Wohin geht es? Jens Keller, ehemals Trainer des 1. FC Union. Foto: Britta Pedersen/dpa
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Der 1. FC Union und die Trainerentlassung Warum Jens Keller gehen musste

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Jens Keller war beim 1. FC Union sehr erfolgreich. Aber Zahlen sind im Fußball nicht alles und deshalb ist des Trainers Entlassung zwar überraschend und durchaus riskant, aber nachvollziehbar. Ein Kommentar

Der Blick auf die nackten Zahlen spricht für Jens Keller. Mit ihm als Trainer war der 1. FC Union Berlin in der vergangenen Spielzeit so nah am Aufstieg in die Bundesliga dran wie nie zuvor. Und auch die nun fast abgeschlossene Hinrunde gehört zu den erfolgreichsten des Klubs. Nur im vergangenen Jahr hatte Union nach 16 Spieltagen einen Punkt mehr auf dem Konto – mit Trainer Jens Keller. Zahlen sind im Fußball jedoch nicht alles und deshalb ist Kellers Entlassung zwar überraschend und durchaus riskant, aber nachvollziehbar.

Denn die Ansprüche bei Union sind gestiegen. Erstmals hat der Verein den Aufstieg als klares Ziel ausgegeben. Der Kader gehört zu den besten der Liga, im Sommer wurden Leistungsträger wie Toni Leistner trotz lukrativer Angebote gehalten. Das soll sich auch auf dem Platz auszahlen. Union will in die Bundesliga – und zwar in dieser Saison.

Der interne Konkurrenzdruck fehlt, obwohl der Kader im Sommer deutlich verbreitert wurde

Wirklich überzeugt hat Union bisher aber kaum. Die Mannschaft ist zwar immer in der Lage, Tore zu schießen, fußballerisch hat sich das Team allerdings kaum entwickelt. Vor allem hat es Keller nicht geschafft, mehrere hartnäckige Probleme zu beheben, obwohl er sie seit längerer Zeit identifiziert hatte. Union schafft es nur selten, das Niveau über 90 Minuten zu halten. Eklatant sind vor allem die Defensivschwächen mit zuletzt neun Gegentoren in drei Spielen.

Zudem scheint der interne Konkurrenzdruck zu fehlen, obwohl der Kader im Sommer deutlich verbreitert wurde. Keller setzt auf eine eingespielte Mannschaft, für ambitionierte Spieler wie Philipp Hosiner oder Stephan Fürstner gehen die Chancen auf einen Startelfeinsatz daher gegen Null. Dazu kommt die Unruhe durch die Formschwäche von Kapitän Felix Kroos und die Wechseldrohung von Identifikationsfigur Steven Skrzybski.

In der Summe war das den Vereinsoberen zu viel der Probleme. Nach zwei vermeidbaren Niederlagen in den letzten drei Spielen und angesichts der internen Baustellen haben sie das Vertrauen in das Trainerteam verloren. Dem neuen Trainer André Hofschneider ist es mit seiner langen Union-Erfahrung durchaus zuzutrauen, wieder Ruhe in die Mannschaft zu bringen. Ob seine Zahlen mit denen von Keller mithalten können, muss sich erst mal zeigen.

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