Mit vielen Pferden gut dabei. Michael Nimczyk mit TomNJerry Diamant beim Sieg im vierten Vorlauf zum 122. Deutschen Traber-Derby. Foto: Marius Schwarz/Imagop

Deutsches Traberderby in Mariendorf Michael Nimczyk - der Goldjunge

Heiko Lingk
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Beim 122. Traber-Derby in Mariendorf gehört er zu den großen Favoriten. Für das Finale qualifizierte sich der Deutsche Meister mit drei verschiedenen Pferden.

Jede Sportart hat ihre liebenswürdigen kleinen Rituale. Auf der Mariendorfer Trabrennbahn ist es zum Beispiel Usus, dass sich die Sulkyfahrer ihre persönliche Melodie für die Siegerehrung aussuchen dürfen. Wenn zum Beispiel der ehemalige Europameister Manfred Zwiener eine Prüfung gewinnt, ertönt das beschwingte „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ der Beatles aus den Lautsprechern. Der Song gleicht tatsächlich ein wenig Zwieners unkomplizierter Lebensart, während andere Fahrer Heavy Metal bevorzugen.

Bei Siegen des Deutschen Meisters Michael Nimczyk ging es auf der Bahn musikalisch deutlich ruhiger zu. Aus den Lautsprechern war dann zunächst nur das Kratzen einer alten Vinylschallplatte zu vernehmen und im Anschluss die Stimme der legendären Marlene Dietrich, die Nimczyks Lieblingssong „Ich hab' noch einen Koffer in Berlin“ sang.

Mittlerweile hat der 31-Jährige zwar einen anderen Song für seine Siegerehrungen ausgewählt – aber die Identifikation mit Berlin und dem Mariendorfer Sportgeschehen ist geblieben.

Der in Willich am Niederrhein beheimatete Sulkyfahrer verbringt einen Großteil seiner Zeit in Berlin und geht in nahezu jedem Mariendorfer Rennen an den Start. Er steuert dort die Pferde des Berliner Unternehmers Ulrich Mommert (76) und sorgt für großartige Ergebnisse. Für seine taktischen Entscheidungen benötigt Nimczyk meist nur Bruchteile von Sekunden. Er ist es gewohnt, blitzschnell zu reagieren und beherrscht seinen Job perfekt. Nimczyk gewann in seiner Karriere bisher 1894 Rennen. In der vergangenen Saison holte er mit exakt 150 Siegen zum sechsten Mal den deutschen Meistertitel.

Es geht um 276.000 Euro Preisgeld

Eigentlich kein Wunder, wenn man seinen familiären Hintergrund kennt: Nimczyk ist zwischen Pferdebeinen aufgewachsen. Sein Vater Wolfgang und seine Mutter Beate sind seit Jahrzehnten im Trabersport aktiv.

Das Gefühl, ein Champion zu sein, kannte Nimczyk schon aus seiner dreijährigen Ausbildungszeit: 2005 gewann der damals 19-Jährige die Europameisterschaft der Lehrlinge. Nimczyk, der als amtierender Meister als einziger Fahrer einen mit echtem Blattgold belegten Sturzhelm als Symbol des Erfolgs tragen darf, gilt heute als selbstsicher und wortgewandt. Am vergangenen Wochenende war er dennoch kurz sprachlos: Nimczyk qualifizierte sich in den Vorprüfungen gleich mit drei Pferden für das am heutigen Sonntag in Mariendorf ausgetragene Finale des 122. Deutschen Traber-Derbys (Beginn 12.30 Uhr). Dort geht es inklusive der Züchterprämie um 276.000 Euro Preisgeld. Er musste sich also für ein Pferd entscheiden.

Zwei dieser drei Pferde gehören Ulrich Mommert. Doch für Nimczyk wurde die Wahl dadurch nicht einfacher, der dritte seiner Finalisten gehört nämlich seinem Onkel. Er entschied sich trotzdem für den Berliner Hengst TomNJerry Diamant. Es besteht also Hoffnung, dass die jahrzehntelange Durststrecke der Berliner Traber beendet wird. Der letzte Derby-Sieg eines Mariendorfer Pferdes gelang 1988. Für das Pferd seines Verwandten konnte er den Schweden Björn Goop verpflichten, einen der weltbesten Fahrer. „Jetzt kann ich mich ganz auf meine eigene Fahrt konzentrieren“, sagt Nimczyk. Wie gut ihm das gelingt, bewies er in dieser Woche schon mehrfach mit insgesamt acht Siegen am Mittwoch und Freitag.

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