Polsterparade. Die defekte Verkleidung am Pfosten stoppte den Puck. Foto: Twitter
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Deutsche Eishockey-Liga Wie ein defektes Tor die Eisbären vor einem Tor bewahrt

David Joram
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Im Spiel gegen Adler Mannheim profitieren die Berliner nach einer kuriosen Szene vom Videobeweis – ein Nachspiel bleibt wohl aus.

Der Videoschiedsrichter muss in der Fußball-Bundesliga eingeführt werden, es gehe ja um Meisterschaft, um Abstieg, um so viel Geld. Eine Fehlentscheidung jedenfalls könne eine ganze Saison beeinflussen, also gelte es, Fehler der Unparteiischen möglichst zu verhindern. In etwa so sprachen die Befürworter von technischen Hilfen in der Fußball-Bundesliga in Zeiten, als Schiedsrichter noch mit ihren eigenen, mal mehr, mal weniger scharfen Augen hinschauen mussten, ob ein Ball die Linie überquert hatte – oder eben nicht. Ihre Haltung pro Videobeweis begründeten die Kamera-Verfechter auch damit, dass es diesen in anderen Sportarten ja längst gebe. Tennis nannten sie, Baseball - und natürlich Eishockey.

Die Frage, ob der Puck über die Torlinie gerutscht ist oder nicht, wird in nicht ganz einsehbaren Situationen schon seit 1999 mit Hilfe von Kameralinsen beantwortet. So auch am Sonntagabend. Da empfingen die Eisbären Berlin die Adler aus Mannheim, 6:3 endete der 125. Klassiker. Und er fügte der schier endlos langen Rivalitätsgeschichte zwischen Berlinern und Kurpfälzern ein weiteres Kapitel hinzu.

Neben den neun anerkannten Toren war im zweiten Drittel ja noch ein zehnter Treffer gefallen, ein höchst kurioser. Einen Meter vor dem Berliner Kasten bekam der Mannheimer Luke Adam die Scheibe vor den Schläger serviert. Adam stocherte daraufhin nach dem Puck und setzte diesen final tatsächlich rechts neben den linken Pfosten ins Tor. So glaubte er zumindest, seine Mitspieler vermuteten wohl dasselbe. Dummerweise – aus Adler-Sicht jedenfalls – verhinderte aber die Torpolsterung, dass der Puck tatsächlich komplett hinter die Torlinie rutschte. An der Polsterung blieb die Scheibe hängen und prallte wieder zurück aufs Eis, die Berliner konnten die Situation klären. Kein Tor, entschieden die Schiedsrichter und bemühten zur Absicherung die Aufzeichnungen. Satte zwölf Minuten schauten sich die Unparteiischen daraufhin die Videoaufnahmen an. Schließlich blieben sie bei ihrer ersten Eingabe: Kein Tor. Noch nie war eine Torpolsterung dem Berliner Tor so gut bekommen wie diese, die Luke Adam den Torerfolg verwehrt hatte.

Im Sinne des Eishockeysports ist es allerdings nicht, wenn die Polsterung zum Goalie mutiert. In der Pause wurde sie also nach oben geklappt.

Lars Brüggeman, der seit dem 1. Mai das DEL-Schiedsrichterwesen leitet, erklärt: „Eigentlich muss die Polsterung zehn Zentimeter nach hinten versetzt sein, damit genau solche Fälle nicht passieren.“ Nun ist es aber so passiert, weshalb die Liga dazu noch Stellung beziehen will. Einschneidende Konsequenzen gelten aber als wenig wahrscheinlich. Ein Wiederholungsspiel müssen die Eisbären wohl nicht fürchten. „Der Schiedsrichter muss auf dem Eis eine Entscheidung treffen. Diese Tatsachenentscheidung ist dann maßgebend“, erklärt Brüggemann. Und: „Die Schiris haben auf dem Eis auf kein Tor entschieden. Der Videobeweis hätte dies klar widerlegen müssen. Das hat er nicht, also war das Ganze korrekt. Von der Prozedur her haben die Schiedsrichter richtig gehandelt.“

Dass die Tore vor der Partie nicht ordnungsgemäß kontrolliert worden seien, wollte Brüggemann seinen Schützlingen auch nicht ankreiden. „Kein Vorwurf. Es ist passiert, man kann das nicht mehr ändern.“

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