Der eingewechselte Lars Stindl traf in der Nachspielzeit zum 2:2. Foto: Roland Weihrauch/dpa
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Deutsche Fußball-Nationalmannschaft Lars Stindl verhindert Niederlage gegen Frankreich

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Lange sehen die Franzosen durch zwei Tore von Alexandre Lacazette wie der Sieger aus. Doch mit der letzten Aktion gelingt Lars Stindl in Köln noch der 2:2-Ausgleich.

Vor ein paar Jahren hat der Deutsche Fußball-Bund mit einer revolutionären Neuerung aufgewartet. Wenn der DFB seine Aufstellung für das nächste Länderspiel verkündete, gab es wie gehabt die Kategorien Torhüter und Abwehr; die zuvor eigenständigen Ressorts Mittelfeld und Sturm aber wurden zu Mittelfeld/Sturm zusammengefasst. Wahrscheinlich war es einfach zu traurig, wenn Miroslav Klose immer allein im Angriff auftauchte.

Die Aufstellung der deutschen Nationalmannschaft am Dienstagabend gegen Frankreich sah wie eine konsequente Umsetzung dieses Prinzips aus. Wer Mittelfeldspieler war und wer Stürmer, war anfangs nicht zweifelsfrei zu erkennen. Mal tauchte der Sechser Sami Khedira in vorderster Linie auf, während der eigentliche Stürmer Timo Werner sich tief vor der Abwehr aufhielt. Das war wirklich sehr verwirrend. Vor allem für die Deutschen selbst.

Die hoch gelobte Offensive der Franzosen hingegen spielte mit erfrischender Klarheit. Und damit hatten die Deutschen vor 36.948 Zuschauern in Köln anfangs deutlich mehr Probleme, als es umgekehrt der Fall war. Immerhin verhinderte der Weltmeister dank einer deutlichen Leistungssteigerung nach der Pause im letzten Länderspiel des Jahres die erste Niederlage des Jahres. Mit der letzten Aktion des Spiels traf der eingewechselte Lars Stindl zum 2:2 (0:1)-Endstand. „Wir haben nie aufgesteckt, auch in schwierigen Momenten, und sind am Ende belohnt worden“, sagte Ausgleichstorschütze Stindl in der ARD. „In der zweiten Halbzeit haben wir die ganze Zeit gedrückt“, sagte Aushilfs-Kapitän Sami Khedira.

Im Vergleich zum 0:0 gegen England rückten sechs neue Spieler in die Startelf, darunter auch Marvin Plattenhardt von Hertha BSC, der in der Offensive durchaus mutig auftrat. Die vielleicht größte Überraschung war aber, dass Joshua Kimmich beim Anpfiff nicht auf dem Platz stand. Damit endete in Köln eine beeindruckende Serie. Der Münchner hatte seit seinem Pflichtspieldebüt bei der EM-Vorrunde im vergangenen Jahr in allen 24 Begegnungen über 90 Minuten gespielt. Zwei Spiele hätten ihm noch gefehlt, um den bisherigen Rekordhalter Berti Vogts einzuholen.

Zur Pause hieß das Eckenverhältnis 6:1 – zugunsten der Franzosen

An Kimmichs Stelle verteidigte Emre Can rechts in der Viererkette, ein gelernter Mittelfeldspieler, der die Position in der Nationalmannschaft zwar schon diverse Male gespielt, auf ihr aber nur bedingt überzeugt hat. Das war auch in Köln so. Can und Plattenhardt auf der anderen Seite sollten weit aufrücken. Das führte dazu, dass manchmal sechs deutsche Spieler ganz vorne auf einer Linie standen.

Das System, das Bundestrainer Joachim Löw sich ausgedacht hatte, war schwer zu entschlüsseln – wenn man überhaupt von einem System sprechen konnte. Es sah mehr nach gewolltem Chaos aus. Löw hatte in den vergangenen Tagen angekündigt, dass er manchmal auch bewusst etwas Verrücktes ausprobieren wolle. Gegen die Franzosen war es des Verrückten ein bisschen zu viel.

Bester deutscher Spieler war Torhüter Kevin Trapp, der einmal nach einem schnellen Konter gegen Alexandre Lacazette zur Ecke klärte – und vor allem bei einem Schuss von Kylian Mbappé aufs kurze Eck glänzend reagierte. Die Équipe tricolore bestätigte das, was ihr nachgesagt wird: dass sie über große Qualität in der Offensive verfügt. Und Antoine Griezmann, der beim EM-Halbfinale vor 16 Monaten beide Tore zum 2:0 erzielt hatte, saß sogar nur auf der Bank.

Zur Pause hieß das Eckenverhältnis 6:1 – zugunsten der Franzosen. Die Gäste brachten die deutsche Verteidigung immer wieder in Verlegenheit. Zehn Minuten vor der Pause gingen sie fast folgerichtig und durchaus verdient in Führung. Anthony Martial ließ Niklas Süle ins Leere grätschen und legte dann klug ab in die Mitte, so dass Lacazette den Ball nur noch über die Linie schieben musste.

Alexandre Lacazette schoss beide Tore für Frankreich. Foto: REUTERS/Wolfgang Rattay
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In der Schlussphase der ersten Hälfte wurden die Deutschen offensiv etwas gefährlicher. Nach einem feinen Steilpass von Julian Draxler brachte Werner den Ball nicht unter Kontrolle. Kurz darauf zögerte der Leipziger zu lange mit dem Abschluss. Auch nach der Pause spürte man den Willen der Deutschen, die erste Niederlage des Jahres noch abzuwenden. Der eingewechselte Antonio Rüdiger hatte die erste gute Gelegenheit zum Ausgleich, vergab nach der guten Vorarbeit Draxlers aber recht kläglich. Drei Minuten später machte es Timo Werner besser. Nach grandiosem Steilpass von Mesut Özil überwand er Torhüter Steve Mandanda mit einem Beinschuss zum 1:1.

Es war nun ein deutlich attraktiveres, da ausgeglicheneres Spiel als vor der Pause. Toni Kroos traf mit einem Freistoß das Lattenkreuz, Sekunden später aber brachte Lacazette die Gäste mit seinem zweiten Tor erneut in Führung. Dank Stindls spätem Treffer durfte sich Mario Götze nicht nur über seine Rückkehr in die Nationalmannschaft nach exakt einem Jahr Pause freuen, sondern auch über ein versöhnliches Ende des Länderspieljahres.

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