Schon weg. Christian Skoda (rechts) ist einer von drei Spielern, die Viktoria Berlin im Winter verlassen haben. Foto: Soeren Stache/dpa
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Fußball-Regionalliga: Viktoria 89 Berlin „Unsere Neuausrichtung ist ein Aufruf an die Stadt“

Sebastian Schlichting
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Fehlende Unterstützung und ein harter Kampf um Sponsoren. Der Geschäftsführer von Regionalligist Viktoria Berlin will den Klub trotzdem nach oben führen.

Herr Sommer, der FC Viktoria 89 ist Sechster in der Fußball-Regionalliga Nordost. Der Verein hat nun mitgeteilt, eine Neuausrichtung vorzunehmen. Was bedeutet das?

Wir planen mit Berliner Talenten vorrangig aus unserem Nachwuchs, die bisher nicht so zum Zuge gekommen sind. Sie sollen die Chance haben, sich zu entwickeln und in der Regionalliga zu etablieren. Wir glauben daran, dass sie es packen.

Zuvor hatten drei wichtige Spieler den Verein verlassen, darunter Karim Benyamina zu Tennis Borussia. Folgen weitere?

Eventuell gehen noch ein oder zwei Spieler, es wird aber auch Neuzugänge geben.

Aber der Trainer bleibt?

Thomas Herbst steht nicht zur Disposition. Natürlich hatte er auch andere Ziele, als er im Sommer kam. So wie wir.

Die Winterpause ist ein sehr ungewöhnlicher Zeitpunkt für eine solche Neuausrichtung. Was ist der Hintergrund?

Wir sind ein paar Fußballverrückte im Vorstand, die vor einigen Jahren gesagt haben: Wir bringen diesen Traditionsverein nach oben, wir machen viel und wenn wir Erfolg haben, kommt der Rest von ganz allein.

Der Erfolg kam, Viktoria stieg in die Regionalliga auf und spielte dort vorne mit.

Leider erfüllten sich unsere weiteren Hoffnungen bislang nicht. Vielleicht waren wir auch zu naiv. Wir haben hier auf der Geschäftsstelle für professionelle Bedingungen gesorgt, die mit denen von Drittligavereinen mithalten können. Das Umfeld ist jedoch nicht mitgewachsen. Wir haben festgestellt: Es kommt keiner mit, uns fehlen Mitstreiter. Aber ohne Öffentlichkeit kommen keine neuen Zuschauer, sind wir nicht attraktiv genug für leistungskräftige Sponsoren. Unsere Neuausrichtung ist auch ein Aufruf an die Stadt. Es geht ja nicht nur uns so, vielen Vereinen in Berlin fehlt die Unterstützung.

Felix Sommer, 45, ist Geschäftsführer beim Regionalligisten FC Viktoria 89. Der Rechtsanwalt gehört dem Klub-Vorstand seit 2010 an. Viktoria war 1908 und 1911 Deutscher Meister. Foto: Viktoria Berlin
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Wie wirkt sich diese fehlende Unterstützung bei Viktoria aus?

Wirtschaft, Medien, die Stadt, da ist kaum Interesse an einem guten Regionalligisten vorhanden. Auf Dauer ist es ermüdend, immer wieder Gespräche mit den Ämtern und möglichen Sponsoren zu führen –und am Ende ergibt sich keine Zusammenarbeit. Und – gestatten Sie mir den Hinweis – auch im Tagesspiegel gibt es keine Spielberichte zur Regionalliga.

Präsident Christoph Schulte-Kaubrügger soll angekündigt haben, sein finanzielles Engagement deutlich zurückzufahren.

Christoph Schulte-Kaubrügger hat gemerkt, dass die Entwicklung nicht so verlaufen ist wie von uns erhofft. Bei uns verdienen die Spieler gutes Geld. Doch der Aufwand wie bei einem Drittligisten lohnt sich angesichts der beschriebenen Rahmenbedingungen nicht mehr.

Benyamina hat in der "Fußball-Woche" kritisiert, dass der Präsident nicht mehr zu erreichen gewesen sei. Bleibt er im Amt?

Er hat den Spielern gesagt, dass er nicht mehr Ansprechpartner für die erste Mannschaft sei. Aber er ist gewählt – und Neuwahlen gibt es erst im Dezember.

Wie geht es weiter bei Viktoria?

Wir wollen auch in der nächsten Saison in der Regionalliga spielen. Mit attraktivem Fußball und jungen Spielern. Schließlich haben wir die größte Nachwuchsabteilung in Deutschland. Wir müssen diesen Spielern eine sportliche Perspektive geben. Nehmen Sie zum Beispiel Will Siakam. Er hatte es vor zwei Jahren bei uns nicht in die erste Mannschaft geschafft und ist gewechselt. In dieser Saison hat er für Union Fürstenwalde in der Hinrunde neun Tore gemacht.

Was ist mit dem neuen Konzept möglich?

Wir wollen die Liga halten. Danach geht es dann vielleicht erst einmal um Platz 13. Aber wir wollen sowohl sportlich als auch finanziell die Voraussetzungen schaffen. Dafür brauchen wir gut eine halbe Million Euro.

Etwa die Hälfte des bisherigen Etats. Ist das zu packen?

Wir bemühen uns, unsere bisherigen Sponsoren zum Weitermachen zu bewegen und neue hinzuzugewinnen. Der Traum, den Verein wieder nach oben zu bringen, lebt dabei weiter. Großväter erzählen uns heute noch, wie sie in den 50er Jahren bei der Endrunde um die deutsche Meisterschaft im Olympiastadion waren. Das bestärkt uns darin.

Und wie bewerten Sie das Tagesgeschäft?

Die Mannschaft blieb in der Hinrunde unter ihren Möglichkeiten. Aber derzeit brauchen wir ohnehin nicht über die Dritte Liga sprechen. Wir haben nicht einmal einen vernünftigen Trainingsplatz.

Wie haben wir uns das vorzustellen?

Wir haben auf unsere Kosten Plätze herrichten lassen und konnten dann nicht drauf trainieren, weil sie anderen Vereinen zugewiesen wurden. Bei unseren Gegnern steht oft eine ganze Stadt hinter dem Verein, da ist ein Regionalligaspiel der absolute Höhepunkt.

Berlin ist eben nicht Brandenburg.

Da gebe ich Ihnen recht. Aber das Argument, dass es nur an der Größe und dem Freizeitangebot in Berlin liegt, lasse ich nicht gelten. Das Desinteresse von vielen Seiten hat uns schon überrascht.

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