Mission impossible? Trainer Stefan Ruthenbeck soll den 1. FC Köln wieder nach oben führen und vor allem den Offensivdrang und die Fitness des Teams verbessern. Foto: Roland Weihrauch/dpa
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Fußball-Bundesliga Der 1. FC Köln glaubt an das Wunder Klassenerhalt

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Für den abgeschlagenen Tabellenletzten gibt es eigentlich kaum noch Hoffnung. Trotzdem macht sich Köln vor dem Rückrundenstart gegen Borussia Mönchengladbach Mut.

Als Lukas Podolski am vergangenen Wochenende wieder einmal in Köln weilte, diesmal, um seinen eigenen Döner-Laden in der Südstadt zu eröffnen, redete er nicht nur über Grillfleisch am Drehspieß. Sondern auch über seinen Herzensclub, den 1. FC Köln. Der Fußball-Weltmeister und Köln-Fanatiker, der in Japan spielt, sprach der verunsicherten FC-Fan-Gemeinde Mut zu. Noch sei nichts verloren, verkündete Podolski. „Die Leute hier sprechen viel zu früh von der Zweiten Liga. Ich appelliere an die Fans und die Stadt, dass sie die Mannschaft unterstützen, solange es möglich ist.“

Vor dem Rückrundenstart gegen Borussia Mönchengladbach am Sonntag (15.30 Uhr) sandte der Vorstand des Tabellenletzten der Bundesliga eine ähnliche Botschaft ans Volk. „Wir werden alles versuchen, um dieses Wunder zu schaffen. Vor uns liegen 17 Endspiele“, ließ Vize-Präsident Toni Schumacher wissen. Passend dazu erläuterte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki die Wunder-Thematik in der „Bild“-Zeitung aus katholischer Sicht: „Man darf für alles beten. Der liebe Gott hat ein Ohr für die Hoffnungen der Menschen. Da ist auch ein Stoßgebet für den FC okay.“

Der gebeutelte Verein kann jede Unterstützung brauchen. In Zahlen stellt sich die Lage des FC so dar: Sechs Punkte hat der Klub aus den ersten 17 Bundesliga-Spielen geholt, bei minus 22 liegt die Tordifferenz. Der Abstand des FC zu Werder Bremen, das auf dem Relegationsplatz 16 rangiert, beträgt neun Punkte, vom FSV Mainz 05 und Rettungsrang 15 trennen die Kölner elf Punkte. Der neue Trainer Stefan Ruthenbeck tritt trotz der düsteren Situation selbstbewusst und forsch auf. „Ich kann zwar kein Ergebnis garantieren. Aber Vollgas, dafür stehen wir“, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Und tatsächlich hat die Mannschaft, die er Anfang Dezember vom Österreicher Peter Stöger übernahm, zuletzt kleine Fortschritte gemacht.

Deshalb kann sich die FC-Anhängerschaft – jenseits des Wunderglaubens – auch an ein paar reale Strohhalme klammern; zum Beispiel: Unter der Regie Ruthenbecks spielen die Kölner Profis bissiger, aggressiver und taktisch variabler als zuvor. So feierte der FC am letzten Hinrunden-Spieltag den ersten Erfolg in der Bundesliga, ein 1:0 gegen Wolfsburg. In der Winterpause gewannen die Kölner zudem ein Blitzturnier in Bielefeld, auch das machte Mut.

Simon Terodde soll für mehr Torgefahr sorgen

Ruthenbeck, früherer U-19-Coach des Vereins, hat außerdem ehrgeizig daran gearbeitet, die Fitness der Profis zu verbessern. „Die Jungs fordern hartes Training mit vielen Zweikämpfen ein. Es ist viel Feuer drin“, berichtete der Coach. Am Geißbockheim erzählt man sich, Stöger habe die Zügel in dieser Hinsicht in seinen letzten Monaten in Köln ein wenig zu locker gehalten.

Der neue Sportdirektor Armin Veh verpflichtete aus Stuttgart Stürmer Simon Terodde, der schon von 2009 bis 2011 in Köln spielte. Er soll die jämmerliche Bilanz von nur zehn geschossenen Toren aufbessern und dabei helfen, die Lücke zu schließen, die der Franzose Anthony Modeste durch seinen Wechsel nach China hinterließ. Weder den Angreifern Jhon Córdoba noch Claudio Pizarro ist das bislang gelungen.

Terodde scheint vor der Aufgabe keine Angst zu haben. „Natürlich kann ich die Tabelle lesen, ich bin Realist“, sagte der 1,92-Meter-Mann. Und: „Wir werden in der Rückrunde alles raushauen und nichts verschenken.“ Und dann ist da noch der 21-jährige Sehrou Guirassy, der sich zuletzt ganz gut entwickelt hat. Terodde zusammen mit dem Franzosen – oder nur einer von beiden: Ruthenbeck kann verschiedene taktische Varianten wählen.

Zudem lichtet sich das FC-Lazarett. Nationalspieler Jonas Hector soll gegen Mönchengladbach sein Comeback nach langer Pause wegen eines Syndesmoserisses geben. Womöglich bekommt die Mannschaft auch noch Verstärkung. Nach Informationen des „Kölner Stadt- Anzeiger“ bemüht sich der Klub darum, Vincent Koziello, einen 22 Jahre alten französischen Mittelfeldspieler von OGC Nizza, zu verpflichten. Um die Klasse zu halten, möchte der FC zunächst eine kleine Serie hinlegen und in den ersten drei Spielen gegen Gladbach, in Hamburg und gegen Augsburg jeweils drei Punkte holen.

Gegen die Borussia soll es laut Ruthenbeck am Sonntag so funktionieren: „Wir haben den Fokus auf das Spiel gegen den Ball. Wir können in der Defensive mehrere Systeme spielen. Mönchengladbach muss sich etwas einfallen lassen, um gegen uns zu treffen.“ Podolski, nach Japan zurückgekehrt, wird dem FC aus der Ferne die Daumen drücken, seine Botschaft: „Ja, ich glaube an das Wunder!“

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