Erfolg macht sexy. Die Eisbären-Fans haben aktuell viel Grund zum Jubeln. Und inzwischen kommen auch wieder mehr Zuschauer zu den Spielen in die Großarena am Ostbahnhof als noch zu Saisonbeginn. Foto: Sophia Kembowski/dpa
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Eisbären Berlin Es rappelt wieder in der Kiste

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Die Eisbären sind im Moment da, wo sie sich selbst am liebsten sehen – ganz oben. Gründe für den Erfolg der Berliner gibt es einige. Eine Analyse.

Zur Halbzeit der Hauptrunde stehen die Eisbären an der Spitze in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Vor dem Spiel am Freitag bei den Iserlohn Roosters (19.30 Uhr/live bei Telekomsport.de) erklären wir, warum die Berliner in dieser Saison wieder um den Titel mitspielen können.

Das Trainerteam

Noch in der Vorsaison verteilte sich die Verantwortung der Eisbären fast ausschließlich auf den Schultern von Uwe Krupp und seinem Assistenten Marian Bazany. Der Co-Trainer war gleichzeitig für die Fitness, die Videoanalyse und die Gegnerbeobachtung zuständig. Bazany ist im Sommer nach Krefeld gewechselt, Krupp hat mit Clement Jodoin und Steffen Ziesche jetzt zwei Helfer, die ihn nicht nur entlasten, sondern selbst Impulse setzen. Dazu gibt es mit Jake Jensen auch noch einen eigenen Konditionstrainer.

Das Management

Sportdirektor Stéphane Richer hat offensichtlich gute Arbeit geleistet bei der Zusammenstellung der Mannschaft. Aber er lässt sich dafür nicht feiern, sondern hält sich im Hintergrund. Das schafft auch Ruhe: Der Trainer redet nach außen und keiner redet ihm öffentlich rein. Das Spiel: „Der-Manager-hat-das-gesagt-der- Trainer-aber-das“, funktioniert bei den Eisbären nicht. Das ist eine Stärke, die dem gesamten Team zugute kommt.

Die Zugänge

Jahrelang haben die Eisbären ihren Kader nur ergänzt, in dieser Saison wurde er fast komplett umgekrempelt. Mit Erfolg: Die Zugänge, allen voran Top-Torjäger Sean Backman, sind echte Verstärkungen, die mit Leistung überzeugen und die auch in der Kabine Gehör finden. Gerade bei den Profis aus dem Ausland haben die Berliner ein derart gutes Händchen bewiesen, dass Erinnerungen an die goldene Ära mit Steve Walker oder Denis Pederson wach werden.

Die Hierarchie

Der legendäre 85er-Jahrgang hat bei den Eisbären lange Zeit alles überstrahlt und vielleicht auch überzogene Erwartungen geweckt. André Rankel, Florian Busch, Frank Hördler und Jens Baxmann sind zwar immer noch wichtig für den Klub, aber das Spiel steht und fällt nicht mehr allein mit ihren Leistungen. Dass Kapitän Rankel und Nationalspieler Hördler seit längerem verletzt fehlen, fällt fast gar nicht ins Gewicht.

Die Erfahrung

Als vor der neuen Saison recht viele Spieler um die dreißig zu den Eisbären wechselten, war die Skepsis durchaus groß. Denn jahrelang wollten die Berliner lieber entwicklungsfähige, junge Profis verpflichten als fertige Stars. Das ist nun anders. Und davon profitieren auch die jüngeren Spieler im Team. Jonas Müller und Kai Wissmann beispielsweise haben mit Blake Parlett und Danny Richmond zwei erfahrene Haudegen in der Verteidigung vor der Brust, von denen sie viel mitnehmen können.

Die Mentalität

Die Ausstrahlung stimmt bei den Eisbären. Das geht bei Trainer Uwe Krupp los, der weit aufgeräumter wirkt an der Bande und bei seinen öffentlichen Auftritten. Und die Spieler strahlen sogar in der Mixed Zone noch Souveränität aus. Dass die Mannschaft an sich glaubt, kommt auch beim Gegner an und das drückt sich entsprechend im Spiel aus. Und so haut die Eisbären auch ein Rückstand längst nicht mehr um.

Die Fans

Waren die Tribünen am Anfang der Saison doch oft erstaunlich leer, so werden inzwischen die Leistungen der Mannschaft von den Berlinern wieder honoriert. Jetzt strömen die Fans zuverlässig in fünfstelliger Zahl zu den Heimspielen, zuletzt waren es immer gut 11 000 im Schnitt. Damit sind die Eisbären immer noch klar die Nummer zwei hinter dem Fußball in der Gunst des Berliner Sportpublikums.

Die Kadertiefe

Die Eisbären mussten in den vergangenen Wochen regelmäßig auf mehrere Leistungsträger verzichten. An den Ergebnissen war das allerdings nicht abzulesen. Drei gute Sturmreihen hat Trainer Uwe Krupp immer noch zusammenbekommen. Noch im Vorjahr war jeder Verletzte ein Drama, inzwischen nimmt man Ausfälle als unvermeidlich hin – in dem Wissen, dass es genügend Alternativen im Kader gibt.

Das Spielsystem

Mehr Tempo und mehr Offensive sollte es bei den Eisbären in dieser Saison geben. Gesagt, getan. Das Team hat in der DEL die zweitmeisten Tore erzielt, ohne dabei die Defensive zu vernachlässigen (ebenfalls Platz zwei). Und dabei gibt es immer noch Luft nach oben. Überzahl und Unterzahl sind zwar besser geworden, aber noch immer nicht Liga-Spitze. Bekommen die Berliner auch das in den Griff, ist ihnen in dieser Saison tatsächlich alles zuzutrauen.

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