Wohin geht die Reise? Beim WM-Turnier 2014 in Brasilien verließ Bundestrainer Joachim Löw das Campo Bahia des Öfteren Richtung Meer und suchte dort Entspannung. Foto: Marcus Brandt/dpa
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Die Nationalmannschaft bei der WM 2018 Joachim Löw: Meer oder Moloch?

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Wo sich die DFB-Elf in Russland einquartiert, hängt von der heutigen Auslosung der WM-Vorrundengruppen ab. Sorgen machen vor allem lange Reisezeiten.

Dieses Bild hat offenbar eine nachhaltige Wirkung entfaltet: Joachim Löw im T-Shirt mit V-Ausschnitt, die Hände in den Taschen seiner Shorts vergraben. Auf der Nase eine verspiegelte Pilotenbrille, in den Ohren Stöpsel, und hinter ihm schlagen die Wellen an den Strand. Aufgenommen wurde das Foto vor dreieinhalb Jahren, während der Weltmeisterschaft, an der brasilianischen Atlantikküste. Spätestens seitdem weiß die Öffentlichkeit, dass der Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ein Sonnenkind ist. Oliver Bierhoff, der Manager des Teams, hat das vor kurzem noch einmal bestätigt: „Jogi mag das gute Wetter. Für die Stimmung bei einem Turnier ist das sehr wichtig.“ Wichtig – ja. Aber eben auch nicht das alleinige Kriterium, wenn es darum geht, das passende Quartier für die Weltmeisterschaft in Russland im kommenden Jahr zu finden.

Wenn an diesem Freitag im Kreml (16 Uhr, live im ZDF) die Gruppen für die WM-Endrunde ausgelost werden, geht es nicht nur darum, ob Joachim Löw mit seiner Mannschaft in der Vorrunde in die schwerstmögliche Gruppe mit Spanien, Tunesien und Australien kommt oder doch auf Kolumbien, Iran und Panama treffen wird. Es entscheidet sich auch, wo der Titelverteidiger während des Turniers sein Basislager aufschlagen wird. „Wir haben alles durchgespielt, alles erörtert und für uns analysiert“, sagt der Bundestrainer. Zwei Optionen sind geblieben, und es geht jetzt nur noch darum, in welcher Gruppe die Deutschen bei der Auslosung landen. Daraus ergibt sich dann fast automatisch, ob die Mannschaft ihr Quartier am Stadtrand Moskaus beziehen wird oder doch in Sotschi an der Schwarzmeerküste.

„Wir haben während des Turniers keine Gestaltungsmöglichkeiten“, sagt Manager Bierhoff. Der Weltverband Fifa gibt viele Dinge vor. „Man hat viele Verpflichtungen. Das macht es ein bisschen komplexer.“ Auch deshalb wollten die Deutschen ursprünglich in den Großraum Moskau. Die Erfahrungen beim Confed-Cup im Sommer aber haben dazu geführt, dass sie ihre Planungen noch einmal einer kritischen Prüfung unterzogen haben. Beim Confed-Cup haben sich die Deutschen ein bisschen in Sotschi verliebt. „Es ist nicht das Verkehrteste der Welt, wenn man beim Essen aufs Meer guckt“, hat Mittelfeldspieler Leon Goretzka gesagt.

„Es gibt eklatante Unterschiede in den Reisezeiten zwischen Moskau und Sotschi“, sagt Oliver Bierhoff

Es war eine entspannte Zeit am Schwarzen Meer, nicht nur wegen Meerblick und Sonnenschein. Die Wege vor Ort waren kurz, der Flughafen innerhalb einer Viertelstunde zu erreichen. Ganz anders vermutlich als im Moloch Moskau mit den ewig verstopften Straßen. Trotzdem sagt Bierhoff: „Sotschi ist der Ort der langen Wege. Rechnen Sie mal die Flug- und die Reisezeiten aus! Das habe ich gemacht.“

Sotschi ist der südlichste der elf Spielorte in Russland, fernab vom Zentrum des riesigen Landes. Nur Rostow am Don und Wolgograd liegen näher an Sotschi als an Moskau. Jeweils rund 2000 Kilometer Luftlinie sind es nach Kaliningrad, St. Petersburg und Jekaterinburg. „Natürlich ist es hilfreich, wenn du auf der Terrasse sitzen kannst, wenn du frische Luft atmest und die Sonne siehst“, sagt Bierhoff über die Vorzüge Sotschis. Bei der WM 2014 haben die Deutschen im Campo Bahia direkt am Strand ja durchaus erfreuliche Erfahrungen damit gemacht. Aber auch da sei es, so Bierhoff, reisetechnisch nicht immer einfach gewesen. In Russland könnte dieser Faktor noch wichtiger werden. „Es gibt eklatante Unterschiede in den Reisezeiten zwischen Moskau und Sotschi“, sagt der Manager der Nationalmannschaft. „Es gibt Gruppen, da ist die Reisezeit von Sotschi doppelt so lang.“

Sollten die Deutschen das Finale erreichen, spielen sie mindestens zwei Mal in Moskau; möglich sind aber auch vier (von maximal sieben) Spielen in der russischen Hauptstadt. In der Vorrunde treten sie als Kopf ihrer Gruppe auf jeden Fall einmal in einem der beiden Moskauer Stadien an – egal in welcher Gruppe sie landen.

Ausgeschlossen ist Gruppe A, dort ist Gastgeber Russland gesetzt. Sollte der Weltmeister in Gruppe B, F oder G landen, würde ein Vorrundenspiel in Sotschi stattfinden. In diesen Fällen ist es denkbar, dass die Deutschen sich am Schwarzen Meer einquartieren. Sollte das DFB-Team hingegen in Gruppe C, D, E oder H gelost werden, schlägt es mit ziemlicher Sicherheit in Moskau auf. In Gruppe D zum Beispiel müsste das Team von Moskau aus zu den Spielen in Nischni Nowgorod und St. Petersburg nur rund 1000 Kilometer fliegen – von Sotschi aus wären es 4700 Kilometer, für die einfache Strecke. Da liegt es nahe, den WM-Titel auch ohne entspannte Strandgänge zu verteidigen.

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