vor der WM über die Zukunft des Frauenhandballs nach der WM gesprochen wird“, sagt Kromer. Zumal Biegler in der SZ ja auch zur personellen Planung des DHB auf der Cheftrainer-Position, also seiner, Stellung bezog. Biegler, der nach der WM durch den Niederländer Henk Groener ersetzt wird, hatte dem DHB angeboten, seine Arbeit im Verband fortzuführen. Zwar übernimmt Biegler am 1. Januar den Cheftrainer-Posten beim Männer-Bundesligisten in Leipzig; parallel dazu hätte er aber gerne die Frauen weitergecoacht. Ende März finden zwei EM-Qualifikationsspiele für die Euro 2018 in Frankreich statt. Der Gegner heißt Spanien, ein harter Brocken.

Biegler glaubt, es wäre zielführend gewesen, wenn er selbst das Team darauf vorbereitet hätte. Weil die Biegler-Ladies Biegler ja kennen. Beim DHB war man anderer Meinung. Kromer erklärt: „Wir hatten einen großen Willen mit Michael Biegler weiterzuarbeiten.“ Nur sei eben klar gewesen, dass Bieglers Engagement noch maximal ein halbes Jahr angedauert hätte.

Der DHB wollte deshalb frühzeitig einen neuen Trainer installieren, der dann eine längere Vorbereitungszeit auf die EM in Frankreich hat. Dies alles sei „in engem Dialog“ mit Biegler besprochen worden, so Kromer. Und was meinte Biegler mit der „Bereitschaft“, die nicht alle verinnerlichen würden? „Das war wohl ein Wink mit dem Zaunpfahl an Einzelpersonen, die im Frauenhandball tätig sind. Das hat nichts mit dem Verband zu tun“, glaubt Kromer, der versichert, dass das Engagement des DHB in den letzten Monaten mit Biegler absolut gestimmt habe.

Spätestens nach den Spielen gegen Kamerun, Südkorea, China, Serbien und zum gegen den WM-Zweiten Niederlande wird man diesbezüglich mehr wissen. Topfavoriten sind Titelverteidiger Norwegen, Niederlande, Olympiasieger Russland und der Olympia-Zweite Frankreich. Dänemark, Brasilien und Südkorea werden zum erweiterten Favoritenkreis gezählt. Und die Biegler-Ladies? Sie wollen das Halbfinale erreichen und ihrem Schlachtruf gerecht werden.

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