Eins und eins macht zwei: Füchse-Trainer Velimir Petkovic kennt alle Tricks. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
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Füchse Berlin Velimir Petkovic: Schleifer mit Empathie

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Am Mittwoch treffen die Füchse im DHB-Pokal auf Flensburg - das weckt bei Trainer Velimir Petkovic Erinnerungen an sein Debüt für die Berliner.

Der größte Unterschied wird gleich zu Beginn deutlich, es dauert nicht mal eine Minute, da fängt Velimir Petkovic schon an zu gestikulieren. Er rudert mit den Armen, verrenkt den Oberkörper, tippelt an der Seitenlinie entlang und – so viel Zeit muss sein – zwinkert auch dem Schiedsrichter mal zu. Als der Handball-Trainer Ende letzten Jahres beim Auswärtsspiel in Flensburg sein Debüt für die Füchse Berlin gibt, wurden die Unterschiede zu seinem Vorgänger Erlingur Richardsson schnell deutlich. Der schweigsame Isländer gab während des Spiels eher das Bild von einem Professor ab, der auf eine komplizierte Gleichung starrt. Emotionen und Körpersprache gehörten bei ihm nicht unbedingt zum Repertoire. Petkovic, geboren in Bosnien-Herzegowina, steht dagegen unter Dauerstrom.

Feuriges Debüt

Zehn Monate sind seit dem Trainerwechsel ins Land gezogen. Wenn der Handball-Bundesligist an diesem Mittwochabend im Achtelfinale des DHB-Pokals nun erneut bei der SG Flensburg-Handewitt antritt (19.30 Uhr, live bei Sky), weckt das auch bei Petkovic Erinnerungen. „Aber an das Ergebnis denke ich nicht besonders gern zurück“, sagt der Coach. Trotz zahlreicher Verletzter und einiger unglücklicher Schiedsrichter-Entscheidungen ging das Spiel mit einem Tor denkbar knapp verloren. Viel wichtiger als das Resultat war den Entscheidungsträgern im Verein allerdings die Gewissheit: Petkovic hatte sein Feuer auf die Mannschaft übertragen können, die Spieler traten als Einheit auf und brachten einen leidenschaftlichen Kampf auf die Platte.

Diesen Anfangstrend haben die Berliner unter Petkovics Verantwortung bis heute bestätigt, obwohl die Personalie seinerzeit auch für Erstaunen in der Handball-Szene gesorgt hatte. Der 61-Jährige passte so gar nicht in die bisherige Alterslinie seiner Vorgänger und war als Schleifer verschrien, dessen Trainingsmethoden nicht mehr ganz zeitgemäß sein sollten. Die Spieler aus Eisenach, seiner letzten Mannschaft vor den Füchsen, hatten gegen ihn den Aufstand erprobt.

Heute redet kein Mensch mehr über diese Geschichten. „Petko ist der richtige Trainer zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt Berlins Manager Bob Hanning. „Er hat den Laden voll im Griff.“ Aus der Kabine etwa heißt es, dass die Spieler aus Berlin seine Art der Moderation schätzen. „Er macht das mit viel Empathie“, sagt Hanning. Sportlich sind die Verdienste des Trainers ohnehin nicht zu übersehen: Unter Petkovic wirkt die Abwehr deutlich stabiler und variantenreicher als zuvor, auch dem Angriffsspiel hat er klarere Strukturen verpasst.

Es warten die Schwergewichte aus Norddeutschland

In die neue Saison starteten die Füchse mit acht Siegen am Stück so erfolgreich wie nie. Erst am vergangenen Sonntag musste die Mannschaft in Hannover ihre ersten Punkte in dieser Bundesligaspielzeit abgeben. Der guten Stimmung soll das aber keinen Abbruch tun, die Füchse machten sich am Dienstag hoffnungsfroh auf den Weg nach Flensburg, wo man den Vizemeister in den letzten Begegnungen stets am Rande einer Niederlage hatte. Am Samstag wartet im Heimspiel gegen Kiel dann gleich noch das andere Schwergewicht aus Norddeutschland.

„Danach wissen wir, wo wir wirklich stehen“, sagt Petkovic, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft. Wenn es so weiter geht wie bisher, sollte sich die Frage nach einer Verlängerung in naher Zukunft jedoch von selbst klären. Manager Hanning sagt: „Wenn er will, kann Petko bei uns in Rente gehen.“

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