Auf Wiedersehen. Zwei Jahre lang ist der 23 Jahre alte Pascal Wehrlein in der Formel 1 gefahren. Nun droht ihm das Aus, weil kein Team ihn verpflichten möchte. Foto: Diego Azubel/dpa
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Formel 1 Pascal Wehrlein gegen Schotter und Show

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Obwohl Pascal Wehrlein als großes Fahrertalent gilt, kommt er wohl bei keinem Rennstall unter. Die Teams in der Formel 1 setzen andere Prioritäten.

Nach außen gibt sich Pascal Wehrlein noch optimistisch. Zumindest offiziell beschäftigt er sich noch nicht mit Alternativen zu seinem jetzigen Engagement. Aber natürlich weiß der 23-Jährige ganz genau, dass er am Sonntag in Abu Dhabi (14 Uhr/RTL und Sky) zumindest vorerst den letzten Grand Prix seiner Karriere fahren könnte. Zwar hat Wehrlein in seinen zwei Formel-1-Jahren sein Talent gezeigt, aber er läuft Gefahr, zwischen allen Fronten zerrieben zu werden.

Bei Sauber war er es, der dem Team die einzigen fünf Punkte der Saison bescherte – mit einem achten Platz in Barcelona und einem zehnten in Baku. Trotzdem hat er dort keine Chance mehr. Seit Sauber die Partnerschaft mit Ferrari verstärkt hat, gilt Formel- 2-Meister Charles Leclerc für nächstes Jahr als gesetzt. Die Frage ist nur, ob die schwedischen Besitzer und Geldgeber ihren Schützling Marcus Ericsson im Team halten können oder ob Ferrari mit Antonio Giovinazzi einen zweiten Mann durchdrückt.

Doch auch woanders kommt Wehrlein nicht unter. Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost, der Nachwuchstalente gern fördert, hätte den Deutschen mit Kusshand genommen. Auch Red-Bull-Motorsport- Koordinator Helmut Marko wäre nicht abgeneigt gewesen. Aber der große Konzernchef Dietrich Mateschitz ließ sich nicht überzeugen, weil Wehrlein als Mercedes-Mann mit Toto Wolff verbandelt ist, den Mateschitz hasst.

Toto Wolff wollte Wehrlein schon immer bei Williams unterbringen

Wolff wollte Wehrlein wiederum schon immer bei Williams unterbringen. „Das ist mein Traum“, hatte er vor zwei Jahren gesagt. Jetzt wäre die Chance dafür. Doch Williams favorisiert für den zweiten Platz neben Millionärssohn Lance Stroll Robert Kubica. Das hat vor allem kommerzielle Gründe. Der Pole bringt zwölf Millionen Euro an Sponsorgeldern mit und würde viel Aufmerksamkeit garantieren. Bei einem schweren Rallye-Unfall vor sieben Jahren hätte er fast seinen rechten Arm verloren. Bis heute kann Kubica noch nicht einmal ein Glas richtig anheben. Trotzdem könnte Williams das Risiko mit ihm eingehen. Als weitere Kandidaten gelten Paul di Resta, der bisher in der DTM gefahren ist, und der von Red Bull zweimal degradierte und am Ende endgültig geschasste Russe Daniil Kwjat. Auch dessen Landsmann Sergei Sirotkin, der viel Geld mitbringt, soll nach dem Grand Prix von Abu Dhabi neben Kubica Testfahrten absolvieren.

Und Wehrlein? Für den scheint kein Platz mehr zu sein. Dabei könnte Mercedes sicherlich ein bisschen nachhelfen. Schließlich will Williams 2018 Hinterachse und Getriebe von den Silbernen kaufen. Aber Toto Wolff, der sonst dafür bekannt ist, bei sehr vielen Fahrerdeals mitzumischen, scheint im Moment nicht viel Interesse zu haben, sich für Wehrlein einzusetzen. Zu groß ist der Wunsch, Kubica ins Team zu holen.

Wehrlein muss darauf hoffen, dass ein Comeback für den Polen noch zu früh kommt, denn Williams ist die letzte Möglichkeit für den Deutschen. Vielleicht bekommt Technik-Chef Paddy Lowe, der Wehrlein aus Mercedes-Zeiten gut kennt, noch ein entscheidendes Mitspracherecht. Vielleicht zählen am Ende doch sportliche Gesichtspunkte. Der Normalfall ist das in der Formel 1 freilich nicht.

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