Sonnenköniginnen. Laura Ludwig (l.) und Kira Walkenhorst gewannen in Timmendorfer Strand ihren dritten Deutschen Meistertitel in Folge. Foto: dpa/Heimken
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Beachvolleyball in Timmendorfer Strand Ludwig/Walkenhorst gewinnen Deutsche Meisterschaft

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Nach ihrem Olympia-Sieg in Rio werden die Beachvolleyballerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst auch an der Ostsee gefeiert.

Laura Ludwig genehmigte sich erst einmal einen ordentlichen Schluck Rotwein. „Traubensaft“, sagte die Beachvolleyballerin lachend, „sehr gut, nachdem man Sport getrieben hat. Kann ich nur empfehlen.“ Die 30-Jährige ist eine Frohnatur, nun war ihre Laune noch besser, denn in Timmendorfer Strand sie war mal wieder Deutsche Meisterin geworden. Es war nach dem Gewinn der EM und dem Sieg bei Olympia der dritte Titel in einem Jahr, das ihr und Partnerin Kira Walkenhorst wie eine ewige Reise auf der rosaroten Wolke vorkommen muss.

Seit Wochen stehen Ludwig/Walkenhorst im Fokus. Der Olympiasieg von Rio hat eine Welle verursacht, wie es sie im deutschen Beachvolleyball noch nicht gegeben hat. Andreas Scheuerpflug, der die Termine der Olympiasiegerinnen koordiniert, findet es „unglaublich, was da derzeit passiert“. Der Hype übersteige selbst das, „was nach dem Olympiasieg von Julius Brink und Jonas Reckermann vor vier Jahren abgegangen ist“.

Ludwig/Walkenhorst waren bei Lanz, bei Kerner, im Sportstudio und beim „Sport-Bild“-Award in Hamburg die umjubelten Stars des Abends. Kira Walkenhorst schüttelte ungläubig den Kopf, „wir brauchten auf dem roten Teppich eine Stunde, um dreißig Meter hinter uns zu bringen“. Der Tagesablauf, der bis dato von Beachvolleyball und Krafttraining geprägt war, sah zuletzt so aus: morgens Training, danach Fotoshooting in Berlin und Sommerfest der „Bild“-Zeitung mit Treffen von Größen wie Bundeskanzlerin Merkel, Thomas Gottschalk und Peter Maffay.

Laura Ludwig findet das, was über sie und ihre Partnerin in den letzten Wochen hereingebrochen ist „einfach nur krass, daran haben wir uns nicht so ganz gewöhnt“. Seit dem Triumph von Rio habe sie so viele Selfies mit sich machen lassen, dass sie zwischendurch an „Wangen-Muskelkater“ gelitten habe. Das ist die schöne Seite des frischen Ruhms, der aber nicht nur glänzt, wie Kira Walkenhorst inzwischen weiß. „Die Belastung haben wir unterschätzt“, sagt die Blockerin: „Im Blitzlichtgewitter zu stehen ist schön, spannend, aber auch unheimlich kräfteraubend.“

Ludwig/Walkenhorst schafften den Balanceakt zwischen Alltag und Glamour

Bei den nationalen Titelkämpfen gelang der Balanceakt zwischen sportlichem Alltag und Glamour vortrefflich. Die Titelverteidiger sicherten sich ihren dritten nationalen Titel in Folge, das Endspiel gegen Chantal Laboureur und Julia Sude gewannen sie knapp mit 2:0 (22:20, 23:21). Mehr als 6000 Zuschauer waren hingerissen von einem Spiel, das ein dichteres Niveau brachte als das olympische Finale. „Nach dem extremen Höhepunkt Rio, der enorm viel Kraft gekostet hat, ist es genial, noch einmal so eine Leistung rauszuholen“, sagte Laura Ludwig.

Der Lauf geht also weiter, nun gilt es, den Rückenwind möglichst für eine ganze Sportart zu nutzen. Trainer Jürgen Wagner, der bereits das Duo Brink/Reckermann auf den Olymp führte, erinnert sich an die Situation vor vier Jahren, „als die Medaille von Jonas und Julius nicht richtig genutzt wurde“. Dabei sei „das Potenzial der Sportart riesig“. Als Inhaber eines Sportversenders weiß er: „Ich bin Unternehmer, und wenn ich nichts unternehme, passiert nichts.“ Ein deutlicher Seitenhieb in Richtung Deutscher Volleyball-Verband, der die Sportart lediglich verwaltet und nicht gestaltet.

Laura Ludwig und Kira Walkenhorst tangiert das nur am Rande, sie haben sich vom ersten Tag an unabhängig vom Verband gemacht. „Unsere Vermarktungslage ist gut“, sagt Manager Klaus Kärcher. Wie es mit dem Duo Ludwig/Walkenhorst weitergeht, wird nach dem World Tour Final entschieden, das in der kommenden Woche in Toronto stattfindet. Nach Lage der Dinge wird die Liason bis Tokio 2020 verlängert. Denn wer so viel richtig macht, hat keinen Anlass, etwas zu ändern. Doch erst einmal beschäftigt Laura Ludwig etwas anderes: Für eine Unternehmerin, deren Arbeitsplatz die Strände der Welt sind, mag sich das merkwürdig anhören, doch sie sagt: „Ich zähle die Tage bis zum Urlaub.“

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