In Kampfmontur. Bei ihren Auftritten als Alphafemale trägt Jazzy Gabert im Ring stets Schwarz und Gold. Foto: WWE
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Frauen-Wrestling Jazzy Gabert: Chefin im Ring

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Ihr Kampfname ist Alphafemale: Die Berliner Wrestlerin Jazzy Gabert ist ein Star in den USA – heute gibt sie ein Comeback in der Heimat.

Wenn sie in den Ring steigt, das Alphafemale-Gesicht aufsetzt, sind alle Zweifel verflogen. Dann ist sie stark, selbstbewusst, voller Kampfgeist. Dann gibt sie alles. Jazzy Gabert beschreibt sich eigentlich als schüchternen Menschen. Sie überlege viel, was andere über sie denken, sei nicht besonders selbstsicher.

Ihre Stimme klingt leise und freundlich, manchmal spricht sie ein bisschen schnell. Und dann ist da eben ihre andere Seite – „Alphafemale“. Die passt zu ihrer Erscheinung im Ring, 1,85 Meter ist sie groß, breite Schultern, muskelbepackt mit schwarz geschminkten Augen. In dem Moment, in dem sie zu Alphafemale wird, raus auf die Bühne der Wrestling-Shows tritt, fühlt sie gar nichts. „Ich blende alles aus“, sagt sie.

Jazzy Gabert – Kampfname: Alphafemale – gehört zu den erfolgreichsten deutschen Westlerinnen. Gerade erst stand sie bei zwei großen US-Events im Ring, dem Mae Young Classic, benannt nach einer der Pionierinnen im Frauen-Wrestling, und bei der Entwicklungsliga NXT des amerikanischen Wrestling-Marktführers World Wrestling Entertainment (WWE).

Sollten sich die Gerüchte bestätigen und die WWE sie unter Vertrag nehmen, wäre sie neben zwei männlichen Kollegen die erste Deutsche, die in der amerikanischen Liga antritt.

Alles nur Show

Geboren ist die 35-Jährige in Berlin. Das erste Mal im Ring stand sie in Neukölln bei der German Wrestling Federation. Heute kehrt sie dorthin zurück und tritt im Huxleys Neue Welt bei der GWF Women's Wrestling Revolution 5 an.

Beim Wrestling steht bereits fest, wer gewinnt, bevor der Kampf überhaupt begonnen hat. Die Athleten nutzen bestimmte Techniken und Griffe, die an Kampfsport angelehnt sind, und vermitteln so den Eindruck, dass es sich um einen echten Kampf handelt. Der Rest ist inszeniert, etwa die persönliche Fehden zwischen den Wrestling-Charakteren.

In den USA gehören diese Showkämpfe zu den beliebtesten Sportarten, in den 80ern gelang dem Sport mit der „WrestleMania“ der WWE der Durchbruch. Seit Ende der 1930er Jahren treten auch Frauen im Ring an. Bisher war Frauen-Wrestling weit weniger bekannt. Das ändert sich gerade, auch in Deutschland. Spätestens seit der ehemalige Bundesliga-Torwart Tim Wiese eine Karriere als Profi-Wrestler anstrebte, sind die Shows ein Begriff. Und auch Jazzy Gabert gewinnt immer mehr Fans in Deutschland, die, wie sie sagt, es bisher nicht so gut mit ihr meinten.

Ihre Helden sind Hulk Hogan und der Undertaker

Die Fans sind für Profi-Wrestler wichtiger als in anderen Sportarten. „Die Promoter schauen ganz genau hin, wie viele Follower ich auf Facebook oder Twitter habe“, sagt sie. Seit ihrem Auftritt in den USA muss sie sich um ihre dortige Fanbase keine Sorgen mehr machen. Im Kampf bei den Mae Young Classic riefen die Zuschauen pausenlos und lauthals ihren Namen, feuerten sie an. Bei der NXT rief das Publikum: „Please sign, Jazzy“ – bitte unterschreib, Jazzy.

„Es war schon immer mein Traum, bei den ganz Großen in Amerika zu arbeiten“, sagt sie über ihren Auftritt in den USA. Mit zehn Jahren fängt sie an, sich für Wrestling begeistern. Ihre Helden sind Wrestling-Persönlichkeiten der 90er Jahre, Hulk Hogan und der Undertaker. „Als ich ein Kind war, hatte ich es nicht leicht, wurde in der Schule gehänselt und habe nicht so richtig ins Leben gepasst“, sagt sie. „Wenn ich Wrestling geschaut habe, dann habe ich reingepasst.“

Mit Alphafemale kommt ihr Durchbruch

Mit 18 beginnt Gabert, zu trainieren. 2001 steht sie dann zum ersten Mal im Ring. „Ich war immer dünn, still. Die Wrestler waren selbstbewusst, stark. So wollte ich auch werden.“ Also beginnt Gabert, Muskeln aufzubauen, stark zu werden. Auch da eckt sie wieder an. „Vor 15 Jahren war es noch nicht üblich, dass Frauen stark waren“, sagt sie. Aber nach viel Hin und Her wird sie im Ring schließlich zu „Alphafemale“, schafft sich selbst einen starken, selbstbewussten Charakter. Das ist ihr Durchbruch.

Das Wichtigste ist das Fallen. Das lernt man zuerst. Erst dann übt man einzelne Basics, wie den Headlock, einen Griff, bei dem der Angreifer seinen Arm um den Nacken des Gegners schlingt. „Bei den Fallübungen muss man durch. Das tut dann wahnsinnig weh“, sagt die Profi-Wrestlerin. Da alles nur Show ist, sollte es bei den Akteuren eigentlich nicht zu Verletzungen kommen. Ernsthaft verletzt habe sie sich in Kämpfen auch noch nie, sagt Gabert. „Nur einmal ist mein Auge fast rausgefallen, als ich mit dem Kopf direkt auf die Matte geknallt bin.“

Gabert will gewinnen

Nach ihren Auftritten in den USA findet sie nun: Blut, Schweiß und Tränen haben sich gelohnt. Am Ende ihres Karriereweges ist sie noch nicht. „Die Reise geht weiter.“

Erst einmal steht nun die Rückkehr nach Berlin an. Ganz leicht wird das nicht. „Berlin ist meine Heimat, aber ich war seit zehn Jahren nicht mehr hier“, sagt sie. Mit den Berlinern sei sie nicht unbedingt in Freundschaft auseinander gegangen. „Wir waren halt alle noch jung. Und als vor vier Monaten der Anruf kam und ich gefragt wurde, ob ich nach Hause zurückkommen will, habe ich sofort ja gesagt.“ Nun will Gabert natürlich gewinnen. Sie wird in Berlin in den Ring steigen, das Alphafemale-Gesicht aufsetzen und alles geben. „Jeder einzelne Kampf ist etwas ganz besonderes.“

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