Auf nach vorn. Torschütze Vedad Ibisevic (rechts) jubelt nach seinen Treffern gegen Köln. Foto: dpa
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Fußball-Bundesliga Ibisevic schießt Hertha BSC in Köln zum Auswärtssieg

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Seit Mai mussten die Fans auf diesen Tag warten, am Sonntag war es endlich so weit: Mit dem 2:0 beim 1. FC Köln feiert Hertha BSC mal wieder einen Auswärtserfolg.

Aus dem nördlichen Kabinentrakt im Kölner Stadion kamen undefinierbare Geräusche. Irgendwas zwischen Grunzen und Grölen, als müsste eine Wildsau ihre Frischlinge gegen übermächtige Feinde verteidigen. So also hört es sich an, wenn man nach einer gefühlten Ewigkeit wieder einen Auswärtssieg in der Bundesliga feiern kann. Ein halbes Jahr hatten die Fußballer von Hertha BSC auf ein solches Erlebnis warten müssen. Sechs Monate nach dem 2:0 bei Darmstadt 98 gewannen die Berliner am Sonntagabend 2:0 (1:0) beim 1. FC Köln. Und so wie die Darmstädter werden wohl auch die Kölner, die nach 13 Spieltagen gerade mal zwei Punkte erwirtschaftet haben, am Ende der Saison absteigen. Hertha hingegen darf den Blick nun wieder nach oben richten. „Es war ein bisschen wegweisend“, sagte Linksverteidiger Marvin Plattenhardt.

Hertha ist die einzige Mannschaft, gegen die der FC in diesem Jahr zwei Mal gewonnen hat, zuletzt Monat im Pokal. Aber seitdem hat sich die Situation noch einmal verschärft. Am Sonntag fehlten den Kölnern zwölf Feldspieler, acht davon sind so schwer verletzt, dass sie in diesem Jahr nicht mehr zum Einsatz kommen werden. So schaffte es Yann-Aurel Bisseck in die Startelf des FC. Mit 16 Jahren, elf Monaten und 28 Tagen ist er jetzt der jüngste Bundesligaspieler des FC – vor Mitchell Weiser, der am Sonntag bei den Gästen auflief.

„Die Gefahr war da, dass meine Spieler den Gegner unterschätzen“, sagte Herthas Trainer Pal Dardai. Seine Sorge erwies sich als unbegründet. Erstmals seit dem ersten Spieltag blieb Hertha wieder ohne Gegentor. Die Kölner hatten in einem Spiel von überschaubarer Qualität und beschränktem Unterhaltungswert zwar die ersten Offensivaktionen durch Sehrou Guirassy und Konstantin Rausch, insgesamt aber wirkten die Gäste gefestigter, ohne zu Beginn mit aller Macht nach vorne zu spielen.

Für Ibisevic waren es bereits die Tore neun und zehn gegen den FC

„Die reifere Mannschaft hat dieses Spiel verdient gewonnen“, sagte Kölns Trainer Peter Stöger. Trotzdem benötigte Hertha zur Führung eine Standardsituation. Nach einer Ecke gewann Davie Selke das Kopfballduell, und Vedad Ibisevic vollendete nach einer Viertelstunde zum 1:0, nachdem Torhüter Timo Horn den Ball nicht hatte festhalten können. Nach seiner langen Flaute hat der Bosnier nun in drei Spielen hintereinander getroffen. „Ich kann das“, sagte er.

Der Rückstand verunsicherte den Tabellenletzten vollends. Eine gute Gelegenheit hatte der FC noch. Nach einem Doppelpass mit Claudio Pizarro setzte Guirassy den Ball am Berliner Tor vorbei. In der Folge aber häuften sich die Ungenauigkeiten im Spiel der Kölner, das Publikum murrte immer häufiger. Gefährliche Offensivaktionen hatten bis zur Pause nur noch die Gäste. Die beste vergab Ibisevic, als er nach einer Flanke des starken Per Skjelbred mit einer Direktabnahme aus zwölf Metern an Horn scheiterte.

Immerhin kam der FC nach der Pause mit neuem Schwung aus der Kabine. Fünf Minuten nach Wiederanpfiff wurde es brenzlig – nicht nur für Hertha, sondern auch für Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus. Guirassy kam im Berliner Strafraum zum Schuss, der Ball wurde von Karim Rekik geblockt. Bei der nächsten Spielunterbrechung konsultierte Steinhaus den Videoassistenten, ob ein strafbares Handspiel des holländischen Innenverteidigers vorgelegen hatte. Nach einer kleinen Ewigkeit und einem Blick auf den Monitor am Spielfeldrand entschied die Schiedsrichterin auf Weiterspielen. „Ich glaube, es war okay“, gab Stöger zu. Es hätte ihn aber auch gewundert, wenn sein Team mal vom Videobeweis profitiert hätte.

Hertha beschränkte sich nun auf eine gute Organisation und wartete auf Konter. Mit Erfolg. Davie Selke wurde von Matthias Lehmann im Strafraum von den Beinen geholt, den Elfmeter verwandelte Ibisevic nach 64 Minuten zum 2:0. Für den Bosnier war es bereits das zehnte Tor gegen den FC; gegen keinen anderen Bundesligisten hat er so oft getroffen. Und es war die frühe Entscheidung in einem einseitigen Spiel. Zehn Minuten vor dem Ende erhob sich in der Südkurve des Stadions noch mal ein mächtiger Chor: „Erster Fußballclub Köln“, sangen die Ultras des FC. Im Rest des Stadions hatte da längst die große Abwanderungswelle begonnen.

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