Derbyzeit in Berlin? So schnell wohl dann nicht mehr, Nils Watzke (Mitte) wird mit FASS in der vierten Liga nicht mehr gegen die Preussen spielen. Foto: A. Bohn/promop

Eishockey FASS Berlin: Abstieg aus Hohenschönhausen

Claus Vetter
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Nach dem Ende der Kooperation mit den Eisbären versucht FASS Berlin einen Neuanfang in Wedding - in der Regionalliga.

Für ein paar Wochen durfte Doug Kacharvich vergangene Saison das Team von FASS betreuen. Da der Berliner Eishockey-Drittligist eine Kooperation mit den großen Eisbären  hatte, bat der Kanadier nach seinem Amtsantritt um Verstärkung vonseiten des Klubs aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und staunte: „Man hat mir gesagt, dass ich mir keine Hoffnung machen müsse.“ Die jungen Spieler, die im DEL-Team nicht zum Einsatz kamen, wollte deren Trainer Uwe Krupp nicht in der Oberliga einem Verletzungsrisiko aussetzten. FASS musste mit denen auskommen, die da waren – der Weg zum DEL-Team war trotz Kooperationsvereinbarung unterbrochen. Aber das mit dem Vertrag hat sich nun erledigt: Nach zehn Jahren haben die Eisbären ihre Zusammenarbeit mit dem Klub aus dem Berliner Westen nicht mehr verlängert. FASS muss sich umorientieren und steigt freiwillig ab: Zur kommenden Saison zieht sich der Klub aus der Oberliga zurück und startet in der viertklassigen Regionalliga.

In DEL und der zweiten Liga spielen rund 30 Spieler, die schon mal das Trikot von FASS getragen haben, bei den Eisbären ist das aktuell Stürmer Sven Ziegler. Erstaunlich beiläufig erwähnte Sven Felski, Geschäftsführer der Eisbären Juniors, vor ein paar Tagen, dass sein Klub künftig wieder eine zweite Mannschaft, ein Reserveteam in der fünftklassigen Landesliga für das DEL-Team aufbaue. Das Thema FASS sei für die Eisbären erledigt. „Die Zusammenarbeit läuft aus“, sagte Felski.

Rein sportlich hatte sich das Thema für den einst als Studentenklub gegründeten Freien Akademischen Sportverein Siegmundshof Berlin schon von selbst erledigt: Das Team wurde in der Oberliga vergangene Saison Tabellenletzter von 16 Teams. Sechs Saisonsiege in 44 Spielen, 255 Gegentore – eine düstere Bilanz. Die zweigeteilte Oberliga ist im Eishockey eine Profiliga mit zum Teil hoch bezahlten Spielern, wie etwa dem einstigen NHL-Profi Christoph Schubert bei den Hamburg Crocodiles. Die Spitzenklubs aus Herne, Duisburg, Tilburg, Hamburg oder Leipzig haben bis zu 2000 Zuschauer oder mehr im Schnitt bei ihren Heimspielen.

FASS kann in der starken Oberliga einfach nicht mithalten

Heinrich Seifert, Vorsitzender von FASS, sagt dazu: „Wir haben in der vergangenen Saison ein für unsere Verhältnisse hohes Budget aufgebracht, ohne dass dies sportlich Früchte getragen hat. Nach unserer Einschätzung wird sich das sportliche und wirtschaftliche Niveau der Oberliga Nord weiter erhöhen. Da können wir derzeit einfach nicht mithalten.“ Für die Eisbären hatten sich die Pläne mit FASS dauerhaft nicht erfüllt. Der Nachwuchs wird bei den Eisbären eben professioneller angeleitet als bei FASS, im Grunde immer noch ein Amateurklub.

Noch vergangene Saison hatte das Oberliga-Team mal vor einem Heimspiel der Eisbären der Arena am Ostbahnhof spielen dürfen. Doch die 14.200 Menschen fassende Arena blieb trostlos leer. Auch wenn die FASS-Spieler – drei Spieler um Kapitän Nils Watzke haben sogar eine Vergangenheit bei den Eisbären – auf ihren Trikots am Ärmel das Eisbären-Logo herumtragen durften, interessierte das die Fans aus der DEL nicht groß. Mit 147 Zuschauern im Schnitt hatten die Berliner den mit Abstand schlechtesten Besucherschnitt aller 28 deutschen Oberligisten.

Offensichtlich war der Umzug in den Osten in den Wellblechpalast für den einstigen Sponti-Klub keine gute Idee. Der einst von TU-Studenten im Hansa-Viertel gegründete Verein, bekannt nach dem Studentenwohnheim in der Straße „Siegmunds Hof“, hatte seine Heimat im Westen der Stadt. In der kommenden Saison nähert sich FASS den Wurzeln wieder, und zieht aus Hohenschönhausen aus. Künftig soll der gesamte Spielbetrieb von Senioren und Nachwuchs wieder im Erika-Hess-Eisstadion stattfinden. Sportdirektor Oliver Miethke sagt: „Das Hin- und Her zwischen Hohenschönhausen und Wedding hat uns nicht gutgetan.“ Es sei besser, mit der ersten Mannschaft wieder „zu Hause zu sein“. Der Vorsitzende Seifert glaubt derweil, dass „viele unserer Anhänger sich von uns abgewandt haben, weil sie sich im Wellblechpalast nicht heimisch gefühlt haben. In unserer traditionellen Heimat wollen wir eine neue Aufbruchsstimmung erzeugen.“

In der Regionalliga nimmt FASS nun den Platz der eigenen Reserve ein, die 1b-Mannschaft hatte vergangene Saison in der vierten Klasse gespielt. Der Klub ist in mehrfacher Hinsicht abgestiegen: Der Platz der zweiten Kraft im Berliner Eishockey gehört ab sofort unumstritten den ECC Preussen Juniors.

Der Nachfolgeklub der Capitals/Preussen spielt weiter in der Oberliga, muss auf ein zuschauerträchtiges Derby künftig verzichten. Wenn es nach Oliver Miethke geht, nicht für ewig. Zwei schwedische Spieler hat FASS schon für die Regionalliga verpflichtet. „Wir wollen uns neu zentrieren und Schwung holen, um die Oberliga wieder ins Visier zu nehmen.“

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