Auf fernem Eis. Der Berliner Nachwuchs übt in Kalifornien. Foto: promo Foto: Fishing4
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Die Eisbären bei den Los Angeles Kings Motivation als Mission

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Die Los Angeles Kings helfen mit ihrem Development Camp den Schwestervereinen aus Berlin und Hamburg. Davon profitieren nicht nur die eingeladenen Spieler.

Wer will im Sport schon gerne der Zweite sein? Keiner, sagt Luc Robitaille. „Wir bei Anschutz sind eine Organisation, die Meisterschaften will.“ Der Geschäftsführer der Los Angeles Kings aus der National Hockey League (NHL) sitzt in seinem Büro in El Segundo – der Stadt, mit deren spanischem Namen (zu Deutsch „der Zweite“) man nicht als erstes Sieger assoziiert. Am Montagnachmittag kreisen dort stundenlang Hubschrauber. Inglewood, bekannt als Vorstadt mit hohem Gewaltpotenzial, ist um die Ecke. Der Los Angeles International Airport ist das Prunkstück der 17 000-Einwohner-Randstadt El Segundo. An einem Riesenparkplatz steht das Trainingszentrum der Kings. Auf 12 500 Quadratmeter Flachbau verteilen sich drei Eisflächen, dazu eine Trainingshalle für die Los Angeles Lakers aus der Basketballliga NBA und ein Restaurant. „Wir könnten fünf Eisflächen mehr gebrauchen“, sagt Robitaille. Eishockey boome in Kalifornien. „Die Hallen sind täglich 22 Stunden in Betrieb, die anderen zwei Stunden machen wir sauber.“

Im „Sports Center“ huschen in dieser Woche allerdings keine kalifornischen Hobbyspieler über das Eis, es wird trotz Saisonpause professionell trainiert. Gretzky, Robitaille, Blake – es sind große Namen von ehemaligen Kings-Spielern, die an den Hallenwänden prangen. Unter ihnen sollen die jungen Spieler wachsen. Der Klub aus der NHL nimmt sein einwöchiges „Development Camp“ ganz ernst: Auf 31 Spieler aus sechs Ländern kommen 50 Trainer und Betreuer. Das Camp ist die Chance für die Spieler, sich für den Dunstkreis der NHL zu empfehlen. Auch vier deutsche Jungprofis sind in Los Angeles dabei, zwei von den Eisbären Berlin, zwei von den Hamburg Freezers.

"Etwas besseres kann ein Spieler kaum bekommen"

Die beiden Berliner Kai Wissmann und Jonas Müller wirken am ersten Tag beeindruckt. Der 18-jährige Wissmann sagt, als er den Namen Gretzky gesehen habe an der Wand, habe er geschluckt. Und der 19 Jahre alte Müller zuckt zusammen, als ihn einer der Trainer gleich nach einer der ersten Übungen zu sich zitiert und dem Deutschen gestenreich signalisiert, was er alles besser zu machen habe. Stefan Ustorf, Sportlicher Leiter der Eisbären, sagt: „Etwas Besseres als hier kann ein Spieler kaum bekommen.“

Mindestens 5000 NHL-Spiele hätten die Trainer auf dem Eis zusammengenommen hinter sich. Ustorfs Augen leuchten: Im August und im November werde der Trainerstab aus Los Angeles auch in Hamburg und Berlin Nachhilfe geben. Das machen die Kings aber nicht nur, weil sie die Eisbären oder Freezers so toll finden, sondern, weil es von oben wohl eine Direktive an den zweimaligen NHL-Meister (2012 und 2014) gegeben hat, die Verwandten zu unterstützen. Denn wie die Kings gehören die beiden Klubs aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zum Imperium der Anschutz-Gruppe.

Die Eisbären-Trainer profitieren von dem Austausch noch mehr als die Spieler

Uwe Krupp ist mit Eisbären-Geschäftsführer Peter John Lee und Kotrainer Marian Bazany dieser Tage auch in Los Angeles. Krupp sagt, dass der Austausch mit den Kings für die Trainer noch wichtiger sei als für die Spieler. Alle Innovationen im Welteishockey kämen aus Nordamerika. „Hier wird mit den allerneusten Methoden gearbeitet.“ Auf dem Eis wird jede Bewegung der Jungprofis aufgezeichnet. Alles wird gescannt, selbst der Körper eines jeden Spielers. „Body Spec“, ein medizinisches Zentrum für bildgebende Diagnostik mit Sitz in Los Angeles, hat zwei Trucks zum Trainingszentrum geschickt, im Inneren der Laster legen sich die Spieler auf große Scanner. Zehn Minuten lang pro Mann, 31 Leute. Zwei Tage dauert das, inklusive Analysen. Die Konstitution jedes Einzelnen wird erfasst. Muskelmasse, Knochen, Stärken und Schwächen eines Körpers.

Noch vor gut 20 Jahren gab es in der Deutschen Eishockey-Liga einen Trainer aus Bayern, der sagte zu seinen Profis vor den Spielen: „Geht’s raus, spielt’s Hockey.“ Das ist Lichtjahre weit weg vom Konzept der Kings im Jahr 2015. „Mission, Vision, Core Values“, prangt es in großen Lettern an der Wand des Großraumbüros auf der Geschäftsstelle des Klubs. Luc Robitaille ist von seiner Mission überzeugt. Einst in der NHL als Spieler fast so groß wie Gretzky, ist er heute einer der größten Profis im Geschäft. Die Spieler sollen besser werden. Ziel sei es auch, den Eisbären und den Hamburgern zu helfen. Mit sportlichem Know How, sagt Robitaille, der sich im Übrigen über die Olympiabewerbung Hamburgs freut. „Außerdem ist der Kunstschnee, der vor den Spielen der Freezers von der Decke rieselt, fantastisch. Das will ich auch bei den Kings einführen.“

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Nun gut, Los Angeles ist weit weg von Deutschland. Und die jungen Spieler im Camp werden auch trotz aller Scanner und Drill in einer Woche kaum zu Eishockeyrobotern mutieren. Verteidiger Kai Wissmann sagt zwar: „Die Trainer achten hier auf jede Kleinigkeit.“ Aber die Mitspieler würden auch nur mit Wasser kochen. Dominik Tiffels, Angreifer von den Freezers, ist dagegen beeindruckt – davon, dass alle Spieler ein Trikot der Kings bekommen haben, mit Namen. „Das auf dem Eis zu tragen, ist schon geil.“ Eine Sicht der Dinge, die Luc Robitaille gefallen muss. Motivation ist ja auch seine Mission.

Die Kosten dieser Pressereise hat der EHC Eisbären übernommen.

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