Das tut weh. Robert Lewandowski hat sich mit seinem Interview keine Freunde gemacht in der Vereinsführung der Bayern. Foto: AFP PHOTO / PATRIK STOLLARZ
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FC Bayern München Robert Lewandowski stellt Eigennutz vor Allgemeinwohl

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Bayerns bester Torjäger stellt öffentlich die Vereinsphilosophie in Frage. Dabei ist sein Interview eigentlich eher eine Stellenanzeige – und die könnte teuer werden. Ein Kommentar.

International erfolgreicher Stürmer sucht neue Herausforderung, gerne in England oder Spanien. Biete viele Tore, erwarte dafür realistische Chance auf Gewinn der Champions League innerhalb der nächsten drei Jahre. Zuschriften unter Chiffre LEWI9FCB.

Robert Lewandowski hat im „Spiegel“ gerade eine Stellenanzeige aufgegeben, die er geschickt als Interview getarnt hatte. Darin sagt er unter anderem: „Wenn ein Spieler wirklich wechseln will, dann kann er das in der Regel auch durchsetzen.“ Nur mal so als Hinweis an die Bayern … Es könnte gut sein, dass es sich um die teuerste Stellenanzeige der Geschichte handelt. Als Philipp Lahm vor vielen Jahren die Vereinsphilosophie des FC Bayern kritisiert hat, hat ihm das eine Strafe von 50.000 Euro eingebracht. Auch Lahm hatte ein Interview gegeben, das weder mit den Bayern abgesprochen noch von ihnen autorisiert worden war. So hat es nun auch Lewandowski gehandhabt – weil seine Botschaft sonst nie den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hätte.

Der Pole hat seinem Arbeitgeber unter anderem gefährliche Genügsamkeit vorgeworfen – in einer Zeit, in der die Konkurrenz mit der Kohle nur so um sich schmeißt. Solche Einlassungen mögen sie bei den Bayern nicht besonders, wie auch die Reaktion des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge in der „Bild“-Zeitung beweist: „Wer öffentlich den Trainer, den Verein oder die Mitspieler kritisiert, kriegt ab sofort Stress mit mir persönlich.“

Lahms Interview im Herbst 2009 hat sich letztlich als Segen für die Bayern erwiesen; es rettete Louis van Gaal den Job und war der Ursprung für die Dominanz des Klubs, die erst jetzt langsam zu Ende geht. Lahm hatte das Wohl des Vereins im Blick. Bei Robert Lewandowski, der die kühle Logik des Kapitalismus vertritt, hat man den Eindruck, dass es eher um das Wohl von Robert Lewandowski geht.

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