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Fahrradjäger als Hilfe Rad geklaut? Rad geschenkt!

Steve Reutter
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Ihr Fahrrad wurde gestohlen, ein neues konnte sie sich nicht leisten. Im Alltag aber ist die Berlinerin Larissa Hamze darauf angewiesen, mobil zu sein. Jetzt wurde ihr ein neues Fahrrad geschenkt – dafür engagierten sich rund 400 Menschen.

Im Beruf hat Larissa Hamze viel mit bedürftigen Menschen zu tun, sie pflegt und betreut körperlich behinderte Menschen. Nebenbei engagiert sich die 35-Jährige ehrenamtlich für Menschen, die vor dem Krieg flüchten mussten. Und zu Hause kümmert sich die alleinerziehende Mutter um ihren fünfjährigen Sohn Roro. Es ist viel, was Larissa im Alltag zu stemmen hat. Umso mehr ist sie darauf angewiesen, mobil zu sein, schnell von einem Ort zum anderen zu gelangen.

Dafür hatte sie bisher immer ihr Fahrrad genutzt, ist täglich bis zu 30km gefahren. So gelang ihr die Alltagspendelei zwischen Arbeit, Kita und Flüchtlingsheim gut. Im Februar kam dann aber der Schock. Ihr Fahrrad wurde trotz Schloss gestohlen, ein neues konnte sie sich nicht leisten. „Der Diebstahl hat mich im Alltagsleben extrem zurückgeworfen“, sagt sie. Fünf bis sechs Stunden pro Tag fehlen ihr nun, hinzu kommen Kosten für die öffentlichen Verkehrsmittel. Rund drei Stunden sei sie pro Tag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Auch geplante Termine musste sie verschieben, weil sie solche zeitlich nicht mehr hätte wahrnehmen können.

"Ich lief noch Wochenlang mit Flyern durch Berlin", erzählt sie. Ihre Anstrengungen, das Fahrrad wiederzufinden waren groß, was verdeutlicht, wie sehr sie auf die Mobilität des Fahrrads angewiesen ist. Alle möglichen Gegenden habe sie abgesucht, Internetseiten in Litauen, Polen, Bulgarien und Ungarn durchforstet. Fahrradhändler habe sie angeschrieben "und auch durch die 1700 Bilder der Polizei bin ich akribisch durch", erzählt Larissa. Aber ihre Bemühungen waren umsonst, das Fahrrad war nicht mehr auffindbar. In ihrer Verzweiflung wendet sie sich dann an die Öffentlichkeit. Auf einer Crowdfunding-Plattform erzählt sie von ihrer Not und bittet um Spenden, im Gegenzug bietet sie ihre künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten an. Dabei stoß sie auch auf Kritik der User, welche die Notwendigkeit ihres Anliegens nicht verstanden. "Ich wurde auch beleidigt, was mir denn einfiele, mich mit solch einem Problem an die Öffentlichkeit zu wenden", erklärt Larissa.

Dabei ist das Fahrrad fahren für Larissa mehr als nur ein bloßes Transportmittel. "Es ist auch etwas Ersatz", erzählt sie, "ein Ausgleich, es lässt mich runter kommen, gibt mir Freiheiten und lässt mich Herrin über mich selbst sein", wie es alleinerziehend und im Alltag so ausgelastet nur schwer möglich sei. Als sie dann keine große Hoffnungen mehr hatte das Fahrrad wieder zu finden, geschweige denn sich ein neues leisten zu können, erhielt sie unerwartete Hilfe.

Spendenaktion für Larissa

Das Rostocker Start-up "Fahrradjäger" wurde auf die Crowdfunding-Aktion von Larissa aufmerksam und kontaktierte sie. Fahrradjäger sind mit ihrer Technologie "Insect" auf den Diebstahlschutz von Fahrrädern spezialisiert und vereinen auf ihrer Website und ihrer App schon vor Verkaufsstart von Insect eine große Community. "Ohne Insect, nur durch die Registrierung auf unserer Website, konnten wir bereits 250 Fahrräder mit Hilfe der Community aufspüren", erklärt Frank Melz, Pressesprecher von Fahrradjäger. Die Technologie Insect dürfte die Rate noch ausbauen. Das Gerät wird am Fahrrad befestigt und sei "nur durch die dazugehörige App und den eigenen Account zu lösen", erklärt Martin Jäger, Geschäftsführer von Fahrradjäger. Bei Diebstahl sendet das Gerät auf Knopfdruck Geräusche aus und gibt den Standort an alle registrierten Nutzer weiter.

Eben diese Community mobilisierte das Unternehmen, um Larissa in ihrer Not zu helfen. Auf einer Facebook-Veranstaltung riefen sie dazu auf, für Larissa auf die Fahrräder zu steigen und die gefahrenen Kilometer zu posten. Für jeden absolvierten Kilometer zahlte Fahrradjäger 0.5 Cent. Um auf die nötige Summe zu kommen, wurde mit "Zweirad-Center Stadler" schnell ein Sponsor gefunden. "Wir unterstützen die Idee, da wir wissen, dass ein Qualitätsrad nicht nur Spaß bringt, sondern auch den Lebensalltag erleichtert", erläutert Eva Köster, Pressesprecherin von Zweirad-Center Stadler. Und die Aktion war ein voller Erfolg.

Insgesamt fuhr die Fahrradjäger-Community mit insgesamt 59.291,23 Kilometern mehr als einmal um die Welt. Die rund 400 engagierten Biker sammelten so rund 550 Euro. Der Betrag wurde von Zweirad-Center Stadler auf insgesamt über 1000 Euro aufgestockt, so dass Larissa neben einem neuen Fahrrad auch ein dazugehöriges Schloss, eine Diebstahlversicherung und die Technologie Insect erhielt. "Fahrrad fahren bietet das Gefühl von Freiheit", sagt Jäger. Dennoch gebe es Menschen, die diese Freiheit aufgrund von kaputten, schlecht ausgestatteten oder, wie bei Larissa, gestohlenen Fahrrädern nicht genießen können. "Um ihnen zu helfen, gehen wir gemeinsam mit Fahrradjägern aus ganz Deutschland auf Geldjagd", sagt Jäger.

"Wir haben die ganze Strecke zurückgejubelt vor Freude über die Lebensqualität und Freiheit, die wir nun zurückgewonnen haben", erzählt Larissa begeistert. Der Alltag zwischen Kita, Arbeit, dem Flüchtlingsheim und ihrer Wohnung kann sie nun wieder mobil mit Fahrrad bewältigen und viel Zeit sparen, die sie am Ende des Tages so wieder für Sohn Roro über hat.

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